Kinder der „Hoppetosse“ spenden für Flüchtlingsfamilien

Verständigung mit Händen und Füßen

„Hoppetosse“-Leiter Kolja Leffers (hinten rechts) übergibt die Spende im Namen aller Kinder und Mitarbeiter an Roger Tosse vom Verein „Flüchtlingshilfe Asyl“. Foto: Zimmer

SIBBESSE Alle Jahre wieder: In der Kindertagesstätte „Hoppetosse“ in Sibbesse ist es Tradition geworden, dass die „Wackelzähne“ – die Kinder, die im Sommer eingeschult werden – beim örtlichen Adventsgottesdienst eine Aufführung präsentieren. Bei diesem Gottesdienst wurde zuletzt eine Kollekte von 100 Euro erzielt, die einer gemeinnützigen Organisation zugute kommen soll, wobei die Kinder mitentscheiden dürfen, wer die Spende erhält.

Da auch in Sibbesse, und speziell in der „Hoppetosse“, das Flüchtlingsthema sehr aktuell ist, wurde entschieden, dass mit der Kollekte der Verein „Flüchtlingsberatung Asyl“, der im gesamten Landkreis aktiv ist, unterstützt werden soll. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlingen aus aller Welt während der Integration beratend zur Seite zu stehen, wobei er eng mit der Landkreisverwaltung im Bereich Asyl zusammenarbeitet und Runde Tische und ehrenamtliche Arbeitskreise unterstützt.

Um möglichst effektiv arbeiten zu können, wird hauptsächlich vor Ort beraten, so dass auch den in abgelegenen Dörfern untergebrachten Flüchtlingen die gesamte Hilfe zuteil wird. Bei der Arbeit des Vereins stehen zwei Begriffe besonders im Mittelpunkt: Mobilität und Deutsch. Durch Spenden werden alte oder beschädigte Fahrräder erhalten, die in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder Einzelpersonen aufbereitet oder repariert werden, um sie dann den Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Um ihnen die deutsche Sprache zu vermitteln, werden Integrationssprachkurse für einfaches Deutsch organisiert, die mehrmals wöchentlich stattfinden. Die Finanzierung der Sprachkurse läuft über die Volkshochschule, ist aber dennoch auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, da kostenfreie Räume und als Lehrer einsetzbare Personen benötigt werden.

Da die betroffenen Flüchtlinge größtenteils aus Mittelafrika stammen, ist der Einsatz von Sprachmittlern unverzichtbar. Diese Dolmetscher können unter anderem sogar in den Kursen selbst gefunden werden, da einige Kursteilnehmer gut genug Deutsch lernen und sich auch später in der Sprache weiterbilden, um sie Neueinsteigern weitervermitteln zu können.

So einen Fall gibt es auch in Sibbesse: Ein Sudaner, der seit etwa zwei Jahren im Landkreis lebt, hat das Arbeitsrecht beantragt, um in Sibbesse gegen eine Aufwandsentschädigung Deutsch lehren zu können. Daneben versucht der Verein aber auch, mit sozialrechtlicher Beratung zu dienen. Er unterstützt bei verschiedenen Anmeldungen, um beispielsweise das Aufenthaltsrecht zu sichern und die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten zu können. Weiterhin bietet der Verein Hilfe bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen, um den Betroffenen den beruflichen Einstieg zu erleichtern.

Im Kreis Hildesheim leben zurzeit etwa 1 500 Flüchtlinge, wobei allein im vergangenen Jahr 700 neue Flüchtlinge hinzukamen, die in vom Landkreis angemieteten Häusern und Wohnungen untergebracht werden. Hiervon leben mittlerweile etwa 50 Personen in der Samtgemeinde Sibbesse, was dazu führte, dass vor acht Wochen von Pastor Dr. Claudio Steinert ein Runder Tisch ins Leben gerufen wurde, der mittlerweile über 30 ehrenamtliche Mitglieder verfügt. Die Mitglieder des Runden Tisches kommen alle vier Wochen zusammen und kümmern sich darum, die Flüchtlinge im alltäglichen Leben zu begleiten und ihnen Dinge wie Ämtergänge, Arztbesuche und Einkäufe zu erleichtern. Die einzelnen Mitglieder stehen stets als Ansprechpartner bereit, und einige übernehmen sogar eine Familienpatenschaft, wie Elfriede Bindemann, Mitglied des Runden Tisches, ihre Aufgabe gern bezeichnet. Zudem werden Fahrdienste organisiert, um möglichst viele Personen kostengünstig zu befördern, wenn sie in weiter entfernte Orte gelangen müssen, um Besorgungen zu erledigen. Um ihnen eine Zukunft in Deutschland zu ermöglichen, werden durch den Runden Tisch und den Verein Grundsteine geschaffen. „Es sind Kontakte, die entstehen, und Beziehungen, die sich entwickeln“, erklärt Roger Toppel vom Verein „Flüchtlingsberatung Asyl“ begeistert.

Es geht stetig voran

Der Runde Tisch in Sibbesse steht noch ganz am Anfang, aber es geht stetig voran. „Der Wille zur Integration ist da“, bestätigt Kolja Leffers, Leiter der Kindertagesstätte. In der „Hoppetosse“ selbst befinden sich fünf Flüchtlingskinder zwischen drei und sechs Jahren. Wie diese Kinder in den entsprechenden Gruppen integriert werden, erklärt Inka Schulz-Becker, Mitarbeiterin der „Hoppetosse“, die sich außerdem am Runden Tisch und bei der Unterstützung der Flüchtlingsfamilien engagiert. Die Gewöhnung verläuft ganz in Ruhe, sodass das jeweilige Kind in seinem eigenen Tempo in der Gruppe ankommen kann. „Die Sprache ist im Grunde egal, man verständigt sich mit Händen und Füßen“, so Schulz-Becker. Doch die Kinder lernen die Sprache sehr schnell, wobei das Sprechen natürlich länger dauert als das Verstehen.

Eines dieser Kinder ist Termeh, ein vierjähriges Mädchen aus dem Iran. Sie kam vor bald zwei Jahren mit ihrer Mutter Bahare und ihren beiden Schwestern (zwei und neun Jahre) nach Deutschland und fand mithilfe der Flüchtlingshilfe Asyl eine Unterkunft in Sibbesse. Termeh fiel der Einstieg in ihre Gruppe zunächst sehr schwer, verschiedene Ängste behinderten ihr Wohlfühlen. Doch es wird täglich besser, da sich sowohl die Mitarbeiter der „Hoppetosse“ als auch die Mitglieder des Runden Tisches stark für sie und ihre Familie einsetzen und somit auch mit Bahare zusammenarbeiten. „Wie können wir helfen? Was kann Mama machen? Das sind Fragen, die wir dann zu beantworten und umzusetzen versuchen“, erklärt Schulz-Becker die Vorgehensweise.

Wer Interesse für den Verein „Flüchtlingsberatung Asyl“ hat oder spenden möchte, sollte eine Mail an info@asyl-ev.de senden, um nähere Informationen zu erhalten. Als Ansprechpartner für den Runden Tisch in Sibbesse steht Dr. Claudio Steinert zur Verfügung.

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