Plädoyers im Mordprozess von Eberholzen gehalten / Das Urteil fällt am kommenden Dienstag

Anklage fordert lebenslange Haft

Staatsanwalt Wolfgang Scholz fordert für den Angeklagten wegen heimtückischen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Foto: Vollmer

Eberholzen / Hildesheim In einem Punkt sind sich der Ankläger und Verteidiger einig: Durch sein heimtückisches Vorgehen muss das Urteil für Hartmut T., der am 15. September 2013 seine Lebensgefährtin in Eberholzen getötet hat, auf Mord lauten. Was allerdings das Strafmaß angeht, gehen die Meinungen von Staatsanwalt Wolfgang Scholz und Verteidiger Henning Sonnenberg auseinander. Scholz forderte in seinem Plädoyer eine lebenslange Freiheitsstrafe, während der Rechtsbeistand des 60-Jährigen eine vom Gericht festzusetzende mehrjährige Freiheitsstrafe für schuldangemessen hält.

Der Staatsanwalt machte deutlich, dass ihm nach der umfangreichen Beweisaufnahme neben der Heimtücke auch niedere Beweggründe nachzuweisen sind. Eine durch eine tiefergehende Bewusstseinsstörung gesteuerte Affekthandlung sieht der Staatsanwalt genauso wenig wie der Sachverständige Dr. Tobias Bellin. Ein Tötungsvorsatz sei nicht in Zweifel zu ziehen.

Der Angeklagte habe mehrfach durch massive Krafteinwirkung seine sieben Jahre jüngere Lebensgefährtin mit den Händen über einen längeren Zeitraum stranguliert. Ihm sei es darauf angekommen, die 53-Jährige zu töten. „Er hat einen direkten Tötungsvorsatz gehabt“, erklärte Staatsanwalt Scholz. Ohne Frage sei das Vorgehen des Täters heimtückisch gewesen. „Bis zu dem Tag gab es nur verbale Auseinandersetzungen. Sie hätte sich sonst sicher nicht ihrem Schicksal ergeben. Das Opfer war arg- und wehrlos“, meinte Scholz. Hartmut T. habe die Situation ausgenutzt. Niedere Beweggründe seien auch darin begründet, dass die Tat nicht menschlich begreifbar ist. „Es stand schon lange fest, dass das Ende der Beziehung gekommen war. Er wollte es nicht wahrhaben“, so der Staatsanwalt. Ihm ging es darum, sie zu töten und damit eine Bestrafung für ihr Verhalten herbeizuführen. Eine ehrliche Reue, insbesondere gegenüber den beiden Söhnen, sei in dem Verfahren zu keinem Zeitpunkt erkennbar gewesen. Zum Zeitpunkt der Tat sei Hartmut T. – wie auch im Gutachten des Sachverständigen festgestellt – voll schulfähig gesehen. Einen unmittelbaren Affektausbruch konnte Scholz nicht sehen. Der gelernte Maschinenschlosser sei planend und geregelt vorgegangen.

Als weiteren Punkt sprach er die anschließende Flucht des Handwerkers an. „Der Angeklagte warf das Handy des Opfers weg, weil er glaube, dass ihn die Polizei dann orten konnte“, ergänzte der Staatsanwalt. Einen Spielraum bei der Strafzumessung gebe es bei Mord nicht. Der Ankläger forderte für Hartmut T., der die Ausführungen von Scholz emotionslos verfolgte, eine lebenslange Freiheitsstrafe. Eine besondere Schwere der Schuld sah Scholz nicht. Sein schonungsloses Geständnis, das Aussageverhalten und die Kooperationsbereitschaft wertete er als Pluspunkte für den Angeklagten. „Er hätte genügend Gelegenheit gehabt, die Wahrheit zu verschleiern“, betonte Scholz.

Zu Beginn seines Plädoyers hatte der Staatsanwalt erklärt, dass es ein nicht so einfaches Schwurgerichtsverfahren gewesen ist. Der nette Schlossermeister lebte 60 Jahre lang ohne Tadel. Doch binnen weniger Minuten nahm er zwei Söhnen die Mutter und zerstörte nicht zuletzt auch sein eigenes Leben. „Der Angeklagte brachte unendliches Leid über viele Menschen. Für die Söhne ergaben sich unendliche Folgen, mit denen sie auch heute noch zu kämpfen haben“, so der Ankläger.

Der Hildesheimer Rechtsanwalt Henning Sonnenberg erklärte zunächst, dass er als Verteidiger keinen großen Aktionsspielraum gehabt hätte. Die Akte sei bei der Übernahme des Mandats schon entsprechend gefüllt gewesen. Er würde nicht alles unterschreiben, was der Staatsanwalt gesagt hat. Die sechswöchige Untersuchungshaft habe sicherlich dazu beigetragen, dass einige geschilderte Punkte am Ende ganz anders gewesen sind.

Bei der rechtlichen Bewertung stehe das Mordmerkmal der Heimtücke außer Frage, da es zuvor offensichtlich niemals Gewalt in der Beziehung gegeben habe. „Bei den niederen Beweggründen sieht das anders aus“, so der Verteidiger. Verlustängste hätten ihn getrieben. In dem Dorf wäre er plötzlich ganz allein gewesen. Sonnenberg sieht durchaus eine Affekthandlung. „Wir wissen nicht, wie es um seinen Gefühlszustand gestanden hat“, meinte der Hildesheimer. Eine zentrale Rolle spielt dabei, wann er die Absicht gefasst hat, seine Lebensgefährtin zu töten. Da habe sich durchaus etwas durch das Wissen um seinen Nebenbuhler wie bei einem Vulkan aufgestaut. „Er oder ich“, lautete die letzte Frage vor dem tätlichen Übergriff. „Da ging dann das Ventil auf“, sagte Sonnenberg.

Durch seine familiäre Prägung habe sein Mandant nicht gelernt, über Gefühle zu sprechen. Ihm fehle das Vokabular, sich gefühlsmäßig auszudrücken. Das sei bei der Verhandlung deutlich geworden. Rechtsanwalt Sonnenberg hält Hartmut T. nicht voll schuldfähig. Seine Steuerungsfähigkeit sei bei der Tat stark eingeschränkt gewesen. Er plädierte auf eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe, dessen Länge im Ermessen es Gerichts steht. Die Nebenkläger der beiden Söhne forderten wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Peter Peschka fällt am kommenden Dienstag, 18. März, das Urteil. Eine Entscheidung ist bereits im parallel laufenden Adhäsionsverfahren getroffen worden. Der vom Gericht vorgeschlagene Vergleich zwischen dem Angeklagten und den beiden Söhnen sieht eine Schmerzensgeldzahlung von insgesamt 20 000 Euro vor. Damit wären dann alle zivilrechtlichen Ansprüche die aus der Tötung resultieren, abgegolten. mi

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