Theresia Münder-Maier fertigt Taschen nach alter mexikanischer Handwerkskunst

„Faszinierende Fummel-Arbeit“

Alles Unikate: Mittlerweile hat Theresia Münder-Maier eine beachtliche Sammlung. Foto: Meyfarth

SELLENSTEDT  Bei ihr landen leere Kaffeetüten nicht mehr im Müll. Aber auch Verpackungen von Tierfutter, Waschpulver, Keks- und Chipstüten stapeln sich im Arbeitszimmer von Theresia Münder-Maier in Sellenstedt. Die 75-Jährige fertigt daraus Taschen. Doch sie näht die Folien nicht einfach zusammen, sie schneidet sie in Streifen und verflechtet sie aufwändig miteinander.

Die Flechtkunst hat sie in Mexiko kennengelernt. Dort hat sie mit ihrem Ehemann Oskar sieben Jahre gelebt. „Auf Kunstmärkten dort werden die Taschen angeboten“, sagt sie. Eine spanische Anleitung hat sie schließlich im Internet gefunden. „Das ist schon Fummel-Arbeit, aber die aufwändige Technik hat mich fasziniert.“ Aufwändig ist die Entstehung der Unikate ohne Frage. Für eine Tasche braucht sie zwischen 25 und 30 Stunden. Für bestimmte Muster auch schon mal länger. Für eine besonders ausgefallene hat sie beispielsweise 250 Cappuccino-Portionstüten verflochten. Ihre Taschen sind Silber oder Gold je nachdem wie die Rückseite der Kaffeetüte beschaffen ist, aber manchmal auch knallbunt wie die jeweilige Vorderseite der Verpackung. Die bunten sind aufwändiger, denn dabei achtet Theresia Münder-Maier extra darauf, die Motive sichtbar einzuflechten. Dafür hat sie sich eine Schablone angefertigt. Durch die spezielle Technik entsteht ein Geflecht mit interessanten Effekten ohne zusätzliche Nähte und Klebstoffe. Ihre Taschen sind sowohl stabil und pflegeleicht als auch echte Designerstücke.

Aufgegriffen wurde die alte Technik vor einige Jahren von einer Mexikanerin, die unter dem Namen „Nahui Ollin“ in dem mittelamerikanischen Land kunterbunte Taschen herstellen lässt, um armen Menschen Arbeit und Brot zu geben. Theresia Münder-Maier fertigt die Taschen seit zwei Jahren. „Mein Mann bewundert mich für meine Ausdauer“, sagt sie.

Aber für ihr Hobby braucht sie nicht nur viel Zeit und Geduld sondern auch jede Menge Material. Für eine kleine Tasche benötigt sie rund 30 Folien. Aus einer Folie wiederum faltet sie sechs Flechtstreifen. Deshalb sammeln Freunde, Bekannte und die Mitglieder des Landfrauenvereins für sie. Auch ein Bäcker hebt mittlerweile Kaffee- und Cappuccinoportionsbeutel für sie auf.

Auf ihre auffälligen Taschen wird die Sellenstedterin oft angesprochen. „Die fallen eben auf, und das freut mich natürlich“, sagt Theresia Münder-Maier. Einige hat sie bereits an Freunde und Bekannte verschenkt. In ihrem Wohnzimmer hat sie mittlerweile schon eine beachtliche Sammlung. Aber ein Ende ist nicht in Sicht. Dafür macht ihr ihr Hobby zu viel Spaß. „Und außerdem fallen mir immer Farbzusammenstellungen und Motive ein, die ich ausprobieren möchte.“ Deshalb kann Theresia Münder-Maier auch noch jede Menge Folien gebrauchen. Irgendwann landen dann vielleicht in ganz Sellenstedt keine Kaffeetüten mehr im Müll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare