Zweiter Mordprozesstag: Die Söhne der getöteten Frau treten als Nebenkläger auf

„Für mich hat er zwei Gesichter“

Die Söhne der getöteten Frau treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf, rechts der Sachverständige Dr. Tobias Bellin aus Hannover. Am ersten Verhandlungstag fehlte ein Sohn des Opfers. Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt. Foto: Vollmer

Eberholzen / Hildesheim Im Mordprozess von Eberholzen hat die große Strafkammer des Landgerichts Hildesheim gestern die beiden Söhne der getöteten Frau als Zeugen gehört. Beide gaben übereinstimmend an, dass sie zu Beginn der Beziehung mit dem Angeklagten Hartmut T. gut ausgekommen sind.

Nach seinem Schlaganfall habe sich das Leben in dem schmucken Einfamilienhaus allerdings rapide zum Negativen verändert. „Ich war oft sauer auf ihn. Er gab Kommandos und entschied, wann ich im Internet surfen durfte“, sagte der 21-jährige Student. Bei Streitigkeiten mit der Mutter wollte er seiner Überzeugung auch den Söhnen schaden. „Es ging immer wieder um Vertrauensbrüche“, sagte der Zeuge, der zugleich mit seinem drei Jahre älteren Bruder als Nebenkläger in dem Verfahren auftritt. Seine Mutter habe sich auf keinen Fall untergeordnet. Es habe aber nur verbale Auseinandersetzungen gegeben. Tätlichkeiten zwischen dem 60-jährigen Maschinenschlosser und seiner Lebensgefährtin seien ihm nicht bekannt. Wohl aber Äußerungen, die vielleicht in dem Prozess eine Schlüsselrolle spielen könnten.

„Wenn du mich verlässt, werde ich mich umbringen und dich mitnehmen“, habe er gegenüber der Mutter geäußert. Eine andere Situation betrifft eine Autofahrt. Dabei soll der Angeklagte gesagt haben: „Am liebsten würde ich das Auto mit uns beiden gegen den nächsten Baum setzen.“ Diese Äußerungen habe die Mutter aber nicht wirklich ernst genommen, erklärte der 21-Jährige vor der Kammer. Außerhalb des Hauses sei er meist immer ruhig gewesen. Unterhaltungen mit anderen seien sehr selten gewesen. „Für mich hat er zwei Gesichter gehabt“, meinte der jüngere Sohn. Gerade bei Streitigkeiten habe Hartmut T. seine böse Seite gezeigt.

Kurze Zeit vor der Tat habe die Mutter gesagt, dass sie keine Lust mehr auf die Beziehung hätte. Eine friedliche Trennung sei ihr Wunsch gewesen. Doch wie sie es anstellen wollte, wusste die 53-Jährige nicht. Erschwerend kam hinzu, dass sie ja die untere Etage des Hauses gekauft hatte und sehr den Garten und die Umgebung schätzte.

Gegenüber dem Angeklagten war das Vertrauen nicht mehr da, zumal finanzielle Dinge aus dem Ruder liefen. Ein Versuch der Trennung scheiterte, nach drei Monaten war alles wie zuvor.

„Es war grausam“

Der 21-Jährige wusste, dass sich eine neue Beziehung zu einem alten Bekannten aus der Jugendzeit anbahnte. „Ich gab ihr den Rat, sich nicht ohne meinen Bruder und mich von ihm zu trennen. Wohlmöglich würde er dann vielleicht die Möbel zerschmettern oder andere Dinge im Haus anstellen. An ein massives Vorgehen gegen meine Mutter dachte ich dabei aber nicht“, erklärte der Student. An dem Tattag rief ihn kurz nach 9 Uhr seine Mutter per Handy an. Es sei etwas Schreckliches passiert. Sie bat ihn, schnell von Salzgitter nach Eberholzen zu kommen. Darauf rief er seinen Vater an, der weniger Zeit für die Fahrt benötigte. Im Haus fand der Sohn schließlich den leblosen Körper seiner Mutter vor. Per Telefon gab ein Notarzt Anweisungen zur Reanimation. „Es war grausam, ich habe nur noch einen leichten Atemzug gehört. Die Augen wurden immer glasiger“, berichtete der Salzgitteraner, der sich wie sein Bruder noch in psychologischer Behandlung befindet. Die Rettungskräfte bemühten sich dann weitere 60 Minuten darum, die Frau zurück ins Leben zu holen. Einen Tag später erlag die Angestellte ihren schweren Verletzungen.

Nach der Tötung hat Hartmut T. nie den Kontakt zu den Söhnen gesucht. Den beiden jungen Leute habe er nur ausrichten lassen, dass sie sich um die Heizungsanlage in dem schmucken Wohnhaus kümmern sollten. Der größere Sohn befand sich an dem Morgen gerade zu Hause in Hannover, um sich auf eine Klausur vorzubereiten. Nach dem Anruf seines Vaters fuhr der 24-Jährige ins Krankenhaus nach Hildesheim. Die Bilder vom Besuch auf der Intensivstation würden ihn auch heute noch begleiten.

Adhäsionsantrag

Der frühere Ehemann schilderte dem Gericht aus seiner Sicht den Ablauf. Bis zum Eintreffen seines Sohnes habe er sich am Ortseingang von Eberholzen postiert. Um sich vor einem möglichen Angriff von Hartmut T. zu schützen, hätte er zu einem massiven Kleiderbügel gegriffen.

Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt. Ebenso muss die Kammer unter dem Vorsitz von Peter Peschka über einen Adhäsionsantrag der Nebenklage entscheiden. Dabei geht es um Schmerzensgeldansprüche und Schadenersatz für die beiden Söhne. mi

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