Eine Gratwanderung für die Kultur

Haus an der Stadtmauer hofft auf Unterstützung: Eine weiteres Jahr ohne Einnahmen ist kaum zu stemmen

Den Verein DorfKulTour eint mit anderen Kulturschaffenden die große Sorge, dass durch die Corona-Zwangspause kulturelle Veranstaltungen in der Region langfristig verloren gehen: Karl-Heinz Grießner hofft, dass sich künftig wieder alle Türen zu den Kultureinrichtungen öffnen.
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Den Verein DorfKulTour eint mit anderen Kulturschaffenden die große Sorge, dass durch die Corona-Zwangspause kulturelle Veranstaltungen in der Region langfristig verloren gehen: Karl-Heinz Grießner hofft, dass sich künftig wieder alle Türen zu den Kultureinrichtungen öffnen.

Wallensen – Das Vereinsleben liegt derzeit brach. Normalerweise findet etwa in Wallensen Anfang November die Terminabsprache der Vereine für das Folgejahr im Haus an der Stadtmauer statt. Karl-Heinz Grießner lädt als Ortsbürgermeister und Vorsitzender des örtlichen Kulturvereins DorfKulTour hierzu die anderen Vereinsvertreter ein. Doch im zurückliegenden Jahr wurde aufgrund der Corona-Bestimmungen auf ein Treffen verzichtet, das ohnehin kaum Ergebnisse gebracht hätte. „Für dieses Jahr sind alle Vereine sehr vorsichtig und planen kaum Veranstaltungen. Normalerweise hatten wir für dieses Jahr zum Ende des Sommers auch das Wallenser Stadtfest mit allen Vereinen geplant. Stand jetzt wird das Fest aber wohl nicht stattfinden. Die Entscheidung wurde noch nicht getroffen, doch normalerweise hätten die ersten Vorbereitungstreffen schon stattfinden müssen. Das finanzielle Risiko von abzuschließenden Verträgen ist aber vermutlich zu hoch“, schätzt Grießner die Lage pessimistisch ein. 

2020 hatte auch der Verein DorfKulTour zwei größere Veranstaltungen im Haus an der Stadtmauer geplant. Für die Veranstaltung „75 Jahre Kriegsende“ hatte man auch Zeitzeugen gefunden, die von ihren Erlebnissen hätten berichten können. „Dabei hätte man auch die Brücke zu heutigen Themen schlagen können. Schon damals waren Flüchtlinge nicht überall willkommen“, erklärt Grießner. Geplant war auch eine Veranstaltung zu „30 Jahre Deutsche Einheit“. Gäste aus der ehemaligen Partnergemeinde Benneckenstein waren dazu eingeplant, und Zeitzeugen hätten ihre Erfahrungen wiedergeben können. Größte Sorgen macht sich Grießner aber auch um die Gesangsvereine, wie etwa um den Männergesangverein Wallensen, der schon lange Jahre die Räume des Hauses für seine Singabende nutzt. „Jetzt singen die MGV-Mitglieder aber bereits ein Jahr nicht mehr“, ist Grießner betrübt. Zwar haben sich die Mitglieder im Sommer einige Male getroffen, doch dabei wurde im Rahmen der geltenden Abstandsregeln nur etwas die Geselligkeit gepflegt. Die Zukunft wird dann zeigen, ob der MGV auch zukünftig singfähig sein wird. Das Technik-Team der DorfKulTour kümmert sich derzeit abwechselnd um das Haus an der Stadtmauer, lüftet regelmäßig und kontrolliert alles. Normale Verschönerungsarbeiten wurden dabei aufgeschoben, um die knappen finanziellen Rücklagen des Vereins zu schonen. „Uns fehlen die Einnahmen aus den Veranstaltungen. Erhalten konnten wir das Haus bisher nur durch einige Spenden und wir hoffen, dass uns auch weiterhin einige Menschen oder gerne auch Gewerbetreibende aus der Region unterstützen“, hofft Grießner. Bis auf eine kleine Spende aufgrund der verzichteten Weihnachtspost des Flecken hat der Verein bisher keine Unterstützung von öffentlichen Stellen erhalten. Grießner stellt dabei klar, dass man sich zwar bisher über Wasser halten konnte, ein weiteres Jahr ohne Einnahmen der Verein aber so nicht überstehen wird. Geholfen hat 2020 die Aktion Haus-Held – und auch aus der neuen Sofa-Aktion von Tanja Flügel erhofft sich Grießner wieder Unterstützung für die Einrichtung.  Für den Verein ist die derzeitige Entwicklung eine Gratwanderung: Den Verein eint mit anderen Kulturschaffenden die große Sorge, dass durch die Corona-Zwangspause der Region kulturelle Veranstaltungen verloren gehen, die sich nur mit viel Aufwand wieder ins Leben rufen lassen. Es geht jetzt darum, dass nach dem Lockdown die Motivation zum Ehrenamt wiedergefunden wird. Grießner fürchtet, dass sich viele Menschen schon an den Ausfall der Veranstaltungen gewöhnt haben. 

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