350 Bürger demonstrieren in Northeim für eine bunte und tolerante Gesellschaft

„Vielfalt ist Reichtum“

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Setzen ein Zeichen gegen Intoleranz, Rassismus und Extremismus aller Art: Rund 350 Bürger kommen auf dem Münsterplatz zusammen und treten für ein weltoffenes und tolerantes Northeim ein.

NORTHEIM (wat) – Rund 350 Bürger folgten am Montag dem Aufruf des Northeimer Bündnisses gegen Rechtsextremismus, friedlich gegen Nationalismus, Fanatismus und religiösen Fundamentalismus zu demonstrieren. Hintergrund der Demo war die zunehmende Präsenz der Pegida, die mit der Nogida auch einen Ableger in Northeim gefunden hat (HALLO berichtete).

Mit der Demo solle ein Zeichen gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft gesetzt werden, machte Erika Goebel vom DGB, Mitglied im Northeimer Bündnis, in ihrer Rede deutlich. „Wir wollen unser Northeim nicht den Rechtsextremen überlassen“, rief sie zur friedlichen Gegenwehr auf. Das Northeimer Bündnis verabscheut Fanatismus und sagt „Nein“ zu Nationalismus und religiösem Fundamentalismus. „Wir treten ein für eine bunte und tolerante Stadt“, sagt sie. Die verschiedenen Pegida-Ableger würden allerdings inzwischen immer mehr Zulauf haben, berichtet Goebel. Laut einer HALLO-Online-Umfrage finden 38 Prozent den lokalen Ableger, die Nogida, gut. Nur die Hälfte lehnt sie ab, zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer interessieren sich nicht für sie.

„Wir müssen die Ängste und Sorgen der Pegida-Anhänger ernst nehmen“, betont während der Demo der stellvertretende Superintendent Bernd Ranke, „aber was während der Demos an menschenverachtenden Tendenzen zutage tritt, verlangt Widerstand.“ Verunsicherte Menschen dürfe man nicht den Rechtsextremen überlassen. In Northeim seien aus Fremden vielfach Freunde geworden. „Freundschaft ist die Basis für einen intensiven Dialog, der für ein Mitein­ander nötig ist.“ In der Kreisstadt funktioniere es, hier gebe es eine gute Zusammenarbeit aller Religionen.

Dass sich der Terror, wie jüngst in Paris, die Maske des Islams aufsetzt, stimme sie traurig, sagte Naciye Göksu von der türkisch-islamischen Gemeinde zu Northeim in ihrem Redebeitrag. Der Islam sei eine Religion der Barmherzigkeit, dies leite sich schon aus dem Wortstamm Salam (hebräisch Schalom für Friede oder Heil) ab. „Die Verbindung zwischen Islam und Gewalt ist also buchstäblich falsch“, argumentiert die junge Studentin. So wenig wie der Terror im Sinne Allahs sei, so wenig könne die Pegida-Bewegung christlich ausgerichtet sein, denn „sie verstoßen gegen das Gebot der Nächstenliebe“. Für Göksu sei kulturelle Vielfalt ein Reichtum, den es zu pflegen gilt. Um ein friedliches gesellschaftliches Miteinander zu schaffen, seien insbesondere der Dialog und die Zusammenarbeit wichtig. „Christliche Bürger sollen auch den Islam kennenlernen, so wie Muslime das Christentum“, beschreibt sie den ersten Schritt zu einem friedlichen Zusammenleben.

Als weiterer Redner sprach Bernd Lehr vom Festausschuss des „Günterser Frühlingsfestes“. In dem 700-Einwohner-Dorf wurde bereits im August ein „Horst-Wessel- Gedenkmarsch“ – Wessel war Sturmführer bei der SA – für den 28. Februar angemeldet. In der Ortschaft bei Adelebsen hätte sich daraufhin großer Widerstand formiert. Mit einem Frühlingsfest unter dem Motto „Bunt statt Braun“ möchte der Ort nun zusammen mit Vereinen, Ortsrat, Institutionen, Kirche, Unternehmen und den Bündnissen gegen Rechtsextremismus am 28. Februar ab 10 Uhr den Gedenkmarschteilnehmern entgegentreten.

Demo gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft in Northeim

Demo gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft in Northeim

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