Schüler der Thomas-Mann-Schule erleben, was es heißt, nicht sehen zu können

Für drei Minuten blind

+
Mit Langstock und sichteinschränkender Brille ausgerüstet: Ottfried Sannemann schickt einen Schüler in den Parcours

NORTHEIM (rgy) – „Die Treppenstufe war besonders gefährlich“, berichtet ein Schüler, und sein Klassen­kamerad fügt an, dass er keine Mülltonne erwartet hätte. Erfahren haben 170 Schüler der Northeimer Thomas-Mann-Schule wie es sich anfühlt, wenn man sich auf den Tast- und Hörsinn verlassen muss, bei einem Gang mit Grauer-Star-Brille und Langstock im Blindenparcours der Christoffel-Blindenmission (CBM).

Bevor die Schüler nichts sehend in den Parcours geschickt wurden, hat Ottfried Sannemann vom CBM ihnen den Umgang mit dem Langstock erklärt und ihnen verdeutlicht, dass viele blinde und sehbeeinträchtigte Menschen darauf angewiesen sind. Zaghaft und etwas verunsichert meisterten die Schüler den kurzen Rundgang, der ihnen aber viel länger und weiter vorkam, als beim zweiten Durchgang ohne Seh­beeinträchtigung. Aufmerksam folgen sie im Anschluss den Ausführungen von CBM-Mitarbeiterin Vera Sedlak und vor allem von Regine Rohmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband, die nur noch sieben Prozent Sehkraft besitzt. Rohmann erklärte den Schülern nicht nur die Blindenschrift, sondern auch zahlreiche Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können, so zum Beispiel ein Gerät, das die Farben der Kleidung erkennt oder ein Barcodescanner, der als Einkaufshilfe eingesetzt wird. Auch auf Spiele müssen blinde Menschen nicht verzichten. Rohmann hat ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel mitgebracht, dass entsprechend erfühlt werden kann. Zudem berichtete sie, dass sie gerne zum Schießen geht, wo sie die Zielscheibe mittels Töne anvisiert. Bei den Schülern kam besonders der Fußball an, der rasselt und somit für Blinde geeignet ist. Und dass die Sprachfunktion der modernen Handys nicht nur Spielerei ist, hat sich den Schülern nach den Erklärungen schnell erschlossen. „Wir haben viele Schüler, die inklusiv beschult werden“, begründet Schulleiterin Anika Müller-Wüstefeld, dass sie sich für das Projekt an der Schule entschieden haben. „Wir versuchen Schüler auf solche Dinge vorzubereiten, damit sie merken, wie es sich mit einem Handicap lebt,“ führt sie weiter aus. Northeim war nach Wolfsburg und Salzgitter die dritte Station der Schulaktion der CBM im Rahmen der Woche des Sehens unter dem Motto „Auf Augenhöhe“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare