Hotelbranche

Corona-K.o. für die Gastro – 2G plus ist „Lockdown durch die Hintertür“

Zu sehen ist der Innenraum eines Restaurants, an dessen Tür der Hinweis auf die 2G-plus-Regel klebt.
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Die neue Corona-Realität in Niedersachsen: In Restaurants gilt ab 1. Dezember 2021 die 2G-plus-Regel. Somit dürfen nur noch Geimpfte und Genesene rein, die zusätzlich einen negativen Test nachweisen müssen. (Symbolbild)

In Niedersachsen gelten seit 1. Dezember 2021 verschärfte Corona-Regeln. 2G plus greift in vielen Bereichen. Was bedeutet das für die Gastronomie? K.o. oder kämpfen?

Hannover – Die verschärfte 2G-plus-Regelung in Niedersachsen tangiert nun auch das Gastgewerbe im nördlichen Bundesland. Die Corona-Maßnahme gilt in der Gastronomie sowie bei Übernachtungen und sorgt für Verunsicherung innerhalb einer ganzen Zunft. Der Grundtenor: „2G plus ist gegenüber 2G nochmal eine Erschwerung“, wie es Rainer Balke gegenüber der dpa formuliert.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen sieht viele Probleme auf die Branche zukommen.

Verband, Verein oder Organisation:DEHOGA Niedersachsen Landesverband
Adresse:Yorckstraße 3, 30161 Hannover
Telefon:0511 337060

2G plus in Niedersachsen: Worauf sich Gastronomen und Hoteliers jetzt einstellen müssen

Denn schließlich sei es fraglich, ob geimpfte und genesene Gäste dazu bereit sind, vor dem Besuch von einem Café oder Restaurant einen Corona-Test durchführen zu lassen. Darüber hinaus sei auch nicht abzusehen, ob die sich wieder im Aufbau befindlichen Testkapazitäten überhaupt für regelmäßige Testungen ausreichen.

Und um eigene Tests vor den Lokalen anzubieten, fehle vielen Betrieben schlichtweg das Personal. Zum Hintergrund: In weiten Teile von Niedersachsen, die das öffentliche Leben betreffen, reicht es seit Mittwoch, 1. Dezember 2021, nicht mehr aus, geimpft oder genesen zu sein.

Wer in Innenräume von Kneipen, Cafés oder Restaurants oder für Übernachtungen in Unterkünfte eincheckt, braucht zusätzlich besagten negativen Corona-Test. Hiervon sind nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ausgenommen. Eine verzwickte Lage, für alle Parteien, die sich den Pandemie-Maßnahmen gemäß der neuen Corona-Verordnung in Niedersachsen unterwerfen müssen.

„Lockdown durch die Hintertür“: 2G-plus-Regel in Niedersachsen zwingt Gastronomie in die Knie

Laut Balke wurden bereits viele Weihnachtsfeiern in Gastronomien abgesagt worden, da die Umsetzung nach der 2G-Regel nicht möglich gewesen wäre. Nun, wo in Niedersachsen die Corona-Regeln erneut verschärft werden und 2G plus greift, sei damit zu rechnen, dass die übrigen Buchungen storniert werden.

Denn faktisch werde mit der verschärften Regelung nun ein „Lockdown durch die Hintertür“ vollzogen. „Wir müssen mal sehen, wie viele Betriebe in Anbetracht dieser wirklich radikal zusammengedampften Umsätze es betriebswirtschaftlich überhaupt noch für sinnvoll erachten, offenzulassen“, sagt Niedersachsens Dehoga-Chef Rainer Balke. Einige Betriebe würden bereits prüfen, ob es nicht besser wäre, vorübergehend zu schließen.

Auch das Alltagsgeschäft vieler Betriebe geht verloren: 2G plus in Niedersachsen führt zu massiven Umsatzeinbußen

Ein Aspekt, der auch nicht außer Acht gelassen werden darf: durch die 2G-plus-Regelung in Niedersachsen gehe nun auch das Alltagsgeschäft vieler Betriebe verloren. Diese Meinung vertritt der Wilhelmshavener Gastronom Olaf Stamsen gegenüber der dpa.

Wir gehen abends nochmal einen Teller Gyros essen oder ein Fischfilet – das fällt ganz weg, da der Aufwand für das Testen zu groß ist.

Der Wilhelmshavener Gastronom Olaf Stamsen spricht über die Einschränkungen durch die 2G-plus-Regel in Niedersachsen

Im Landkreis Friesland, wo die 2G-plus-Regel schon ein paar Tage länger gilt, hätten die Lokale schon einen Umsatzrückgang von 60 Prozent verzeichnet. „Die Kollegen mit 2G plus sitzen in leeren Läden“, sagt Stamsen. Generell seien viele Gastgeber an der Nordseeküste, die ähnlich wie der Einzelhandel auf ein gutes Weihnachtsgeschäft gehofft haben, angesichts der grassierenden Perspektivlosigkeit verunsichert.

Sehnsucht nach Normalität größer als Pandemie-Frust? „Als Genussmensch nimmst du das auch in Kauf“

„Wir müssen irgendwie einen Weg finden, dass wir zumindest wieder bei 2G landen, alle gemeinsam“, spricht Stamsen stellvertretend für eine gesamte Branche. Wie aber dieser Weg aussehen soll, weiß keiner so Recht zu skizzieren. Und dennoch gibt es auch Gastronomen und Hoteliers, die sich in vorsichtigem Optimismus üben – trotz 2G plus und einer kaum vorhandenen Planbarkeit der nächsten Monate.

„Wenn du ein Genussmensch bist, nimmst du das auch in Kauf“, sagt Pasan Milisic gegenüber der dpa. Auch der Hannoveraner Gastronom geht davon aus, dass mit 2G plus vorübergehend weniger Gäste kommen werden. Doch sei bei vielen auch die Sehnsucht nach einem Stück Normalität groß – und damit auch die Bereitschaft, einen negativen Testnachweis vorzulegen.

Hotelier aus Bispingen sieht Chance in 2G plus in Niedersachsen: „Sicherer können wir nicht reisen“

Und auch in der Lüneburger Heide sehen die Übernachtungsbetriebe die Verschärfung der Corona-Regeln in Niedersachsen grundlegend als Chance. Denn vor einem Kurzurlaub könnten sich sowohl Geimpfte als auch Genesene gut auf einen Test einstellen. Diese Meinung vertritt Björn Bohlen, Geschäftsführer des Stimbekhofes bei Bispingen.

„Für die Gastro ist das eine ganz schöne Einschränkung, aber auf einen Urlaub bereite ich mich anders vor“, meint Bohlen. Er befürwortet sogar die 2G-plus-Regelung in Niedersachsen, denn: „Sicherer können wir nicht reisen, damit würden wir zum sicheren Ort werden“. Doch bereitet es ihm Sorgen, dass es immer noch zu wenig Testzentren in Niedersachsen gebe.

Das Meinungsbild einer ganzen Branche, die Gäste bewirtet und beherbergt, in Bezug auf die 2G-plus-Regel in Niedersachsen – es könnte kaum unterschiedlicher ausfallen. Die unmittelbare Pandemie-Zukunft wird zeigen, ob Gastronomen und Hoteliers durch die verschärften Regeln der Corona-K.o. droht – oder ein zarter Schimmer der Hoffnung das dunkle Tal namens Perspektivlosigkeit zumindest teilweise erhellt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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