Gedenkstätte erinnert an Zwangsarbeiter im Steinbruch

Erinnerungsort fast fertiggestellt

Die Stele an dem Gedenkort ist bereits aufgestellt worden.
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Die Stele an dem Gedenkort ist bereits aufgestellt worden.

Salzhemmendorf – Für Burkhard Bösterling war es ein Herzensprojekt. Vor etwa zwei Jahren lud der mittlerweile verstorbene Bildhauer aus Ockensen zusammen mit dem Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom zu einer Informationsveranstaltung in den Ratskeller Salzhemmendorf ein. Bösterling und Gelderblom waren auf der Suche nach Zeitzeugen, die etwas zu der Geschichte der Zwangsarbeiter im Steinbruch Salzhemmendorf beitragen konnten. 

Fast 100 Zuhörer waren dem öffentlichen Aufruf gefolgt und erschienen zu der Veranstaltung im Ratskeller, bei der es wertvolle Hinweise für die Aufarbeitung zu der dunklen Geschichte rund um den Streinbruch gab. Besonders bedeutend war für Bösterling das Schicksal der gestorbenen russischen Kriegsgefangenen, was ein Teil der Salzhemmendorfer Ortsgeschichte werden soll. Als Mahnmal gegen den Krieg und Verfolgung wollte man an dieses Schicksal erinnern.   Schon im Jahr 1943 waren weit über 100 Kriegsgefangene alleine in dem Kalk-Werk Biermann & Pieper in Salzhemmendorf tätig, was sich dann bis zum Kriegsende mit viel Leid für die Betroffenen fortsetzte. Hitler hatte den Krieg gegen die Sowjetunion als Vernichtungskrieg definiert und entsprechend ging man auch mit sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland um. Die Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen hatte in Deutschland für Russen keine Bedeutung. Nach Informationen von Zeitzeugen wurde auch mindestens ein Wachmann der Wehrmacht aus Salzhemmendorf für Kriegsverbrechen in dem Steinbruch verurteilt. In anderen Orten wurden für russische Kriegsgefangenenlager noch nicht einmal Baracken gebaut. Bestimmte Gebiete wurden einfach mit Stacheldraht eingezäunt und die Gefangenen sich selbst überlassen. Die häufigste Todesursache in solchen Lagern war das „Ersticken in der Höhle“. „Die Juden und politischen Kommissare unter den Russen wurden dazu noch von der Gestapo erschossen“, beeindruckte Gelderblom die Anwesenden damals sichtlich mit seinen Ausführungen. Mit einem mit Ölfarbe geschriebenen „SU“ auf dem Rücken wurden die Russen gekennzeichnet, so dass auch Fluchtversuche fast immer scheiterten.   Trotzdem unternahmen die Russen auch in Salzhemmendorf vermutlich aufgrund der schlimmen Umstände im Lager immer wieder Fluchtversuche. Nach dem ersten Fluchtversuch wurden sie noch zurückgebracht, wenn sie gefasst wurden. Nach einem zweiten Fluchtversuch wurden sie meist erschossen. Belegt sind in Salzhemmendorf mindestens acht Versuche, wobei die Dunkelziffer viel höher liegen dürfte.  In Salzhemmendorf sind mindestens sieben russische Kriegsgefangene umgekommen, was nach einem Schreiben aus dem Archiv des International Tracing Service aus Bad Arolsen belegt ist. In den 1960er Jahren wurde die Gebeine der Toten von Salzhemmendorf nach Rehren-Auetal umgebettet, wovon Gelderblom und Bösterling erst durch den Salzhemmendorfer Dorfchronisten Klaus Grote bei ihren Nachforschungen erfuhren.  Bösterling hatte schon damals eine Stele entworfen, die nun nach seinem Tod umgesetzt werden konnte. War zunächst zwar ein Standort unterhalb der sogenannten „Russen-Burg“ am Steinbruch vorgesehen, wurde aufgrund der abgelegenen Stelle dann davon abgesehen. An der Ecke Limberger Weg/Felsenkellerweg ist jetzt die Stele aufgestellt worden und die Gestaltung des Platzes kurz vor der Fertigstellung. Der Entwurf von Bösterling wurde von einer Thüster Firma umgesetzt und durch eine weitere Firma in Salzhemmendorf aufgestellt. Die Kosten für die Gedenkstätte inklusive Stele, Infotafeln, Broschüre und Nebenkosten betragen 11 000 Euro, wobei der größere Teil durch Spenden zusammenkam und die Gemeinde den Rest bereitgestellt hat. Im hinteren Bereich des Platzes wurden zudem Steine aus dem Steinbruch so platziert, dass mit Hilfe einer noch fehlenden Infotafel konkret über die Arbeit im Steinbruch informiert wird. Eventuell wird auf dem Gelände noch mehr gestaltet, worüber der Ortsrat aber noch beraten will.  gök

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