Bergmannsverein und Besucherbergwerk feiern 35-jähriges Bestehen

Aus Idee wurde Attraktion

Der wissenschaftliche Beirat Dr. Olaf Grohmann (l.) und der Vorsitzende des Bergmannsvereins, Hans-Dieter Kreft, stoßen vor dem Museum auf den Geburtstag an.

OSTERWALD 35 Jahre Bergmannsverein und Besucherbergwerk Hüttenstollen: Viele Gäste erschienen im Museum, um den Geburtstag gebührend zu feiern – und waren voll des Lobes. „Aus einer Idee wurde eine Attraktion“, würdigte Bürgermeister Clemens Pommerening die Leistungen des Bergmannsvereins.

„Hätte man damals gewusst, welch ein Aufwand es sein wird, hätte man sicher gar nicht erst angefangen“, meinte der Bürgermeister: „Doch hier ist etwas ganz Besonderes entstanden.“ Er sei stolz auf das Museum, das das einzige in der Gemeinde ist. Pommerening freute sich, dass die Kommune trotz klammer Kasse in den nächsten sieben Jahren einen jährlichen 6000-Euro-Zuschuss bewilligen wird. „Denn hier befindet sich ein touristischer Leuchtturm“, so der Verwaltungschef. Ortsbürgermeister Torsten Hofer sagte: „Ein tolles Museum ist entstanden. Der Verein hat enormes bewegt.“ Landtagsabgeordnete Petra Joumaah: „Sie haben einen ganz tollen Schatz!“

Vorsitzender Hans-Dieter Kreft erinnerte in seiner Festrede, dass der Hüttenstollen von 1842 bis 1845 aufgefahren wurde und als Tagestollen diente, hier wurde Steinkohle ans Tageslicht gefördert. Nach mehr als 40 Jahren kam die Arbeit 1894 „wegen gänzlichen Verhiebes des dortigen Kohlenpfeilers“ zum Erliegen. Die Kohlenot während des Ersten Weltkrieges zwang die Werksleitung dazu, ab 1916 auch diese Restpfeiler abzubauen. Die Stilllegung des gesamten Osterwalder Bergbaus im Jahr 1926 zog auch die Schließung des Hüttenstollens nach sich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland erneut eine Kohlenot, so dass auch im Hüttenstollen der Kohleabbau wieder aufgenommen wurde. Dieses Mal ging der Bergbau auf dem Bergeflöz um. Da es keine Möglichkeit der Kohlewäsche gab, wurde der Abraum nur oberflächlich aus der Kohle geklaubt, was ihr den Namen „Osterwalder Feuerlöschkohle“ einbrachte. 1954 kam das endgültige Aus. Bis 1960 diente der Stollen als Wassergewinnungsanlage und wurde anschließend sich selbst überlassen.

Im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ befasste sich der Ortsrat Osterwald erstmals 1977 mit dem verfallenen Hüttenstollen. Damals war man der Ansicht, die Arbeit in wenigen Tagen mit geringem Personaleinsatz und minimalen Kosten erledigen zu können, um den Hüttenstollen als historische Attraktion für Osterwald und den Fremdenverkehr zu erhalten. 1979 wurde der Beschluss gefasst, den Stollen und das Gelände herzurichten. „Heute, nachdem wir viele tausend Arbeitsstunden und etliche 100 000 Euro an Geld- und Sachleistungen in unser Projekt investiert haben, wissen wir nur eins, dass uns die Arbeit niemals ausgehen wird“, so Kreft: „Das Besucherbergwerk ist ein Beispiel dafür, was Menschen mit ihrer Hände Arbeit schaffen können, wenn sie sich einer Sache mit Begeisterung verschreiben und Unterstützung bei Politik, Wirtschaft und den Medien finden.“

Für die Untertagearbeiten war Fachpersonal nötig, die der Bergmannsverein Rössing-Barnten stellte. Bis zur Stolleneröffnung wurden 40 Stollenmeter für Besucher befahrbar gemacht. Da der Ortsrat Osterwald kein Besucherbergwerk betreuen konnte, initiierte er die Gründung des Bergmannsvereins, der das Besucherbergwerk betreuen, weiter ausbauen und führen sollte. So kam es am 16. Juni 1980 zur Vereinsgründung. Ursprünglich war geplant, alle Exponate unter Tage auszustellen. Die hohe Luftfeuchtigkeit brachte es aber mit sich, dass ein Museumsbau geplant wurde.

Gerade in den vergangenen Jahren ist laut Kreft viel passiert: „So haben wir dank der Leader-Förderung nicht nur unser Museumsgebäude 2009 renovieren und erweitern können, sondern unsere Ausstellung 2010 völlig neu gestaltet, die nun modern, übersichtlich und anschaulich das Besucherbergwerk ergänzt.“ Im Museum werden auch die anderen ehemals heimischen Industriezweige wie Glashütten, Steinbrüche und die Ziegelei dargestellt. Das ganze Ensemble ist heute unter dem Logo „Der Hüttenstollen – Besucherbergwerk und Museum Osterwald“ bekannt.

Kreft bedankte sich besonders bei Dr. Olaf Grohmann, der viele Ideen entwickelte und umsetzte. Der Vorsitzende unterstrich: „Unser größtes und wichtigstes Ausstellungstück ist unser Besucherbergwerk Hüttenstollen. Bei der Eröffnung 1980 konnten rund 40 Meter von den Besuchern befahren werden, am Ende blieb nur der Blick ins Dunkle. Heute halten wir 450 Meter Strecke offen, so dass sich unsere Besucher einen eindrucksvollen Überblick über den heimischen Steinkohlenbergbau verschaffen können. Viele Hände haben daran mitgewirkt.“

Was aber wird die Zukunft für das Besucherbergwerk und den Bergmannsverein bringen? Kreft: „Sicherlich werden wir vor großen Herausforderungen stehen. Das Ehrenamt stößt an seine Grenzen. Junge Menschen können oder wollen sich nicht mehr in dem Umfang ehrenamtlich engagieren, wie das früher der Fall war und für uns notwendig wäre. Auch die zurückgehenden Besucherzahlen sind ein großes Problem. Die Bildungsbürger sterben aus und damit unser Klientel.“ Daher müssen neue Bevölkerungsgruppen als Kundschaft gewonnen werden. Der Vorstand hat die Probleme erkannt und ist bemüht, diese zu lösen. „Das aber kann kein Museum alleine schaffen. Schon gar nicht ein kleines von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführtes Museum. Darum sind die Mitarbeit in Netzwerken und die Zusammenarbeit mit Touristikern notwendig“, so Kreft.

Im Anschluss wurde der zweite Teil der Sonderausstellung präsentiert – mit dem Titel „Bergbau ist nicht eines Mannes Sache“.

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