MGV Segeste: Vorsitzender analysiert Ursachen / Chor-Landschaft steht vor Umbruch

Sängern fehlt der Nachwuchs

Ehrungen beim MGV Harmonie Segeste (von links): Wolfgang Ernst (Sängerbund), Manfred Röschel, Heinrich Schünemann junior, Klaus Stahl, Hans-Joachim Hafke und Vorsitzender Peter Bernotat. Foto: Meyfarth

SEGESTE Es ist Zeit der Jahreshauptversammlungen: Feuerwehren, Sportvereine und Musikzüge wählen Vorstände, berichten über die Kassenlage, zeichnen langjährige Mitglieder aus und wagen einen Blick in die Zukunft. Der fällt bei vielen Gesangvereinen zurzeit nicht gerade rosig aus. Den Chören fehlt der Nachwuchs.

Mit nur noch 19 aktiven Sängern kann auch der Männergesangverein (MGV) Harmonie Segeste ein Lied davon singen. Dennoch haben die Sänger im vergangenen Jahr zahlreiche Auftritte absolviert. Auf dem Programm standen wieder das traditionelle Mai-Singen, ein Konzert in der Kirche, Ständchen sowie Auftritte im Seniorenheim und bei örtlichen Veranstaltungen.

„Das abgelaufene Jahr war gesanglich gerade noch befriedigend“, zog Vorsitzender Peter Bernotat während der Hauptversammlung Bilanz. Das Singen habe immer Spaß gemacht. Daran habe nicht zuletzt auch Dirigentin Isolde Winter großen Anteil. Sie habe teilweise auch nur mit zwölf Sängern gute Arbeit geleistet.

„Dennoch müssen wir uns Gedanken um die Zukunft machen“, appellierte er an seine Sangesfreunde. Die diskutierten während der Versammlung über verschiedene Möglichkeiten, neue Sänger zu gewinnen. Immerhin habe im vergangenen Jahr mit Karl-Heinz Koziol ein ehemaliger Sänger den Weg zurück in den Chor gefunden, freut sich Peter Bernotat. Und mit dem 13-jährigen Jarno Vornkahl konnte sogar ein Jugendlicher im ersten Tenor begrüßt werden. „Doch auf der anderen Seite vollenden zwei Mitglieder in diesem Jahr ihr 80. Lebensjahr“, so Bernotat weiter: „Wenn die beiden aus dem aktiven Singbetrieb ausscheiden, wird’s eng.“

Es steht außer Frage, dass die Chor-Landschaft vor einem Umbruch steht. Einige Chöre haben sich bereits mangels Nachwuchs aufgelöst, wie der Chor aus dem Nachbarort Almstedt. Andere bilden Chorgemeinschaften oder verschmelzen wie die Sängerinnen und Sänger aus Petze und Sibbesse.

Dabei kann das mangelnde Interesse des Nachwuchses zumindest in Segeste nicht am Repertoire liegen. Die Sänger haben ihre Noten bereits vor Jahren kräftig entstaubt und viele moderne auch englischsprachige Lieder aufgenommen. „Doch das Singen im Männerchor scheint heute wohl eher „uncool“, vermutet Bernotat, der während der Versammlung als Vorsitzender wiedergewählt wurde. Auch Eckhard Piel wurde als Kassenwart bestätigt. Der Posten des Schriftführers bleibt vakant.

Immerhin unterstützen die Jüngeren den Männerchor zumindest als passive Mitglieder. „Auch darüber freuen wir uns natürlich“, sagt der Vorsitzende. Denn auch wenn das Liedgut im Mittelpunkt steht, ist der Verein ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens und hat darüber hinaus auch eine wichtige soziale Funktion innerhalb der Gemeinschaft.

Zumindest bis zur großen 150-Jahr-Feier im Jahr 2017 wollen die Segester auf jeden Fall mit dem Singen durchalten. Und ihre Dirigentin macht ihnen Mut, denn Isolde Winter sieht die Zukunft des Chorgesanges optimistischer. Sie schlug vor, einen Projektchor für das Jubiläum ins Leben zu rufen, der gezielt für zwei bis drei Auftritte mit den Aktiven vom MGV Lieder einübt.

Peter Bernotat bedankte sich sowohl bei der Dirigentin als auch den Mitgliedern für die Unterstützung und zeichnete abschließend gemeinsam mit Wolfgang Ernst vom Deutschen Allgemeinen Sängerbund Manfred Röschel für dessen 65-jährige Mitgliedschaft sowie Klaus Stahl, Hans-Joachim Hafke und Heinrich Schünemann junior für ihre 40-jährige Mitgliedschaft zum MGV aus. pbm

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