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Die Geschichte hinter dem Vorurteil

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Lesung „Was wir noch sagen wollten“
Lesung „Was wir noch sagen wollten“: Mehrere Teilnehmer*innen der Gruppenangebote im Café Dialog hatten den Wunsch geäußert, von sich erzählen zu können, damit „die Deutschen sie verstehen“. © Café Dialog

Uslar – Mit dem Projekt „Was wir noch sagen wollten…!“ setzte das Café Dialog gemeinsam mit der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Northeim jetzt ganz besondere Akzente im Rahmen der Interkulturellen Wochen im Landkreis Northeim. „Migrant*innen erzählen ihre Geschichte“ lautete der Untertitel der Lesung im Kulturbahnhof Uslar.

Ziel der Veranstaltung war es, Menschen mit Fluchtgeschichte die Möglichkeit zu geben, einem Publikum ihre eigene Geschichte zu präsentieren. Eingerahmt wurde die Lesung durch einen Kurzinput und eine moderierte Austauschrunde, begleitet von der Antidiskriminierungstrainerin Sarah Böger. Die Geflüchteten, die entweder ihre eigene oder die Geschichte Dritter vortrugen, berührten das Publikum mit ihren Ausführungen sehr. So bekamen die Besucher*innen einen Einblick in die schwere Reise nach Europa, die nicht selten geprägt war von Gewalt und Diskriminierung, von Unsicherheiten und Angst vor dem Tod. Die Berichte zeigten deutlich die Ohnmacht, die die Menschen auf der Flucht gegenüber Sicherheitsbehörden und Ämtern erfahren, und die scheinbare Willkür, auf deren Basis Entscheidungen zum Asylverfahren getroffen werden. Die Geschichten erzählten auch von Enttäuschungen in Deutschland auf dem Weg in ein sicheres und gutes Leben; auf dem Weg, Teil Deutschlands zu werden, die Sprache zu lernen, zu arbeiten und den Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Die Geschichten waren bei jedem und jeder Leser*in einzigartig und individuell, und trotzdem zeigen sie, wie wichtig weiterhin das Eintreten für Menschenrechte in Deutschland und Europa ist, denn die Einhaltung dieser Rechte ist nach wie vor nicht selbstverständlich. „Diskriminierung und Rassismus sind nicht zufällig und individuell, sondern diese Probleme sind strukturell und tief in unserer Gesellschaft verankert“ – so Anna Schäfer, Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Northeim und Mitorganisatorin der Veranstaltung.

„Uns war es wichtig, denjenigen eine Stimme zu geben, die selbst eine Fluchterfahrung gemacht haben. Leider wird noch viel zu oft über diese Menschen gesprochen, anstatt mit ihnen. Sie sind täglich von Diskriminierung betroffen und mit Vorurteilen konfrontiert. Das wollten wir mit diesem Projekt ändern und einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen“ – so Åza Thelandersson-Re, die die künstlerische Leitung zu der Lesung innehat.

Das Projekt wurde gefördert von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Northeim.

Zum Hintergrund des Projektes:

Im Asyl-und Migrationszentrum Café Dialog gehen Menschen mit Fluchterfahrung und/oder Migrationshintergrund ein und aus. Die Menschen, die die Angebote in Anspruch nehmen, kommen aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan, aber auch aus Eritrea und Somalia. Sie haben unterschiedliche Hintergründe und unterschiedliche Erwartungen an das Leben. Sie teilen jedoch alle die Erfahrung von Diskriminierung. Im Alltag hier in Deutschland sind sie oft mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert. In Behörden und Institutionen sehen sie sich Sachbearbeiter*innen gegenüber, die ihr Fremdsein nur als Defizit und nicht als Bereicherung wahrnehmen. In der Mehrheitsgesellschaft fehlt das Bewusstsein, dass „die Geflüchteten“ keine homogene Gruppe sind. Es sind Menschen, die mit Ideen, Träumen und Hoffnungen nach Deutschland gekommen sind, und sie haben ein Recht auf Teilhabe.

Mehrere Teilnehmer*innen der Gruppenangebote aus der Einrichtung hatten den Wunsch geäußert, von sich erzählen zu können, damit „die Deutschen sie verstehen“. Dieses Projekt soll einigen wenigen von ihnen eine Stimme geben, indem sie ihre eigenen Geschichten aufschreiben und mit einem Publikum teilen können.

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