Familie Kraja soll abgeschoben werden / KGS-Schüler kämpfen für Verbleib

Syrien, Slowenien, Dublin und Salzhemmendorf

Gut 120 Demonstranten versammeln sich am Hamelner Bahnhof, um für die Abschaffung von Dublin III und für den Verbleib der Familie Kraja in Salzhemmendorf zu protestieren. Foto: Mosig

HAMELN Abertausende Flüchtlinge kommen nach Niedersachsen, und die Kommunen stöhnen unter der finanziellen Last, die sie zu tragen haben. Die Niedersachsen selbst zeigen sich größtenteils einsichtig mit den armen, traumatisierten Menschen aus Kriegsgebieten – bis sie im eigenen Heimatdorf untergebracht werden.

Wer in sozialen Medien unterwegs ist, sieht oftmals, welcher Schwachsinn dort geteilt wird, denn schnell haben diejenigen die Oberhand, die Parolen verbreiten. Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg, oder noch schlimmer: den Wohnraum. Dass Flüchtlinge überhaupt keine Arbeit annehmen müssen und kein Deutscher auf die Straße gesetzt wird und dass der südniedersächsische Raum an Infrastruktur verliert, bleibt unkommentiert. Hoffentlich nur, weil die große Mehrheit schlau ist und schweigt.

Egal, für Ausländerfeinde und Kommunen gibt es seit 2013 eine ganz tolle Sache: Dublin III. Hiermit wird, vereinfacht gesagt, geregelt, dass ein EU-Mitgliedsstaat bestimmt werden muss, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedsstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist.

Klingt kompliziert, deshalb hier ein Beispiel aus Salzhemmendorf: Die syrische Familie Kraja hat eine Odyssee hinter sich. Sie ist nach Europa geflohen, wurde in Slowenien erstmals erfasst, zog weiter nach Schweden und wurde wieder nach Slowenien abgeschoben. Weiter ging es nach Deutschland, nach Niedersachsen, in den Landkreis Hameln-Pyrmont, nach Salzhemmendorf. Seit gut sechs Monaten lebt die Familie hier. Marwan und Mohamed besuchen die neunte und zehnte Klasse der KGS im Gymnasialzweig, sie haben bereits viele Freunde gefunden. Bislang sind sie, ihre Geschwister und ihre Eltern in Deutschland geduldet, doch ihr Antrag auf Asyl in Niedersachsen wurde nun abgelehnt. Ihnen droht die erneute Abschiebung nach Slowenien. Glücklicherweise gibt es nicht nur die Vollidioten in den sozialen Netzwerken. Glücklicherweise haben die Krajas Rückhalt. Eine ganze Schule. Mitschüler und Lehrer. An der KGS wurde die Initiative „Save Kraja“ gegründet. Es gab bereits einige Unterschriftenaktionen und Kundgebungen, so wie jüngst am Freitag am Hamelner Bahnhof, wo Schüler und Mitstreiter ihren Protestmarsch durch die Kreisstadt starteten. Es geht den federführenden KGS-Schülern, die in der Schulleitung schnell eine Verbündete gefunden haben, nicht mehr nur um den Verbleib der Familie Kraja, sondern längst auch um die Abschaffung von Dublin III.

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