Gedächtnis der Stadt

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Stadtarchivar Ekkehard Just geht in den Ruhestand und freut sich, dass die Nachfolge so gut gelöst wurde.

NORTHEIM (rgy) - „Ich freue mich sehr, dass die Übergabe so gut gelungen ist und ich einen tollen Nachfolger habe“, schildert Stadtarchivar Ekkehard Just im Gespräch mit HALLO die positive Situation zu seinem Abschied. Seit 1995 ist er Leiter des „Gedächtnisses der Stadt“, doch schon seit 1984 hat er sich intensiv mit der Stadtgeschichte befasst.

Als Leiter des Stadtarchivs hat man zahlreiche Aufgaben. Verstaubt ist die Arbeit nicht, vielmehr gilt es immer wieder Daten und Informationen, die für aktuelle Themen relevant sind, zu recherchieren und entsprechend den Verwaltungsmitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Auch Anfragen von Historikern und Heimatkundlern von außerhalb werden erfüllt, zudem gibt der Stadtarchivar Auskunft zu Einträgen in das Geburts-, Heirats- oder Sterberegister. Seit 2004 ist Just zudem Leiter des Northeimer Heimat­museums, hat in diesem Rahmen rund 50 Ausstellungen begleitet, ein Großteil davon selbst erarbeitet. „Besonders am Herzen liegt mir die aktuelle Ausstellung“, betont Just, in ihr hat er die vergangenen 50 Jahre in Northeim Revue passieren lassen, seinen persön­lichen Blick auf die jüngste Stadtgeschichte geworfen. Wenn man mit ihm redet, berichtet er mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit über das Geschehen in der Stadt. Hat er doch zahlreiche Bürgermeister und Stadtdirektoren miterlebt. „Jeder hatte da so seinen eigenen Stil“, weiß er, dessen Büro im Archiv mit ausrangierten Möbeln aus den Bürgermeisterzimmern besteht. Aktenschränke und Schreib­tisch sind noch von den Stadtdirektoren Werner Hesse und Dieter Riedmiller, ein Schrank sogar von Bürgermeister Andreas Suadicani sowie ein Schreibtischstuhl von Bürgermeister Irnfried Rabe. Eigentlich hat Just höheres Lehramt studiert, doch damals trotz guten Abschlusses keine Chance auf eine Anstellung im Schuldienst gehabt. So widmete er sich nach seinem Staatsexamen 1984 der Forschung der Stadtgeschichte Northeims. Zunächst als Dozent an der Kreisvolkshochschule, später als Mitarbeiter beim Altenzentrum Northeim im Projekt „Erlebte Geschichte“. Ab 1989 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv und Museum der Stadt in verschiedenen Projekten, bevor er 1992 dort ein 18-monatiges Volontariat ab­- solvierte, um dann 1995 die Leitung von seinem Vorgänger Hartmut von Hindte zu übernehmen. Die aktuelle Ausstellung im Heimatmuseum ist ein „Sahnehäubchen“, benennt Just die Highlights seines Schaffens bei der Stadt. Wichtig für die Arbeit im Archiv sei gewesen, den Aktenbestand von 1930 bis 1970 zu verzeichnen und digital zu erfassen. Bis zu sechs ABM-Kräfte waren damit befasst und haben damit eine wichtige Grundlage für das Archiv geschaffen. Überhaupt hätten ABM-Kräfte und Ein-Euro-Kräfte viel im Archiv aufgearbeitet. Für einige sei die Arbeit auch berufliches Sprungbrett geworden, erinnert er sich zurück. Ihm selbst habe es in den vergangenen Jahren oft an Zeit gefehlt, weiter zu forschen. Dennoch hat der Archivar zahlreiche Aufsätze, vor allem für das Jahrbuch, verfasst. Am Jahrbuch möchte Just auch in Zukunft weiter mitarbeiten und die Redaktion nach nun mittlerweile 20 Jahren weiterführen. Auch die Stadtchronik wird er fortschreiben und gern seinem Nachfolger mit Rat zur Seite stehen. „Ich konnte von Hindte auch immer fragen, dass möchte ich mit Stefan Teuber so fortsetzen“, betont Just, der sich aber nicht in die Arbeit seines Nachfolgers einmischen möchte. „Meine Frau und ich werden viel auf Reisen gehen, außerdem ist zuhause einiges zu machen und handwerklich bin ich nicht ganz ungeschickt“, freut sich Just auf seinen Ruhestand. Seine Arbeit als Archivar und als Museumsleiter hat er immer mit großer Leidenschaft ausgefüllt. Aber mit zunehmendem Alter merke er, dass einiges nicht mehr ganz so leicht von der Hand ginge, wie zum Beispiel das Vitrinenschleppen vor Ausstellungen im Museum. „Und die großen und schweren Bilderrahmen hängen und richten sich auch nicht von alleine auf“, fügt er an.

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