„Essgarten“ in Barjenbruch

Unkraut und Blumen als Delikatesse: 1200 essbare Pflanzen im Garten von Frits Deemter

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Sogar Szechuanpfeffer wächst bei Frits Deemter.

„Das kann man essen?“ Diese Frage hört Frits Deemter ziemlich oft. In seinem Garten in Barjenbruch in der Gemeinde Winkelsett wächst eine der vermutlich größten Sammlungen verzehrfähiger Pflanzen in Deutschland.

Barjenbruch - Deemter liebt es, seine Gäste zu überraschen. Deshalb serviert er Blumen wie Kamelien oder Taglilien. Sogar frisch gepflücktes Laub. Auch mit Lindenblättern gefüllte Teigtaschen landen auf Tellern. Deemter nennt sie „Wildgemüse“. Die Leute sollen unvoreingenommen „mit der Zunge entscheiden“. Da ist es besser, wenn sie gar nicht so genau wissen, wovon sie kosten.

Regelmäßig lassen der Physiotherapeut und seine Lebensgefährtin Gisela Töllner bis zu 40 Gäste in der Orangerie ihres 4,5 Hektar großen „Essgartens“ in Barjenbruch Gewächse probieren, die sonst fast nirgends auf der Speisekarte stehen.

Auch Nashibirnen wachsen im „Essgarten“

Mehr als 1200 verzehrbare Pflanzen wachsen im „Essgarten“, darunter Nashibirne, Indianerbanane und Japanischer Rosinenbaum. Aber auch weniger Exotisches, etwa Bambus, Pfirsich und Magnolie. Nicht minder gern bietet Deemter bei seinen Menüabenden Unkräuter wie Giersch und Brennnesseln an.

Gisela Meyer aus Westerstede nimmt mit ihrer Familie an einem der langen Tische Platz. Sie zeigt sich offen für Ungewöhnliches, verspeist sogar das rohe Lindenblatt, auf dem die Blätterteigtasche drapiert ist. „Reine Kopfsache“, sagt sie. „Man muss den Gedanken ausschalten, dass man das nicht essen kann.“ Sie bereut ihren Mut nicht. Das Lindenblatt sei pikant und passe gut zu der Teigtasche. Ihr Mann traut sich nicht. Er lässt das Blatt unangetastet liegen.

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Mai bis Oktober: Einmal monatlich Gartenführungen

Mindestens ein Bestandteil der Deemterschen Pflanzen eignet sich zum Verzehr: Neben den Früchten sind das häufig die Triebspitzen, die Rinde, die jungen Blätter, die Blüten, manchmal die Wurzeln – und beim Japanischen Rosinenbaum die Stängel

Um möglichst vielen Menschen zu vermitteln, dass es nicht immer nur Tomaten, Gurken und Möhren sein müssen, bietet der „Essgarten“-Betreiber von Mai bis Oktober einmal monatlich Gartenführungen an. „Die Leute lassen sich gerne inspirieren“, weiß Deemter. 

Gäste sitzen in der Orangerie vom „Essgarten“, um sich ein Menü servieren zu lassen.

Schon mal was von Stockrosen-Lasagne gehört?

Zweimal im Monat serviert er zudem ungewöhnliche Gerichte wie Stockrosen-Lasagne oder Berberitzenreis im Feigenblatt. Rund 1000 Besucher kommen so jedes Jahr in seinen Garten. Demnächst will Deemter seinen Job als Physiotherapeut an den Nagel hängen und sich nur noch seinem Garten widmen.

Schon gelesen? Die Naju-Gruppe Dötlingen war auf Entdeckungstour im „Essgarten“.

Angefangen hatte alles vor über 20 Jahren. Der gebürtige Holländer lebte mit seiner Familie in Bremen, hatte aber keine Lust mehr auf das Stadtleben. Die Familie kaufte ein Haus auf dem Land mit viel Brachfläche.

„Ich hatte null Ahnung, aber viel Energie.“

Deemter begann Samen von 500 Arten auszusäen: „Ich hatte null Ahnung, aber viel Energie.“ Er las viele Bücher, auch darüber, was Urvölker zum Essen aus der Natur nahmen und nehmen. Denn er wollte möglichst alles aus seinem Garten auch essen können. Inzwischen wächst sogar chinesischer Szechuanpfeffer bei ihm.

Als besonders lecker erwiesen sich die Knospen der Taglilie. „Jedes Jahr freuen wir uns auf die erste gedünstete Knospenpfanne“, sagt Deemter. Seine Familie ernährt sich fast ausschließlich aus dem reichen Angebot des Gartens. Irgendwann merkte Deemter: „Wir sind nie krank.“

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Deemter erhält „Deutschen Gartenbuchpreis“

An seinem Hobby will er möglichst viele Menschen teilhaben lassen; deshalb ließ er einen riesigen Wintergarten, die Orangerie, bauen.

Noch mit seiner früheren Frau Heike Deemter schrieb er ein Kochbuch, das 2018 mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis“ bedacht wurde.

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