Entlastung für Eltern und neue Herausforderungen für Wunschverwandte

Großeltern gesucht

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Freuen sich auf neue Wunschgroßeltern (von links): Projektmanagerin beim Kinderschutzbund Northeim Jutta List-Ivankovic mit ihrer Tochter Katharina Ivankovic, Geschäftsführerin beim Kinderschutzbund Northeim Elke Witt und Wunschoma Bärbel Bojack.

NORTHEIM Dass die Großeltern um die Ecke wohnen und ihren Kindern mit den Enkeln helfen können, ist ein Luxus, der vielen Familien nicht mehr zur Verfügung steht. In solchen Fällen helfen die Wunschgroßeltern des Kinderschutzbundes aus. 

„Einmal pro Woche ist vorgesehen. Wenn man Zeit hat und es passt kann man sich natürlich auch öfter treffen“, erklärt Bärbel Bojack, die seit dem Start des Wunschgroßelternprojektes vor fünf Jahren dabei ist. Eltern erhalten so bei Bedarf eine Entlastung im Alltag, können zum Beispiel Behördengänge erledigen oder Termine wahr­nehmen, und die Kinder haben eine feste Bezugs­person, mit der sie einen schönen Nachmittag verbringen können. „Für Kinder ist es das schönste Geschenk, wenn man sich einfach mal richtig Zeit für sie nimmt“, findet Jutta List-Ivankovic, Projekt­managerin beim Kinderschutzbund Northeim. Genau diese Möglichkeit haben Großeltern klassischerweise für Kinder mehr. Häufig habe man bei einem Spaziergang ein Ziel vor Augen, möchte also zum Beispiel etwas besorgen oder erledigen. Dabei bleibt dann häufig nicht genug Zeit, um einfach mal stehen zu bleiben, ein wenig auf einer Mauer herumzuklettern oder den Blumen beim Wippen im Wind zuzuschauen. „Einmal war ich mit einem Kind unterwegs, da sind wir an einer Wiese vorbeigekommen, an der ganz viele Pusteblumen standen“, erinnert sich Bojack. „Da wollte es un­bedingt pusten, also haben wir halt gemacht.“ Nach einer Weile kam es zu ihr und fragte „Kannst du mir mal helfen? Ich hab keine Puste mehr“, erzählt sie und freut sich über die schöne Erinnerung. Es sei bereichernd, die Welt noch einmal mit Kinderaugen betrachten zu können. „Ich persönlich bekomme für meine Zeit auch ganz viel zurück.“ Kinder haben aber nicht nur einen angenehmen Nachmittag mit ihren Wunschgroßeltern, sondern lernen dabei auch etwas fürs Leben. „Früher war es normal, dass viele Generationen gemeinsam gelebt haben. Heute fehlt vielen Kindern dieser Kontakt“, erklärt List-Ivankovic. Gleichzeitig lernen sie nicht nur die ältere Generation kennen, sondern auch noch Fremde und so ein neues Umfeld, was ihre Sozialkompetenz steigert. „Die Wunschgroßeltern werden natürlich nicht von uns allein gelassen“, sagt Geschäftsführerin des Kinderschutzbund Northeim Elke Witt. Die ehrenamtliche Tätigkeit wird vom Kinderschutzbund begleitet und in regelmäßigen Treffen geschaut, wo es hakt. Momentan gibt es Anfragen von Familien aus Bad Gandersheim, Einbeck, Northeim, Sudheim und Kalefeld, gesucht werden aber Freiwillige im gesamten Landkreis. „Die Männer könnten sich mal etwas mehr trauen“, findet Bojack. Derzeit seien hauptsächlich Frauen als Wunschgroßeltern aktiv. Gerade alleinerziehende Frauen wünschen sich aber häufig auch mal eine männliche Bezugsperson für ihr Kind, fügt List-Ivankovic ergänzend hinzu. Wer sich dafür interessiert ein neues, kleines „Familienmitglied“ zu haben, kann sich beim Kinderschutzbund unter 05551/ 988815 oder per E-Mail an info@kinderschutzbund-northeim.de melden. Interessierte sollten einmal die Woche, möglichst regelmäßig, am Nachmittag Zeit für ihren Wunschenkel haben. (sth)

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