Infos über Namensgeber der Hindenburgstraße nun angebracht

Schilder statt neuer Name

Ratsmitglieder Hindenburgstraße Zusatzschilder
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Freude über die Zusatzschilder bei den Ratsmitgliedern (v.l.) Carl-Christian von Plate Stralenheim, Marek Wischnewski, Hans Harer, Sebastian Penno, Franziska Lawrenz, Berthold Ernst, Marie Wilp und Marcus Krohn.

Northeim – Es war eine lange und emotionale Diskussion: Soll die Hindenburgstraße umbenannt werden? Dies schlugen SPD und Grüne 2020 mit dem Hinweis auf Hindenburg als Kriegsverbrecher vor, erhielten schlussendlich aber keine Mehrheit im Rat. Stattdessen wurden nun Zusatzschilder unter den Straßen­namen angebracht, auf denen über Paul von Hindenburg informiert wird.

Dabei habe man bewusst auf das Wort „Kriegsverbrecher“ verzichtet, erklärt Ratsmitglied Hans Harer (Grüne), „obwohl Hindenburg einer war“. Der Text ist in Zusammenarbeit von SPD und Grünen sowie Carl-Christian von Plate Stralenheim (CDU) entstanden. 
Mit dem Anbringen der rund 200 Euro teuren Zusatzschilder fand nun „ein Abschluss der Frage statt, wie wir mit der Namensgebung der Straße umgehen sollen“ statt, betonte Bürgermeister Simon Hartmann, der das Schild am oberen Teil der Straße im Beisein von Ratsmitgliedern und Anwohnern der Hindenburgstraße offiziell enthüllte. 

Bürgermeister Simon Hartmann enthüllt offiziell das Zusatzschild mit Infos über Paul von Hindenburg.

Bis 1933 hieß die heutige Hindenburgstraße im oberen Teil Bergstraße, im unteren Teil Zollstraße. Die Umbenennung erfolgt auf Beschluss des damaligen Rats, der mehrheitlich aus Mitgliedern der Nationalen Einheitsliste – einem Zusammenschluss von bürgerlichen Kräften und NSDAP-Mitgliedern – bestand, am  20. April 1933, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Auch weitere Straßen wurden an diesem Tag umbenannt: Aus dem heutigen Friedrich-Ebert-Wall wurde der Adolf-Hitler-Wall, aus dem heutigen Harztor die Göringstraße. Hindenburg, Göring und Hitler wurden zudem später auch Northeimer Ehrenbürger. Bereits kurz nach Kriegsende wurden der Adolf-Hitler-Wall und die Göringstraße 1945 wieder umbenannt. 1990 wurden Hitler und Göring zudem die Ehrenbürgerschaft aberkannt. 
Mit dem Beibehalten des Namens Hindenburgstraße soll auch die Geschichte Northeims, vor allem während der NS-Zeit, nicht in Vergessenheit geraten. „Wir müssen die unangenehmen Erinnerungen unserer Geschichte aushalten“, betonte Harer abschließend.

Was steht auf dem Schild?

Paul v. Hindenburg (1847-1934) 
1916-1918 Chef der Obersten Heeresleitung; einer der Hauptverantwortlichen für Kriegshandlungen des 1. Weltkriegs. 1925-1934 Reichspräsident. 30.01.1933 Machtübergabe an A. Hitler und die NSDAP. Kurz danach vorgezogene Neuwahl im Rahmen der „Gleichschaltung“ des Northeimer Stadtparlaments. Das beschließt mit 3/4-NS-Mehrheit zum 20.04.1933 („Führers Geburtstag“) die Umbenennung in den heute noch bestehenden Straßennamen.

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