Eberholzer Kirchenvorstand steht zu seiner Entscheidung / Gründung eines Kirchenbeirats

Diskussion zum Thema Windpark

Peter Wickbold, Claudia Büttner und Beate Adolphi vom Eberholzer Kirchenvorstand geben zu Beginn der Diskussionsveranstaltung eine Stellungnahme ab. Foto: Göke

EBERHOLZEN J Kirchenvorstand und Gemeindeglieder haben in der Eberholzer Kirche über den geplanten Windpark diskutiert – insbesondere über die Rolle der Kirchengemeinde, die zu der Eigentümergemeinschaft gehört und Flächen an das Unternehmen „windwärts“ verpachten will.

Gleich zu Beginn der Diskussionsveranstaltung bezog der Kirchenvorstand klar Stellung: Die Mitglieder wollen nicht als Sündenbock dienen und können die ganze Aufregung um den beabsichtigten Windpark nicht ganz verstehen. Peter Wickbold etwa hatte den Windpark bei Esbeck besucht und dort in der Umgebung die Einwohner nach Beeinträchtigungen befragt. Lediglich ein Einwohner sei seiner Ansicht nach gegen die „Spargel“ gewesen, wie er sie nannte. Doch über diese Aussage konnten einige der etwa 80 Teilnehmer in der Eberholzener Kirche nur schmunzeln.

Alle Kirchenvorstandsmitglieder standen zu ihrer Entscheidung, dass sie der Eigentümergemeinschaft „Windpark Eberholzen“ beigetreten sind. Die anwesenden Windparkgegner riefen die Mitglieder einige Male dazu auf, von dem Vertrag wieder zurückzutreten. Der Vorstand dagegen unterstellte den Schreibern einzelner Briefe sogar Erpressungsversuche, da „wohl keine Argumente gegen einen Kirchenaustritt mehr vermittelt werden könnten“. Auch etwaige Vorteilsnahme wies zum Beispiel Beate Adolphi von sich. „Ganz im Gegenteil: Ohne den Beitritt der Kirche wäre mein eigener Anteil als Miteigentümer doch sogar höher gewesen“, begründete Adolphi. Doch damit hatten die Kirchenvorstandsmitglieder noch nicht genug argumentiert. „Auch Gegenargumente wie Tourismus lassen wir lieber unkommentiert“, nahm Claudia Büttner scharfzüngig Stellung zu den Vorwürfen der Windkraftgegner. Doch die Stellungnahme am Anfang waren die einzigen Worte der Kirchenvorstandsmitglieder. Danach übernahm der als Moderator eingeladene Leiter des Umweltreferates der Landeskirche, Reinhard Benhöfer, die Leitung der Diskussion, die in den folgenden gut anderthalb Stunden aber zumeist sachlich verlaufen sollte.

Ihr Hauptaugenmerk richteten die Gegner eines möglichen Windparks auf die fehlende Information des Kirchenvorstandes zu dem aus ihrer Sicht folgenschweren Beschluss des Beitritts zur Eigentümergemeinschaft. Uwe Spillmann hatte in einem offenen Brief und in mehreren persönlichen Briefen an den Kirchenvorstand zahlreiche Fragen gestellt, auf die er aus seiner Sicht nur unzureichende oder gar keine Antworten bekommen hatte. Aber dies wird wohl in Zukunft auch nicht der Fall sein, da der Kirchenvorstand auf Briefe und E-Mails zu diesem Thema in Zukunft gar nicht mehr reagieren wird.

Von diesem Standpunkt rückten die Mitglieder auch nach der Diskussion nicht ab. Pastor Rudolf Friemelt räumte aber den Fehler ein, dass man die Kirchenmitglieder bei dieser folgenschweren Entscheidung nicht mitgenommen hatte.

Beachtung fanden auch die Worte von Ratsmitglied Klaus-Peter Schröder (SPD). Seine Frage nach der Lage und Größe der kircheneigenen Grundstücke wurde im Rahmen der Diskussion schließlich aber nicht beantwortet. Aus seiner Sicht wäre eine Info an die Kirchenmitglieder wünschenswert gewesen, da eine Verpachtung an einen Windparkbetreiber für einen Kirchenvorstand im Vergleich zu sonstigen Verpachtungen nicht typisch sei. Bürgermeister Rudolf Brandes (CDU) nahm den Kirchenvorstand etwas in Schutz. Er hatte den Eindruck, dass der Kirchenvorstand mit seiner Entscheidung von der Landeskirche etwas allein gelassen wurde.

Pastor Rudolf Friemelt zog schließlich das Fazit, dass auch nach der sachlichen Diskussion nach wie vor keine Gemeindeversammlung notwendig ist. Viel mehr ist aus seiner Sicht ein Miteinander notwendig, wie jetzt weiter vorgegangen werden soll.

Im weiteren Genehmigungsverfahren ist jetzt der Landkreis Hildesheim am Zug. Uwe Spillmann will es so aber nicht auf sich bewenden lassen. Er sammelte im Anschluss an die Diskussion in der Kirche die notwendigen 24 Stimmen für die Gründung eines Kirchenbeirates. Vorher appellierte Superintendentin Katharina Henking bei der beabsichtigten Gründung aber dazu, dass sich ein Kirchenbeirat dann nicht nur um ein markantes Thema kümmern sollte, sondern sich in die ganze Gemeindearbeit einbringen sollte. Auch Benhöfer wies darauf hin, dass ein Kirchenbeirat dem Kirchenvorstand nichts vorschreiben könnte. gök

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