Auffälligkeiten bei Testmessung / Ordnungsamt informiert frühzeitig / „Keine akute Gefahr“

Schlummert am Bahnhof eine Weltkriegsbombe?

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Die Unterführung am Bahnhof in Nordheim soll saniert werden. Messungen haben einen verdächtigen Metallgegenstand unter der Erde angezeigt. Möglicherweise eine Weltkriegsbombe Im Juni soll genau nachgeschaut werden. Bis dahin sei die Gefahr nur abstrakt.

NORTHEIM (cv/rgy) – Experten vermuten an der Bahnunterführung am Northeimer Bahnhof eine ungezündete Weltkriegsbombe. Messungen haben einen verdächtigen Metallgegenstand angezeigt. Mitte Juni soll genau nachgeschaut werden. Bis dahin droht laut Ordnungsamt „keine akute Gefahr“.

Mehr als 70 Jahre ist es her, dass Bahnhöfe in Deutschland großflächige Ziele von Bombenangriffen der Alliierten im Kampf gegen Nazideutschland gewesen sind. Nicht alle Sprengsätze sind beim Aufprall auch wirklich detoniert und schlummern seitdem deutschlandweit in der Erde. Im Wissen dieser Tatsache ist es deshalb ein Routinevorgang, im Vorfeld der geplanten Sanierung der Bahn-Unterführung an der B 241 in Northeim mit Messgeräte genauer hinzuschauen. Dabei ist jetzt tatsächlich ein bisher undefinierter Metallgegenstand aufgefallen. „Wir wissen nicht, was genau es ist, gehen aber auf Nummer sicher“, erklärt Uwe Ritter, Leiter vom Northeimer Ordnungsamt. Das heißt: am Wochenende des 13. und 14 Juni wird die Erde an der Stelle aufgerissen, an der das Messgerät ausgeschlagen hat. Dass bis dahin noch fast ein ganzer Monat verstreicht, sei durch unterschiedliche Faktoren begründet. „Die Deutsche Bahn und der Kampfmittelräumdienst planen das Vorgehen zusammen. Immerhin muss auch der Bahnverkehr für die beiden Tage eingeschränkt werden“, so Ritter. Eine akute Gefahr bestehe allerdings nicht. Zum einen, führt Ritter aus, sei noch nicht klar, ob es tatsächlich eine Bombe ist. „Wir haben in ähnlichen Fällen auch Gegenstände wie alte Gasflaschen oder Eisenbahnteile gefunden.“ Zum anderen sei die Bombe keine Gefahr, solange sie unangetastet im Erdboden liege. „Seit mehr als 70 Jahren führt der Bahn- und Straßenverkehr an der Stelle vorbei. Bisher ist nichts passiert“, so die Schlussfolgerung des Ordnungsamtsleiters. Sollte sich am 13. Juni jedoch herausstellen, dass im Erdinneren tatsächlich eine Weltkriegsbombe schlummert, soll schon am Folgetag mit der Bergung begonnen werden. Dazu müssen Anwohner und Geschäfte im Umkreis von bis zu einem Kilometer kurzfristig evakuiert werden, informiert die Stadt Northeim. „Wir haben uns dazu entschieden, so früh wie möglich zu informieren, sodass sich die Anlieger frühzeitig darauf einstellen können“, begründet Ritter die frühe Warnung.

Zeit für Vorbereitung

„Noch ist es lediglich ein Verdachtspunkt“, erklärt auch Thomas Bleicher, Dezernatsleiter vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, erst müsse untersucht werden, ob es sich wirklich um Kampfmittel an dieser Stelle handele. Sollte dies der Fall sein, dann müsse geprüft werden, ob eine Evakuierung erforderlich sei, der Radius hänge wiederum von der Größe des Kampfmittels ab. Die Stadt sei zuständig, alle Maßnahmen für die Evakuierung der Bevölkerung einzuleiten. „Bislang besteht nur eine abstrakte Gefahr“, betont Bleicher, „wenn wir sicher wissen, dass es sich um Kampfmittel handelt, dann werden wir auch sofort aktiv. Wir sind rund um die Uhr einsatz­bereit“, betont er. Uwe Falkenhain, Pressesprecher der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, erklärt auf HALLO-Nachfrage, dass es Aufgabe der Polizei sei, für die Absperrung und Evakuierung zu sorgen, falls dies überhaupt erforderlich sein sollte. Ebenso wird die Feuerwehr bei einer eventuellen Evakuierung zum Einsatz kommen. Kreisbrandmeister Bernd Kühle, weiß, dass die Menschen mit Blick auf den Unfall bei der Bombenentschärfung in Göttingen vor einigen Jahren in Sorge sind. Er betont aber, dass bislang noch nicht klar sei, was sich überhaupt in der Erde befinde, vielleicht sei es auch nur eine Bahnschiene oder eine Badewanne. Gut sei, dass der Kampfmittelräumdienst sensibilisiert ist und dass man vier Wochen Zeit zur Vorbereitung einer eventuellen Evakuierung hätte. Lobenswert sei auch, dass es diese ersten Untersuchungen gegeben hätte und nicht bei der Baumaßnahme im Oktober „wild darauf losgebaggert“ werde. Solange die mögliche Bombe noch gut umschlossen in der Erde liege, ginge von ihr keine Gefahr aus, beruhigt Kühle. Kritisch würde die Situation erst, wenn sie freigelegt ist. Aber dann greifen alle Sicherheitsmaßnahmen. Die Menschen im Evakuierungsbereich werden im Ernstfall rechtzeitig aufgefordert, sichere Räume aufzusuchen. Eventuell würden die Menschen in der Sporthalle des Corvinianums aufgenommen. „Vielleicht überlegt sich aber auch der eine oder andere jetzt schon, Freunde und Verwandte außerhalb des Evakuierungsgebietes zu besuchen“, schlägt Kühle vor. Für eine Evakuierung rechnet er mit drei bis vier Stunden, sollte wirklich ein Radius von 1.000 Metern erforderlich sein. Erst wenn alle das Gebiet verlassen hätten, würde die Freigabe zur Entschärfung erteilt. Keine Sorgen müssten sich Menschen mit Gehbehinderungen machen, betont Kühle, denn sie könnten kostenfrei abgeholt werden. Dazu würde voraussichtlich ein Telefon eingerichtet, bei dem sich Betroffene rechtzeitig für den Transport anmelden können. Alexander Karrasch, Projektleiter bei der DB Projekt Bau, erklärt auf Nachfrage, dass die Bahn die Zeit bis zum 13. Juni brauche, um den Fahrplan zu ändern und einen Schienenersatzverkehr zu organisieren. „Wir wollen so schonend wir möglich vorgehen und alles umfassend und in Absprache mit der Stadt koordinieren“, erläutert er.

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