Northeimer Schüler beschäftigen sich mit dem Klimawandel

"Es gibt noch Hoffnung"

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Ein Meer von grünem Strom: AVU-Serviceplus Geschäftsführer Thorsten Coß erklärt den Besuchern der Thomas-Mann-Schule Northeim die Funktionsweise der Nörten-Hardenberger Photovoltaikanlagen.

Northeim – Ein Meer von Photovoltaikanlagen erstreckt sich um die Besucher der Thomas-Mann-Schule Northeim. Im Rahmen ihrer Projekt­woche „TMS-for-Future“ beschäftigen sich die Schüler mit vielen verschiedenen Themen zu Nachhaltigkeit und Energiewende und haben dabei unter anderem die Freiflächenanlage in Nörten-Hardenberg besucht.

Eine erste Einführung in die vor ihnen liegende Projekt­woche erhielten die Schüler zum Unterrichtsbeginn mit einem Vortrag von Klimaaktivistin Greta Thunberg in Videoform. In dem erklärte sie, nicht zu verstehen, weshalb immer wieder von der Klimakatastrophe gesprochen, aber nicht gehandelt werde, um sie zu verhindern. An Schlüsselstellen unterbrach Konrektor Oliver Brunotte das Video um Details wie zum Beispiel „Was genau sind Emissionen?“ zu ergänzen. Da es anscheinend keine Regeln gebe, die es verbieten, weiterhin Benzin und Diesel zu verbrennen, obwohl es der Umwelt sehr schade, reiche es nicht, sich an die bestehenden Regeln zu halten, so Thunberg. Stattdessen müssten neue erdacht und umgesetzt werden, um das Klima zu retten. Ähnlich sehen es auch Pauline Giesbert von der Göttinger und Hanna Zoike von der Northeimer „Fridays for Future-Bewegung“, die als Gastredner zu den Schülern sprechen. Auch wenn viele ihnen vorwerfen, sie würden freitags die Schule schwänzen, weil sie keine Lust auf den Mathematikunterricht hätten, ginge es bei dem Regelbruch viel mehr darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Obwohl die derzeitige Politik zu wenig dafür tue, könne dies geändert werden. „Wenn wir alle auf die Straße gehen, werden unsere Stimmen gehört. Es gibt noch Hoffnung“, sind sich die Schülerinnen sicher. Anfangen könne jedoch jeder für sich im Kleinen. Plastikverpackungen vermeiden wenn es geht, öfter mit dem Fahrrad fahren, anstatt das Auto zu benutzen oder wenigstens den Bus nehmen, sind einige Vorschläge, die sie haben. „Es muss und kann nicht jeder 100 Prozent geben“, machen sie deutlich. Aber, wenn jeder 50 oder 60 Prozent gäbe, sei schon viel getan. Auf dem Projektprogramm TMS stehen neben Workshops und Ausflügen auch so genannte „Garbage-runs“, bei denen die Schüler verschiedene Orte in der Stadt von Müll befreien. Der erste der zahlreichen Ausflüge, führte eine der Schülergruppen zu einer der Photovoltaikfreiflächenanlagen in Nörten-Hardenberg, in der sie eine exklusive Führung des AVU-Serviceplus Geschäftsführers Thorsten Coß und des Projektleiters Matthias Gerhardt erhielten. Da die Anlage bereits seit 2012 besteht, sei sie technisch nicht auf dem aktuellsten Stand, aber dennoch leistungsfähig. An einem sonnigen Maitag, dem Monat mit den besten Ausbeutemöglichkeiten, versorge die Anlage mit ihren 26.000 Modulen bis zu 1.285 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom. Topaktuelle PV-Anlagen seien jedoch in der Lage, die doppelte oder sogar dreifache Menge an Energie zu produzieren, wie Gerhardt hervorhebt. Hier gebe es einen beständigen Technologiefortschritt, der die PV-Technik auch für Privatkunden immer wirtschaftlicher mache, erklärt Coß. Einmal aufgebaut, seien die Anlagen außer­ordentlich wartungsarm. Da es außer den Lüftern der Wechselrichter, die den Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, kaum bewegliche Teile gebe, sei auch der Verschleiß gering. Warme Sommer und kalte Winter sorgen dafür, dass sich die Kabel ausdehnen und wieder zusammenziehen und ab und zu werden diese auch von Kaninchen und anderen Nagetieren angeknabbert. In solchen Fällen müssen die Serviceteams ausrücken und auf Fehler­suche gehen. Zum Erstaunen der Besucher wurden die Module in ihrer siebenjährigen Laufzeit nur einmal gereinigt, auch ein Winterdienst, um sie von Schnee zu befreien, ist nach Angaben Gerhardts nicht notwendig. Der Energieverlust wegen Staub und Pollen auf den Anlagen sei so gering, dass der Arbeitsaufwand zu groß sei. Ähnlich sei es bei Schnee: Wenn dieser liegen bleibe, sei auch wenig Energie aus den Sonnenstrahlen zu gewinnen. Als krönenden Abschluss der Projektwoche planen Schüler und Lehrer gemeinsam am Freitag, 24. Mai, von 11 bis 12 Uhr ihre Ergebnisse auf dem Münsterplatz vorzustellen. Nach Angaben Brunottes haben unter anderem Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) und MdB Dr. Roy Kühne (CDU) ihre Teilnahme angekündigt. „Als Lehrer müssen wir Schülern die Teilnahme am Schulstreik verbieten“, hebt Brunotte hervor. Allerdings könnte die Lehrerschaft es ihnen im Rahmen der Projektwoche ermöglichen, sich für Themen, die sie interessieren, zu engagieren. (sth)

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