Nach dem Anschlag: Wolff & Sohn-Verlagsleiter Henning Schröder blickt auf seine Heimat

"Stolz, hier zu leben"

Henning Schröder

SALZHEMMENDORF - Der Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf bewegt die Menschen in der Region. Das Geschehene sei jedoch kein Fingerzeig auf die Salzhemmendorfer Seele - im Gegenteil, findet Wolff & Sohn Verlagsleiter Henning Schröder.

"Ich lebe in der kleinen Gemeinde am Ith, die dank dreier geistig minderbemittelter Menschen, vom SPD-Bundesvorsitzenden kürzlich als „Pack“ bezeichnet, über Nacht weltweit zweifelhafte Bekanntheit errang. Hier haben Verbrecher durch den von ihnen verübten Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft bewusst den Tod vieler Menschen in Kauf genommen. Menschen, die in der Gemeinde willkommen sind, deren Kinder den hiesigen Kindergarten, die Grundschule oder die KGS besuchen und in den örtlichen Sportvereinen Fußball spielen, sind nur knapp dem Tod entkommen. Ich bin stolz, seit mittlerweile 15 Jahren Bewohner dieser Gemeinde zu sein. Denn Salzhemmendorf hat zusammengestanden und nach dieser abscheulichen Tat gezeigt, dass es Fremdenfeindlichkeit und Übergriffe auf Mitbürger nicht toleriert. Mehr als 2000 Menschen folgten dem kurzfristigen Aufruf zu einer Kundgebung für eine Willkommenskultur im Flecken Salzhemmendorf, im Landkreis Hameln-Pyrmont und in ganz Deutschland. Ich bin stolz auf die schnelle Reaktion des Landkreises, deren oberster Dienstherr in einer Deutlichkeit reagierte, die es Politiker an anderen Orten leider haben vermissen lassen. In aller Kürze wurde nicht nur eine Kundgebung organisiert, zu der eine kostenfreie Anreise aus allen Nachbarlandkreisen möglich gemacht wurde. Landrat Tjark Bartels hat bei der Pressekonferenz außerdem mit ungewohnt scharfen Worten auf die immer wieder aufkeimende Diskussion über die Finanzierung der derzeitigen Flüchtlingszuwanderung Stellung bezogen. Diese Worte haben mich tief beeindruckt und verdienen allerhöchsten Respekt. Sie können diese Stellungnahme auf unserem Internetportal unter www.leinetal24.de/lokales/salzhemmendorf nachlesen – es lohnt sich. Und wissen Sie, wer noch stolz ist, ein Salzhemmendorfer zu sein? Der zwölfjährige Junge, der mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern in der Wohnung lebte, auf die der Brandanschlag verübt wurde. Denn er trainiert seit Monaten in der D-Jugend von Blau-Weiß Salzhemmendorf. Am Tag nach dem Anschlag durfte er sein erstes offizielles Spiel mit seiner Mannschaft bestreiten. Das Spiel endete 1:1. Das Tor für die Salzhemmendorfer hat der Zwölfjährige erzielt. Zuschauer und Trainer konnten in ein strahlendes und stolzes Kindergesicht schauen und hatten dabei Tränen in den Augen."

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