Gemeinde mehrheitlich gegen Windpark-Beschluss – aber das ändert nichts

Hitzige Versammlung

Die Superintendentin Katharina Henking steht mit den Eberholzer Gemeindegliedern im Dialog und muss sich mehrmals mit ihnen auseinandersetzen. Vorn rechts der Sprecher der Windkraftgegner Uwe Spillmann. Foto: Neumann

Eberholzen In Eberholzen brodelt es heftig: Der Streit um das Windparkprojekt hat den beschaulichen Ort in zwei Lager gespalten. Beschimpfungen und Misstrauen tragen seit Monaten zum schlechten Klima im Ort bei. Deutlich wurde das auch bei einer Gemeindeversammlung in der Eberholzer Kirche mit 89 Stimmberechtigten, zu der der Kirchenvorstand eingeladen hatte, um über zwei Tagesordnungspunkte abstimmen zu lassen.

Zudem sollte auch ein Gemeindebeirat gewählt werden, wurde von den Windkraftgegnern vorgeschlagen. Sie hatten zu dieser Versammlung aufgefordert, um ihr großes Missfallen bei dem Thema Windpark noch einmal zu verdeutlichen.

Fakt ist, das der Kirchenvorstand den Plänen der Firma Windwärts GmbH zur Erzeugung von Windenergie im Dezember 2012 zugestimmt hatte und der Eigentümergemeinschaft „Windpark Eberholzen“ beigetreten ist, denn die Kirche besitzt auf dem geplanten Gebiet zum Bau der Windräder zwei Grundstücke. Die Bürgerinitiative „Jahrhundert-Entscheidung-Windpark-Eberholzen“, die den Kirchenvorstand für diese Entscheidung mächtig aufs Korn genommen hatte, spricht von rund 27 Hektar (ca. 30 Prozent des gesamten Windparkprojektes).

Der Unmut einiger Gemeindeglieder ging soweit, dass es Matthias Wehling vom Kirchenamt Hildesheim und Superintendentin Katharina Henking teilweise schwer fiel, ihre Erklärungen zu den Themen abzugeben. Ein Zuhörer gab zu bedenken, dass der Kirchenvorstand die Tragweite dieses Beschlusses unterschätzt habe.

Schon nach den einführenden Worten von Pastor Rudolf Friemelt übernahm Matthias Wehling das Wort und erklärte mit schneidender Stimme, das hier ein rechtmäßiger Vertrag mit der Firma Windwärts abgeschlossen wurde, von dem es kein zurück gibt.

Doch die Windkraftgegner gaben sich damit nicht zufrieden, denn sie fühlten sich laut ihrem Sprecher Uwe Spillmann in der Angelegenheit vom Kirchenvorstand nicht gut vertreten, er sprach auch von Verschleppung der Sachlage. Es wurde sogar von Vertrauensbruch gesprochen. In hitzigen Diskussionen und Dialogen wurde erneut deutlich, dass der Beschluss des Kirchenvorstandes den Gemeindegliedern ein großer Dorn im Auge war und ihn nicht einfach hinnehmen wollte. Der jedoch hatte sich die Sache nicht leicht gemacht und mit besten christlichen Gewissen gehandelt, versicherte Kirchenvorsteher Peter Wickbold. Er sprach von vielen Zusammenkünften. Von Seiten der Kirchen stehe bei den erneuerbaren Energien die Windkraft im Fokus, das habe auch zu dieser Entscheidung beigetragen, war zu erfahren. „Aber wer will schon acht riesige Windräder vor der Haustür haben“, unterhielten sich mehrere Eberholzer verärgert.

Es folgte ein Prozedere mit dem keiner gerechnet hatte. Wer an diesem Abend noch einen Termin hatte, musste ihn verschieben. In zwei geheimen Wahlgängen wurde über den ersten Punkt entschieden, der da lautete: „Abstimmung der Gemeindeglieder über den Kirchenvorstandsbeschluss, der Eigentümergemeinschaft Windpark Eberholzen beizutreten und einen Nutzungsvertrag mit der Firma Windwärts GmbH zu schließen“. Mit 54 Nein-Stimmen gegenüber 35 Ja-Stimmen und einer Stimmenthaltung wurde der Kirchenvorstandsbeschluss zwar gekippt, aber an der Situation ändert sich ja bekanntlich nichts. „Wir kommen aus dem Vertrag nicht mehr heraus“, unterstrich auch Pastor Rudolf Friemelt die Sachlage. Katharina Henking betonte danach klar und deutlich, dass sie hinter dem Kirchenvorstand stehe und diesen Entscheidung mitträgt. „Das Ganze hätten wir uns doch eigentlich sparen können“, sagte ein Eberholzer erbost, denn auch die Wahl eines Gemeindebeirats wurde zum Schluss der Versammlung von der Tagesordnung gestrichen. J bn

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