Tafel an der ehemaligen Synagoge in Salzhemmendorf eingeweiht

Erinnerung wachhalten

Kleine Feierstunde vor der ehemaligen Synagoge in Salzhemmendorf. Fotos: Spätlich

SALZHEMMENDORF  Am Dienstag war es genau 70 Jahre her, dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von den heranrückenden Truppen Russlands von der Nazi-Herrschaft befreit wurde. Ein unrühmlicher Teil der Geschichte Deutschlands nahm an dem Tag sein Ende, dem gut 1,7 Millionen Menschen, davon rund eine Millionen Juden, zum Opfer fielen. Ein Zeichen gegen das Vergessen und gleichzeitig eine Mahnung, dass sich so etwas nicht wiederholen darf, setzte der Flecken Salzhemmendorf mit bisher drei Gedenktafeln.

Zwei sind auf dem Friedhof und dem Rathaus zu finden, die dritte wurde jetzt vor der ehemaligen Synagoge in der Kampstraße eingeweiht. „Die jüdische Gemeinde war seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Flecken Salzhemmendorf. Auch hier fiel sie aber den Nachstellungen des Nazi-Regimes zum Opfer. Diese Tafeln soll aber die Erinnerung wachhalten und ist als wichtiges Signal nach außen zu sehen“, meinte Salzhemmendorfs Bürgermeister Clemens Pommerening bei der Einweihung der Tafel an der ehemaligen Synagoge.

Der Einladung zur Einweihung waren Vertreter der Verwaltung, des Ortsrates und der Kirche gefolgt. Ein besonderer Dank ging an den ebenfalls anwesenden Historiker Bernhard Gelderblom aus Hameln, der sich bisher schon durch Veröffentlichungen der jüdischen Geschichte einen Namen gemacht hat.

Er gab dann auch einen geschichtlichen Einblick in die ehemalige Synagoge, von der heute nur noch das Fundament zu sehen ist. „In der Kampstraße befand sich von 1844 bis 1938 die Synagoge der Salzhemmendorfer Juden, wo auch die jüdischen Einwohner aus Lauenstein, Hemmendorf, Wallensen und Duingen am Sabbath zum Gottesdienst erschienen. Der Synagogenraum lag im unteren rechten Teil des Gebäudes. Im Haus war auch eine jüdische Schule untergebracht. 1903 musste die Schule aber schließen, da die Zahl der Schüler stark zurückgegangen war. Im Anschluss an die Schulschließung mietete der jüdische Schlachter Robert Davidsohn das Haus, der an der Seite auch das Schlachthaus anbaute“, führte er aus. Der Anfang vom Ende fand in der „Reichsprogrom-Nacht“ 1938 statt, als das Haus von Männern der SA gestürmt und der Synagogenraum zerstört wurde. Robert Davidsohn und sein Sohn Erich wurde danach von der Gestapo in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, seine Ehefrau und seine Stieftochter konnten zu Verwandten flüchten. Nur unter der Zusage der sofortigen Auswanderung kamen Vater und Sohn aus Buchenwald frei. Erich Davidsohn entkam mit einem Kindertransport nach England, während die übrige Familie nach Argentinien auswanderte.

Um die Geschichte noch weiter wachzuhalten, plant die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Kirche, im Herbst sogenannte „Stolpersteine“ einzubauen – sie sollen zusätzlich an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Diese Steine sollen an den Stellen verlegt werden, von wo aus die Menschen damals deportiert wurden. „Eigentlich ist das Verlegen solcher Steine nicht die Angelegenheit des Gemeinderates. Doch wir wollen damit als oberstes politisches Gremium der Gemeinde ein Zeichen gegen Gewalt, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit setzen“, so Pommerening.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare