Herbstfahrtage werden gut angenommen

Reges Treiben auf Museumsbahnhof

Fortbewegung mit reiner Muskelkraft: Fahrten mit der Draisine sind beliebt.
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Fortbewegung mit reiner Muskelkraft: Fahrten mit der Draisine sind beliebt.

Almstedt – Die Corona-Einschränkungen machten sich auch deutlich bei den Almetalbahnern bemerkbar (die LDZ berichtete). Von heute auf morgen mussten die Arbeiten eingestellt und zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden. Doch ein Hygienekonzept und letztlich die Genehmigung des Gesundheitsamtes machten es möglich, dass nach Fahrtagen im Sommer nun auch die Herbstfahrtage ausgerichtet werden konnten. 

Ein Eingangsbereich wurde eingerichtet, sodass alle Besucher registriert werden konnten. Das Interesse war groß – es war ein ständiges Kommen und Gehen. Ein kompaktes Angebot auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche scheint das Erfolgsrezept zu sein. Spontan kamen die Hanomag-Freunde aus Störy dazu, die ihre frisch auf Vordermann gebrachte Dampflokomobile „Angelika“ präsentierten. Schnaufend und zischend trieb sie eine historische Dreschmaschine an. Alte Traktoren und Autos rundeten das Angebot an diesem Tag ab. Harald Strube hebt die Bedeutung der Veranstaltungen für den Verein, die Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn, hervor. Schließlich ist das Betreiben eines Museumsbahnhofs eine kostspielige Angelegenheit. Nicht nur, dass Dampflok „Schunter“ seit längerem repariert wird, auch zahlreiche weitere Projekte stehen an. So wie der alte Lokschuppen, der vor drei Jahrzehnten in Bad Grund abgebaut und in Almstedt wieder aufgebaut wurde. „Das Dach muss in absehbarer Zeit erneuert werden. Da kommen schnell 40 000 Euro zusammen“, erklärt Strube: „Ohne Förderung geht es nicht, es kann nicht alles in Eigenleistung erledigt werden.“ Im Grunde sei der Museumsbahnhof wie das berühmte Fass ohne Boden. „Es gibt immer etwas zu tun, und das macht gerade den Reiz aus“, unterstreicht Strube. Inzwischen ist die Mitgliederzahl des Vereins auf 50 angestiegen. „Über weiteren Zuwachs würden wir uns natürlich freuen“, so der Vorsitzende. Auch helfende Hände sind immer willkommen, nicht nur handwerklich begabte Technikbegeisterte. „Im Grunde benötigen wir alles vom Kuchenbacken, über das Betreuen des Grillstandes und der Infostände bis zum Anstreichen und Schweißen – die Leute müssen nur zur Stange halten.“ Der regelmäßige Arbeitseinsatz ist jedoch handwerklich bestimmt. Die Mitglieder pflegen die Anlagen und denkmalgeschützten Bauwerke oder setzen die Fahrzeuge instand. „Der Museumsbahnhof ist mehr als nur Eisenbahn, für einige ist die Arbeit hier ihr Lebensinhalt“, erklärt Harald Strube. An den regulären Arbeitstagen – immer sonnabends von 10 bis 18 Uhr – sind zwischen acht und zwölf Personen vor Ort, aber auch unter der Woche ist oft jemand auf dem Bahnhof zugange. In der Vergangenheit organisierte der Verein immer vier Feste im Jahr. Da jedoch die Betriebskosten immer höher werden (in Zukunft auch eine CO2-Abgabe pro Tonne Kohle), reichen die Einnahmen durch Ticketerlöse oder den Verkauf von Bratwurst und Co. nicht mehr aus, um sie zu decken. Geplant waren vom Vorstand künftig Nikolausfahrten, Konzerte der Almetaler Musikanten auf dem Gelände oder eine Lesung mit dem KulturForum Sibbesse. Diese zusätzlichen Veranstaltungen fielen aber coronabedingt aus. Um kurzfristig Geld in die Kasse zu spülen, hatte der Verein die Aktion „Bahnsteigkarte für Bahnsteigkante“ ins Leben gerufen. Die sollte den Verlust ein klein wenig vermindern und zeigen, dass es nach Corona bei der Almetalbahn weitergeht. Die Aktion sei gut angenommen worden, wurde mit Wiederaufnahme der Fahrtage Anfang August aber wieder eingestellt. Durch die Corona-Krise hatte sich auch die in Bruchsal vorgenommene Kesselsanierung der Dampflok „Schunter“ verschoben. Eigentlich sollte der Kessel im September wieder in Schuss sein. „Jetzt rechne ich damit, dass Kessel und Rohre in den ersten Monaten 2021 wieder in Almstedt sind“, erläutert Strube. Er hofft, dass sich die Reparatur nicht noch weiter verschiebt. Schließlich sollen im September des Jahres 2021 die 120. Geburtstage von „Schunter“ und der Eisenbahnstrecke „Bodenburg – Elze“ gebührend gefeiert werden.  gre

Die Hanomag-Freunde aus Störy treiben die Dampflokomobile „Angelika“ an, die wiederum setzt eine historische Dreschmaschine in Bewegung.

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