Restauriertes Mahnzeichen findet neuen Platz auf dem Northeimer Friedhof

Polenkreuz steht wieder

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Mahnzeichen für die deutsche Geschichte: Alle am Projekt Beteiligten freuen sich über die Aufstellung des restaurierten Polenkreuzes und der Erinnerungstafel auf Feld 6b des Northeimer Friedhofes. Das ursprünglich im Bürgerholz errichtete Kreuz erinnert an den 1945 dort tödlich verunglückten ehemaligen Zwangsarbeiter Wiktor Tomala, dessen Grab (kleines Foto) sich auf dem Northeimer Friedhof befindet.

NORTHEIM (wat) – Das so genannte Polenkreuz hat einen neuen Platz auf dem Northeimer Friedhof gefunden. 1945 im Bürgerholz anlässlich des dort geschehenen tödlichen Arbeitsunfalls des ehemaligen polnischen Zwangsarbeiters Wiktor Tomala von seinen damaligen Kollegen errichtet, steht es nun nahe seinem Grabstein auf dem Grabfeld 6b für Zwangsarbeiter.

Über 50 Gräber von ehemaligen Zwangsarbeitern gibt es auf dem Northeimer Friedhof. „Wir wissen nur wenig über sie. Über Wiktor Tomala konnten wir aber vieles herausfinden“, betont Hans Harer, Initiator des Projektes und ehemaliger Geschichtslehrer am Corvinianum. Tomala starb am 24. Oktober 1945, wenige Monate nachdem er – nun nicht mehr als Zwangsarbeiter – mit seiner Familie nach Northeim kam, bei einem Arbeitsunfall im Bürgerholz. Das zu seinen Ehren aufgestellte Kreuz geriet irgendwann in Vergessenheit und fiel schließlich der Witterung zum Opfer. Im Frühjahr 2014 wurden Einzelteile des Polenkreuzes von Dr. Heinz.-J. Elliehausen gefunden, der die Reste sicherte. Restauriert wurde das Kreuz von Teilnehmern der Jugendwerkstatt Northeim unter der Leitung von den Fachanleitern Henning Rode und Thomas Hanelt. Knapp vier Monate haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen an dem Polenkreuz gearbeitet. „Am schwierigsten war, das Kreuz aufzustellen, es wiegt immerhin 250 Kilogramm“, berichtet Hendrik-Niklas Thun von der Jugendwerkstatt. Hilfe kam von den Technischen Diensten der Stadt. „Die Planung und das Einpassen in die Kerbe waren ebenfalls eine Herausforderung“, ergänzt Hanelt. Zudem hatten die Fachanleiter mit Eichenholz zur Restauration gerechnet, die Landesforsten stifteten jedoch Mahagoniholz. „Das ist ein sehr hartnäckiges Material“, erklärt Rode. Lob erhielten die Teilnehmer von Northeims Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser: „Die Restauration des Polenkreuzes wurde feinfühlig und feinsinnig umgesetzt.“ Bei der offiziellen Präsentation des Polenkreuzes zugegen war auch die Großnichte Tomalas, Ewa Messerer, mit ihrem Mann Dirk aus Ronnenberg. „Es ist für uns eine große Ehre, es freut mich sehr, dass so viele nette Menschen das für meine Familie getan haben“, zeigt sich Ewa Messerer gerührt von der Aufstellung des Kreuzes. Sie lieferte Harer zahlreiche Informationen zum Leben Tomalas. Diese sind auf einer Erinnerungstafel des Volksbundes Kriegsgräberpflege nachzulesen, so dass „an die Geschichte zumindest eines Zwangsarbeiters exemplarisch erinnert werden kann“, wie Harer betont. Des Weiteren haben die Schülerinnen Hendrikje Antons und Juliane Schlimme vom Corvinianum einen Film über Tomala gedreht, in dem unter anderem die Teilnehmer der Jugendwerkstatt mitspielen. Der Film soll in Kürze veröffentlicht werden.

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