Hammenstedter fordern Behandlung als Anlieger / Baumaßnahme im Zeitplan

Weiter Unmut am Harztor

Baustelle Harztor Northeim
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Seit Beginn der Baustelle gibt es immer wieder Ärger: Die Hammenstedter möchten jetzt eine Ausnahmegenehmigung, die Stadt erteilt dem aber eine Absage. 

Northeim – Der Ärger über die Baustelle am Harztor wächst weiter. Während eigentlich lediglich die Anlieger der von der Baumaßnahme direkt betroffenen Straßen Harztor, Saarstraße und Gartenstraße sowie unter anderem auch Kunden der dort ansässigen Firmen die Baustelle passieren dürfen, und alle anderen Bewohner Northeims die Umleitung über Lagershausen oder Suterode nehmen müssen, fordern die Hammenstedter eine Ausnahme. Sie möchten als Anlieger behandelt werden.

Die Unabhängige Wahlgemeinschaft Hammenstedt hat einen offenen Brief an die Stadtverwaltung und den Rat verfasst, in dem es unter anderem heißt: „Die Nachteile der Bürger aus Hammenstedt, wir sind ein Ortsteil von Northeim und damit Northeimer, werden immer größer. Schon vor Beginn der Bauarbeiten baten die Bürger aus Hammenstedt den Bürgermeister und die Verwaltung um eine praktikable Lösung, damit die Hammenstedter nicht den Umweg von mehr als 20 Kilometer (einfache Strecke) nach Northeim fahren müssen. Hier hat Bürgermeister Hartmann versprochen eine Lösung zu suchen und zu finden.“ Als die Baustelle offiziell für den Anliegerverkehr noch geöffnet war, passierten bis zu 4.000 Fahrzeuge am Tag das Harztor. Grund genug für die Stadt, die Baustelle, nicht zuletzt um auch die dort tätigen Arbeiter zu schützen, komplett für den Durchgangsverkehr zu sperren. Während der Bautätigkeiten sind seit einiger Zeit zusätzlich Sicherungsposten eingesetzt. Zu diesen Zeiten kann keine unerlaubte Durchfahrt mehr stattfinden. „Gleichwohl sind außerhalb der Bautätigkeiten nach wie vor zahlreiche unerlaubte Fahrzeugbewegungen festzustellen“, bestätigt die Stadt auf HALLO-Nachfrage. Hierzu merkt die Stadt außerdem an, dass Schäden an Fahrzeugen, die bei unerlaubtem Befahren der Baustelle entstehen, zu Lasten des Fahrzeugführers gehen und nicht bei der Baufirma oder der Stadt einforderbar sind. Die Polizei werde zudem weiterhin regelmäßig Kontrollen durchführen.

Wo darf man noch langfahren?

Aktuell ist aus Richtung Hammenstedt der Friedhof über den Lohgraben erreichbar, die Fahrzeuge können auf dem dortigen Parkplatz abgestellt werden. Aus Richtung Northeim ist nur die Zufahrt aus dem Weinbergsweg über den Ostring in die Saarstraße und Gartenstraße sowie bis zum Friedhofsparkplatz (Kapelle) möglich. Die Kleingärten und der Flugplatz sind für Anlieger über die Jahnstraße zu erreichen. Der Bahnübergang am Lohgraben wird gesperrt und ist nur noch für Radfahrer und Fußgänger geöffnet.

„Bodenlose Frechheit“

Während viele Kernstadt­bewohner ebenfalls die Umleitung nutzen müssen, um zum Beispiel zu ihrer Arbeitsstätte oder zu einem Arzt in Katlenburg zu kommen, pochen die Hammenstedter jedoch weiter auf eine Ausnahmegenehmigung für sie. Vor allem die Erlaubnis für Tennisclub- oder Reitvereinmitglieder, die Anlagen am Gesundbrunnen mit dem Auto über die Wilhelmswiese erreichen zu dürfen, stößt auf  Unverständnis: „Da wird den Freizeitsportlern des Tennisclubs Northeim und des Reitervereins Northeim und Umgebung ermöglicht, mit einer Ampelschaltung über die Wilhelmswiese ihren Freizeit­beschäftigungen nachzugehen, und die Hammenstedter müssen weiterhin große Umwege in Kauf nehmen, um zur Arbeit und zum Arzt zu kommen. Das ist ja wohl eine bodenlose Frechheit, die die Verwaltung sich hier erlaubt.“
Auch die Wählergruppe Northeim 21 fordert eine Sondergenehmigung für Hammenstedter. Die Baustellen­situation am Harztor sei eine unzumutbare Belastung für die Bürger des Orts. Die Umleitung würde nicht nur pro Strecke 20 Kilometer mehr bedeuten, sondern erfordere auch einen großen Zeitaufwand und sei ökologisch nicht vertretbar. „Mit etwas gutem Willen sollte die Verwaltung in der Lage sein, eine befriedigende Lösung herzustellen“, hofft Northeim 21.

Keine Ausnahmen

Eine Ausnahmegenehmigung für die Hammenstedter soll es jedoch nicht geben. Dies bestätigte die Stadt jetzt. Es sei in Abstimmungen mit Baubeteiligten, Ordnungs­behörden und Einsatzkräften „nicht vertretbar mit Blick auf den Schutz von Leben und Gütern, die Bauzeit und Kosten, mehr Verkehr als die Einsatzkräfte, den ÖPNV und eingeschränkt die direkten Anlieger im Baufeld zu gestatten“, erklärt die Stadt und erläutert den Begriff Anlieger: „Anlieger ist jeder, der dort etwas privat, geschäftlich oder dienstlich zu besorgen hat, zum Beispiel Kunde eines Geschäfts, Besucher einer Arzt- oder Anwaltspraxis, eines Restaurants oder eines Bewohners oder das Abholen eines Bewohners oder dessen Besucher. Der Anliegerbegriff ist räumlich auf die gesperrte Straße bezogen, dass heißt, das Hammenstedt nicht zum Anliegerverkehr gehört. Das direkte Durchfahren ohne konkrete dortige Erledigung ist als Durchgangsverkehr zu werten.“
Dass nun eine Zufahrt zum Gesundbrunnen oder zum BFC über die Wilhelmswiese ermöglicht wurde, begründet die Stadt damit, da sich nach der Vollsperrung des Harztors immer mehr Fahrzeugführer Wege durch den Wald als Abkürzung nach Northeim gesucht haben und sich dabei auch noch eine Gefährdung der Nutzer der Waldwege eingestellt hat. Die eingerichtete Verkehrslenkung unterbinde das illegale Befahren des Walds und sichere die Erreichbarkeit der Anlieger des Gesundbrunnens und der Güntgenburg.
Anfang bis Mitte Oktober soll die Baumaßnahme beendet sein, aktuell liege man trotz der Unterbrechung im Winter im Zeitplan. 

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