Hartmut T. muss sich wegen Tötungsdelikt vor Schwurgericht verantworten

Besuchern stockt der Atem

Dem 60 Jahre alten Mann aus Eberholzen wird vorgeworfen, seine sieben Jahre jüngere Lebensgefährtin umgebracht zu haben. Ihm zur Seite steht Verteidiger Henning Sonnenberg. Foto: Vollmer

Eberholzen J Hartmut T. aus Eberholzen muss sich seit gestern vor der großen Strafkammer des Landgerichts Hildesheim verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 15. September vergangenen Jahres seine sieben Jahre jüngere Lebensgefährtin getötet zu haben. Als mögliche Motive gelten Rache und Eifersucht.

Nach der Tat packte der Eberholzer einen Koffer und floh mit dem Auto zunächst nach Dänemark. Von dort aus setzte der Angeklagte mit der Fähre nach Norwegen über, wo er sich schließlich der Polizei stellte.

Sollte das Gericht dem 60-Jährigen eine Tat aus niederen Beweggründen nachweisen, droht ihm eine Verurteilung wegen Mordes. Als der mutmaßliche Täter im Gerichtssaal die Einzelheiten schildert, stockt den zahlreichen Besuchern der Atem. Einige vergraben ihr Gesicht hinter den Händen, andere suchen Schutz in den Armen des Partners.

Das Ende der elfjährigen Partnerschaft zwischen dem gelernten Maschinenschlosser und der Angestellten war abzusehen. Immer wieder hatte es in der vergangenen Zeit Streitigkeiten gegeben. Alles lief auf eine Trennung hinaus, zumal die 53-Jährige sich offenbar neu verliebt hatte. Der Angeklagte war durch das Ausspionieren des E-Mail-Verkehrs dahinter gekommen. Am 15. September plante der 60-Jährige, seine Lebensgefährtin schließlich mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Dafür hatte der Eberholzer mehrere elektronische Nachrichten mit dem Nebenbuhler ausgedruckt. Erst kam von ihr keine Reaktion, wenig später ging es dann aber doch recht heftig in dem Eigenheim zur Sache. „Zwischen uns läuft nichts mehr, Freunde haben wir auch nicht mehr“, soll die Frau gesagt haben. Nachhaltig forderte sie ihn auf, den Kühlschrank zu räumen. „Ich war schockiert“, sagte der Angeklagte. Immer wieder habe er sie gefragt, ob sie ihn oder mit dem anderen zusammen sein möchte. Die Situation eskalierte. Der Mann lief in den Keller, um die Telefonanlage abzuschalten. Wollte er verhindern, dass die 53-Jährige Hilfe holt?

Das Opfer hatte sich zwischenzeitlich in ihrer Wohnung eingeschlossen. Doch ihr Freund warf sich mit der Schulter gegen die Eingangstür. Die Frau war mittlerweile von der Küche ins Bad gelaufen, in dem sie ebenfalls die Tür verriegelte. Der stämmige Handwerker schaffte es allerdings ohne große Mühe, sich Zugang zu verschaffen. Seine Lebensgefährtin war gerade dabei, vor dem Spiegel ihre Haare zu frisieren. Noch einmal stellte er ihr die Frage, mit wem sie in Zukunft zusammen sein möchte. Als keine Reaktion kam, nahm er sie mit dem rechten Arm in den Schwitzkasten und zog sein Opfer auf dem Flur.

„Befreiendes Gefühl“

Immer wieder ging es der Kammer um die Frage, wann er denn den Entschluss gefasst habe, seine Freundin umzubringen. Verschiedene Versionen in den Akten sorgten bei den Juristen für einige Fragezeichen. Aber auch zu anderen Fakten lieferte der mutmaßliche Täter unterschiedliche Aussagen, die er gegenüber der Polizei, dem Sachverständigen oder Psychologen geäußert hatte.

Fest stehen dürfte allerdings, dass der tätliche Übergriff völlig überraschend kam. Auf dem Flur sind beide dann nach vorn gekippt. Immer weiter drückte der Schlosser den Hals mit der Hand zu. Irgendwann tat ihm die Hand vom ständigen Drücken weh. Er schaffte den leblosen Körper schließlich ins Schlafzimmer. Warum der Handwerker nicht Hilfe geholt habe, konnte er dem Vorsitzenden Richter Peter Peschka nicht sagen. Da sie teilweise noch geatmet hat, drückte der Mann nun mit der anderen Hand fest zu. Zwei bis drei Minuten mögen es aus seiner Sicht gewesen sein. „Sie lag da wie tot“, gab der 60-Jährige an. Es sei ein befreiendes Gefühl gewesen.

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