Tage der offenen Ateliers auf der Kulturherberge Wernershöhe

Kunst im alten Gemäuer

Afrikanische Gemütlichkeit. Das Sibbesser Pastoren-Ehepaar Steinert nimmt auf den geschnitzten Stühlen von Moustapha Massaly Platz. Fotos: Kolbe-Bode

WERNERSHÖHE In der Kulturherberge Wernershöhe ergaben sich jetzt interessante Begegnungen bei den Tagen der offenen Ateliers. So erläuterte eine aus dem Iran geflüchtete Journalistin einer deutschen Frau landestypische Rituale, das Sibbesser Pastorenehepaar Steinert nahm auf afrikanischen Sitzmöbeln Platz und ein ehemaliger Betreiber des Ausflugslokals berichtete von früheren Tanzvergnügen, als ein Bier noch 35 Pfennig kostete.

Mit der Teilnahme an der Veranstaltungsreihe Tage des offenen Ateliers weihten die Mitglieder des Vereins Kulturherberge zugleich den historischen Gebäudekomplex „Wernershöhe eins“ ein. Das ehemalige Vorwerk, das sich im Besitz der Grafschaft von Wrisbergholzen befindet, diente bis vor einigen Jahren als Domizil für Jägerversammlungen. Dann stand es eine geraume Zeit leer und ist nun von der Kulturherberge gepachtet und soll zu neuem Leben erwachen.

Insgesamt stellten in der Scheune, dem Brunnenhaus und dem ehemaligen Grafenraum, sieben Künstler ihre Werke aus. Fotografien mit landestypischen Szenen zeigte die seit einem Jahr in Deutschland lebende Iranerin Bahar Asemani. Aus Angst vor Strafen aus dem Iran zeigt sich die ehemalige Journalistin auf Bildern nur von hinten. Ihre größte Sorge ist, dass sie und ihre drei, ebenfalls in Deutschland lebenden Töchter, nicht mehr vom Vater besucht werden dürfen. Gezeichnete Bilder über Liebe und Leben, Sucht und Leidenschaft, sowie neues und altes Leben stellte Thorsten Machens im Brunnenhaus aus. Fotografische Sichtweisen im Panorama-Blickwinkel zeigte der Designer Jürgen Pfeiffer unter dem Titel „Querschnitt der Möglichkeiten der Panoramadarstellung“.

Afrikanische Handwerkskunst mit großen und kleinen Objekten präsentierte Moustapha Massaly, der aus dem Senagal stammt und derzeit in der Kulturherberge zu Gast ist. Auf kniehohen, reich verzierten Stühlen nahmen Claudio und Christine Steinert Platz. „Die Stühle sind so bequem, da fehlt mir nun nur noch ein gutes Buch“, lobte der Sibbesser Pastor die Möbel.

Als junger Mann betrieb Alfred Härtel gemeinsam mit seinen Eltern ein Ausflugsrestaurant auf der Wernershöhe. Die Familie ist 1946 aus dem Osten gekommen, in Westfeld sesshaft geworden und bewirtschaftete das Lokal acht Jahre lang. Vor der ehemaligen Schankstube stehend, berichtet Härtel von Tanzvergnügen mit 300 Personen, die zur lauten Musik aus einem alten Wehrmachtslautsprecher schwoften – oder von Jägern die während ihrer Zechgelage so manche Rotweinflasche von den Tischen schossen.

Mitorganisator Johannes Frommer zeigte sich mit den Besucherzahlen, von mehr als 30 Personen pro Tag, sehr zufrieden. Er sagte: „Wir möchten das historische Gelände der Öffentlichkeit nahebringen, vielleicht auch mit einer Neuauflage des Ausflugslokals“.

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