Gemeindeverband Saaletal hält Erinnerung an jüdische Familien wach

Stolpersteine gegen das Vergessen

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Historiker Bernhard Gelderblom stellt seine Recherchen vor.

SALZHEMMENDORF Der Beschluss des Rates Salzhemmendorf, im Flecken „Stolpersteine“ einzubauen, sorgte erst einmal für Verwirrung. „Wir haben doch schon genug kaputte Straßen und Gehwege, da brauchen wir doch nicht noch extra welche zu bauen“, war der Tenor. Doch schnell klärte sich die Sache auf – Stolpersteine sind in den Gehweg eingelassene „Gedenksteine“, die an die Schicksale der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Stolpersteine nennt sich ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit entsprechend verlegten Gedenktafeln, die Stolpersteine, sind annähernd würfelförmige Betonsteine auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster beziehungsweise den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Mit der Markierung der „Tatorte von Deportationen“, wird gleichzeitig die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, nichts von den Deportationen bemerkt zu haben, in Frage gestellt. Im Flecken Salzhemmendorf hatte die evangelische Stiftung Saaletal die Idee, 17 solcher Gedenksteine vor den Wohnhäuser der betroffenen Familien in Hemmendorf und Salzhemmendorf einbauen zu lassen. Der Rat der Gemeinde folgte diesem Antrag mit der Genehmigung, man erwartet im kommenden Jahr im April den Einbau. „Eigentlich ist das Verlegen solcher Steine nicht die Angelegenheit des Gemeinderates. Doch wir wollen damit als oberstes politisches Gremium der Gemeinde ein Zeichen gegen Gewalt, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit setzen“, so Salzhemmendorfs Bürgermeister Clemens Pommerening zu diesem Thema.

Im gut besuchten Gemeindehaus in Salzhemmendorf stellte jetzt Historiker Bernhard Gelderblom aus Hameln das Projekt vor und ging dabei insbesondere auf das Schicksal der Familien Zeckendorf aus Hemmendorf und Davidsohn aus Salzhemmendorf ein. „Die Idee der Stolpersteine wurde in einem Konfirmanden-Projekt geboren, als es um das Schicksal von Anne Frank und ihrer Familie ging. Da kam auch die Frage auf, ob so etwas auch in kleinen ländlichen Gemeinden vorgekommen sei. Aber auch hier wurden Mitmenschen aus der Mitte heraus deportiert und verschwanden in den Konzentrationslagern. Schnell entstand daraus auch die sichtbare Idee der Stolperstein gegen das Vergessen, dass so etwas nicht wieder vorkommt“, meinten Pastorin Sabine Ahlbrecht und Diakonin Andrea Gärtner.

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