Berliner Künstlerin hält weiter Kontakt mit Freunden aus Petze / Vielschichtige Collage des Annenviertels entstanden

Neues Projekt in Graz für Pia Lanzinger

Pia Lanzinger (Mitte) mit einigen der Aktiven zur Gründung der „Petzer Freiheit“ im Jahr 2011.

PETZE Die in Berlin lebende bayerische Künstlerin Pia Lanzinger hat sich mal wieder bei ihren Freunden in Sibbesse und vor allem Petze gemeldet. Hier hatte sie im Jahr 2011 bei einem mehrmonatigen Aufenthalt im Rahmen der Aktion „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ das Projekt „Petzer Freiheit“ initiiert, bei dem auf dem Straßenstück zwischen Kulturverein und Kirche ein Dorfplatz entstand.

Nach einem Projekt in Zürich und einem längeren Aufenthalt mit einer Ausstellung und Kunstaktionen in Tiflis (Georgien) ist Pia Lanzinger zurzeit mit einem Kooperationsprojekt in Graz beschäftigt. Bis 3. November wird eine Textinstallation in der Stadt vom Südtiroler Platz durch die Annenstraße bis zum Esperantoplatz zu sehen sein.

Pia Lanzinger beschreibt die Aktion im öffentlichen Raum, die unter dem Titel „Prendre la parole – Wir haben lange genug geschwiegen“ läuft: „Ausgewählte Fassadenfiguren, Zeichen und Beschriftungen an Häusern brechen ihr Schweigen. Sie beginnen zu sprechen und erzählen von den Veränderungen in der Stadt, von ihren Beobachtungen und geheimsten Wünschen. Die Aussagen basieren auf Gesprächen mit Bewohnern und Geschäftsleuten, sowie auf historischen und aktuellen schriftlichen Quellen. Es entsteht eine vielschichtige Collage des Annenviertels heute, in dessen Zentrum die Annentraße mit ihrer gegenwärtigen Umstrukturierung steht.“

Die Verkehrsachse, die den Bahnhof mit der Innenstadt verbindet, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und ist seither ein nicht wegzudenkender Teil der Stadt Graz, der viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Seit Jahrzehnten wird über den Straßenzug intensiv diskutiert, wird versucht, ihn totzuschreiben, werden Entwicklungsszenarien erdacht und wieder verworfen. Aktuell erlebt die Achse eine tiefgehende urbane Umstrukturierung.

Für ihr Projekt hat sich Pia Lanzinger den Straßenzug sehr genau angesehen, dessen wechselvolle Geschichte studiert und in die gegenwärtige Umgebung hineingehört. Daraufhin hat sie eine rund 30-teilige künstlerische Textinstallation entwickelt. Die Aussagen basieren auf Gesprächen mit Bewohnern und Geschäftsleuten, mit Menschen, die seit Generationen im Viertel leben und anderen, die erst in jüngerer Zeit aus verschiedenen Ländern zugezogen sind, sowie auf historischen und aktuellen schriftlichen Quellen. „In den Installationen“, so Pia Lanzinger, „kommen eine Reihe aktueller und in der Geschichte des Straßenzugs angelegter Themen zur Sprache, darunter die Entwicklung des Geschäftstreibens, die Veränderungen im Straßenraum und die vielfältige Nutzung desselben, die Repräsentation von Frauen im Stadtbild, die Farbe Schwarz, koloniale Motive im Stadtraum, das Bewahren von Traditionen, der Mut zur Veränderung sowie der Wunsch, anders zu sein als der Mainstream“.

So ist eine vielschichtige Collage des Annenviertels heute entstanden, die die Bewohner und Gäste der Stadt einlädt, im Vorübergehen einzelne Textfelder zu lesen oder während eines Spaziergangs die gesamte Abfolge zu erkunden „und sich zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem sozialen Gefüge dieses Teils von Graz anregen zu lassen“, erläutert Pia Lanzinger, die trotz ihrer internationalen Aktionen immer wieder gern an die Zeit in Petze zurückdenkt und mit dem Kulturverein weiterhin in Kontakt steht. Und vielleicht gibt es ja demnächst wieder einen Grund für einen erneuten Besuch. rm

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