Gänseleiden: Kreis Harburg wehrt sich gegen Vorwürfe

„Clever konstruiert“

Die Qualen der im Sommer lebendig gerupften Gänse sind noch nicht abschließend geklärt.

Niedersachsen - WISTEDT (mk) · Wie lange mussten die Tiere auf Deutschlands zweitgrößtem Gänse- und Entenzuchtbetrieb leiden? Was wussten die zuständigen Veterinäre und wie ist mit den für den Lebendrupf verantwortlichen Tierquälern umzugehen? Der Streit um die Vorfälle auf dem Betrieb Moorhof Schwerk in Wistedt (Kreis Harburg) schwelt weiter.

Ein Team um den Aktivisten der Organisation Vier Pfoten, Marcus Müller, hatte den Skandal im Juli aufgedeckt. Hunderten Gänsen wurden bei lebendigem Leib die Federn maschinell entrissen, die Tierschützer filmten die Vorgänge. Eine Tierquälerei, die nach EU-Vorschriften streng verboten ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der Landkreis hat reagiert: Gegen Senior-Chef Rudolf Schwerk wurde ein Tierhalteverbot verhängt, die Rupfmaschinen wurden versiegelt und jegliche Betriebstätigkeit unter behördliche Beobachtung gestellt. Auch den beteiligten Mitarbeitern wurde der Umgang mit Nutztieren verboten. Doch der Betrieb auf dem Moorhof läuft weiter: Die Kinder des Senior-Chefs haben die Geschäftsführung übernommen. „Es hat sich praktisch nichts verändert“, sagt Müller heute.

Doch seine Vorwürfe gehen tiefer: Müller sieht „enge Verstrickungen zwischen dem Landkreis und Schwerk“. Für die „Gänse-rupfer“ suche der Kreis nun Fortbildungsmaßnahmen, damit diese erneut ins Geschäft einsteigen könnten. „Es geht um die Arbeiter, die die Tiere illegal rupften, traten und umher warfen“, so Müller. Zudem sei die Menge der beschlagnahmten Daunen stetig nach unten korrigiert worden. Müller: „Hier wird nach allen Regeln der Kunst verdunkelt.“

Kreissprecher Georg Krümpelmann zeigte sich gestern empört. Zum einen bemühe sich der Kreis nur um Schulungen für noch tätige, unschuldige Schwerk-Mitarbeiter, zum anderen habe der Kreis nur Daunen beschlagnahmen können, die auch nachweislich bei lebendigem Leib gerupft worden waren: 132 Kilo von 1 300 Tieren. Die Vorwürfe von Vier Pfoten seien „clever konstruiert“, entbehrten aber jeglicher Grundlage. Krümpelmann: „Wir haben alles aus unserer Sicht Mögliche getan, um die Tierquälerei zu verhindern.“ Die Attacken von Vier Pfoten seien eine „Sauerei“: „Wir wollen doch alle das Gleiche: Warum setzen wir uns nicht mal an einen Tisch zusammen?“

Quelle: kreiszeitung.de

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