Freunde seit 50 Jahren

NORTHEIM (rgy) - Galten Deutsche und Franzosen noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts als „Erzfeinde“ hat sich dieses Bild heute geändert. Politisch arbeiten Frankreich und Deutschland in der EU eng zusammen und auch in den Köpfen der Menschen sind aus Feinden Freunde geworden. Einen großen Anteil daran haben auch Städtepartnerschaften, in denen über den eigenen Tellerrand geguckt wird und man offen den anderen begegnet. Northeim pflegt seit nunmehr 50 Jahren eine Partnerschaft mit Tourlaville. Ein Grund, diese Freundschaft zu feiern und wieder verstärkt zu leben. Ab Donnerstag ist eine französische Delegation in Northeim, die neben einem großen Besichtigungsprogramm auch eine Feierstunde in der Stadthalle am Sonntag genießen kann.

„Städtepartnerschaft muss gelebt werden“, sagt Ditmar Goll, der sich für Northeims Städtepartnerschaften auch mit Gallneukirchen und Prudnik engagiert. „Immer wieder sind die Northeimer von der großen Gastfreundschaft begeistert“, weiß er aus zahlreichen eigenen Fahrten und möchte das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Tourlaville dafür nutzen, den Austausch wieder zu intensivieren. Der langjährige Jugendaustausch, aus dem sechs Ehen zwischen Tourlavillern und Northeimern hervorgegangen seien, hätte 2001 zum letzten Mal stattgefunden, bedauert er. In den vergangenen Jahren wären vor allem die Amitiés und das Northeimer Nachwuchsorchester die Motoren der Partnerschaft gewesen. Doch in diesem Jahr sei auch der Sportleraustausch wieder belebt worden (HALLO berichtete) und ein Schulaustausch sei ebenfalls vorgesehen, freut sich Goll über die neuen Anstrengungen, die Kontakte zu intensivieren. Auch in Frankreich gebe es jetzt wieder verstärktes Interesse an einem Schüleraustausch. Lange hätte es keine Deutschlehrer in Tourlaville gegeben, dies habe sich nun aber geändert und damit auch der Wunsch nach einem Austausch mit Schülern aus Northeim. Goll selbst plant in Zukunft vielleicht Bürgerfahrten nach Tourlaville anzubieten. Somit hätten alle Interessierten die Möglichkeit, die Partnerstädte kennenzulernen, auch ohne Austausch. Die Städtepartnerschaft wurde 1967 zwischen Northeim und Tourlaville besiegelt. Vorangegangen waren erste Verbindungen zwischen dem Northeimer Verband der Kriegsheimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermissten-Angehörigen und den französischen Ancien Combattants et Prisionniers de Guerre (ACPG). 1966 folgte eine erste Delegation des Heimkehrer Verbandes mit Hans Weiß an der Spitze einer Einladung nach Frankreich, wo sie von August Desprez, der sich in der ACPG engagierte, und vielen anderen aus Tourlaville herzlich aufgenommen wurden. Bereits am 1. Oktober 1966 wurde die Partnerschaftsurkunde in Tourlaville unterschrieben. Im Juli 1967 kam es zur Unterzeichnung in Northeim. Aus der Partnerschaft der Heimkehrerverbände entwickelte sich in den Folgejahren eine vielversprechende Städtepartnerschaft, in deren Rahmen viele Begegnungen auf unterschiedlichsten Ebenen folgten. Zur Jubiläumsfeier in Northeim werden die Partner aus Tourlaville nicht nur bei der Eröffnung des Klostermarktes dabei sein, sondern es gibt zudem am Samstag, 16. September, einen öffentlichen Vortrag über die Geschichte von Frankreich und Deutschland ab 1789. Anschließend wird die Ausstellung des Künstlers Aurel eröffnet. Auch zur Feierstunde am Sonntag, 17. September, um 11.30 Uhr in der Stadthalle zu „50 Jahre Partnerschaft Northeim – Tourlaville“ sind alle eingeladen, der Veranstaltung auf der Empore zu folgen. Verliehen werden in diesem Rahmen die Europa-Ehrenurkunde und die Friedensmedaille, kündigt Goll freudig an.

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