Gemeindeverband Saaletal nimmt Wallensen auf / Zehn Jahre kirchliche Stiftung

Abschied und Neuaufbruch

Pastor Thomas Müller (links) verabschiedet die Kirchen- und Kapellenvorstände. Foto: Göke

SALZHEMMENDORF Seit 968 und vermutlich schon viele Jahre zuvor hatte die Wallenser St.-Martins-Kirche eine besondere Bedeutung für die Region. Die Kirchengemeinde hatte ihren Wirkungskreis zum Teil bis Eschershausen oder Duingen. Doch in den vergangenen Jahren schrumpften die Mitgliederzahlen so vehement, das zunächst die zweite Pfarrstelle verloren ging und im vergangenen Jahr mit Pastor Christoph Siedersleben auch der letzte Pastor in der mehr als 1000-jährigen Kirchengeschichte den Ort verließ.

Zuletzt war das Pfarrbüro in Wallensen für die Orte Wallensen, Thüste, Levedagsen, Ockensen, Marienhagen, Weenzen, Fölziehausen und Capellenhagen zuständig. Mit der Auflösung von Wallensen wechselte Marienhagen zur Kirchengemeinde Brunkensen-Hoyershausen und Weenzen, Fölziehausen und Capellenhagen zur Kirchengemeinde Coppengrave, wobei hier aber die Pfarrbetreuung aus Duingen stattfindet.

Anfang Januar erfolgte in Wallensen der Verabschiedungsgottesdienst für die Kirchen- und Kapellenvorstände aus dem alten Kirchspiel. Pastor Thomas Müller verabschiedete die vielen Mitglieder feierlich in der Wallenser St.-Martins-Kirche und anschließendem Empfang im Gemeindehaus.

Wo aber ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Denn eine Woche darauf hieß der Gemeindeverband Saaletal die Kirchengemeinde Wallensen in der Salzhemmendorfer St. Margarethen-Kirche willkommen. Obwohl nach mehr als 800 Jahren gemeinsamen kirchlichen Wirkens sicherlich auch ein weinendes Auge vorhanden war, soll nach dem Willen von Müller das lachende Auge in Zukunft etwas größer werden. Denn er betonte in seinen Willkommensworten, dass die Menschen im Gemeindeverband Saaletal miteinander und füreinander da sind. „Es haben immer die einen auf die anderen geachtet“, betonte Müller den guten Umgang im Gemeindeverband.

Besonderen Dank fand Pastor Müller in seinen Worten für den ehemaligen Wallenser Kirchenvorstand Hans-Joachim Beckmann, der nach Meinung von Müller als Brückenbauer zwischen den Kirchengemeinden sehr engagiert war. Der Gemeindeverband Saaletal war vor 15 Jahren im Flecken Salzhemmendorf entstanden. Der Auslöser war die Streichung der Pfarrstelle in Hemmendorf und Osterwald. „Die Gemeinden in Lauenstein und Salzhemmendorf hätten auch allzu menschlich handeln können und sich die Gemeinden in Osterwald und Hemmendorf einfach einverleiben können. Doch alle waren sich einig, dass wir so als Christen nicht miteinander umgehen können und schließlich gründete sich der Gemeindeverband Saaletal“, so Müller rückblickend. Der Gemeindeverband hatte bei Entscheidungen das letzte Wort und entschied immer zum Wohle des ganzen Verbandes. Die Grenzen des Gemeindeverbandes orientierten sich damals nach der Trennung der Gemeinde Lauenstein-Marienau an den Fleckengrenzen. Lediglich die Wallenser Kirchengemeinde – damals noch mit zwei Pfarrstellen besetzt – behielt mit den landkreisübergreifenden Gebieten ihre Eigenständigkeit.

Doch mit der Reform im Kirchenkreis fanden nun mit Wallensen, Thüste, Ockensen und Levedagsen auch die letzten Orte des Fleckens Salzhemmendorf in den Gemeindeverband Saaletal, der nun auch das Gebiet vom Oberlauf der Saale so beinhaltet, welcher diesem auch den Namen gibt. Doch das 15-jährige Jubiläum des Gemeindeverbandes und die Aufnahme von Wallensen war nicht der einzige Grund zum Feiern im Gemeindehaus. Denn mit der evangelischen Stiftung Saaletal hatte auch eine Erfolgsgeschichte Grund zum Feiern. Vor zehn Jahren wurden auf Initiative von Hartmut Georgi und Pastor Mau aus Hemmendorf die Stiftung gegründet und 2006 in die Trägerschaft des Gemeindeverbandes übertragen. Mit den Jahren sollte sich die Stiftung zu einer Herzensangelegenheit für Georgi entwickeln. Startkapital erhielt sie aus den Kirchengemeinden. Dieses Kapital wurde in den Folgejahren sehr gut ausgebaut. Zunächst bildete der Verkaufserlös des Amtsträgerwohnhauses in Hemmendorf mit 131 000 Euro den Grundstock für das Stiftungsvermögen, der durch Kapitaleinlagen der anderen Kirchengemeinden auf 250 000 Euro aufgestockt wurde. Rund 60 000 Euro haben Kuratorium und Kirchengemeinden bis 2006 durch Veranstaltungen an Zustiftungen eingeworben. Ab 2007 konnten mit Bonifizierungsaktionen der Landeskirche, verschiedenen Sportereignissen und einer Vielzahl anderer Veranstaltungen weitere Zustiftungsgelder gewonnen werden, so dass die Stiftung heute über einen Vermögensstock von 420 000 Euro verfügen kann. Aus dessen Erträgen werden Projekte und Maßnahmen wie Chorarbeit, Jugendarbeit oder Mitfinanzierung der Diakonenstelle finanziert.

Nach zehn Jahren übergab nun Hartmut Georgi sein Amt als Kuratoriumsvorsitzender an Thomas Hampe, der Georgi mit einem Geschenk ausdrücklich für das Engagement in seiner „Herzensangelegenheit“ dankte. Hartmut Georgi wird aber zumindest als Vorstandsmitglied der Stiftung auch erhalten bleiben.

Die Kirchengemeinde Wallensen ist neben der Aufnahme in den Gemeindeverband zum 1. Januar auch offiziell Mitglied der Stiftung geworden. gök

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare