Pflegepolitische Sprecherin der Linken MdB Pia Zimmermann informiert sich über Situation in Klinik

„Pflege geht alle an“

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Appellieren an das Pflegepersonal, noch mehr auf die Straße zu gehen und zu protestieren (von links): Carlo Bleichert, Pia Zimmermann und Marianne König.

NORTHEIM (wat) – „Wenn Gesundheit zur Ware wird, wird Widerstand zur Pflicht“, betont Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin der Partei Die Linke im Bundestag. Gemeinsam mit ihrer Mit­arbeiterin Marianne König aus Fredelsloh und Kreisvorsitzendem Carlo Bleichert besuchte sie vergangene Woche die Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim und informierte sich beim dortigen Betriebsrat über die aktuelle Situation.

Hauptkritikpunkt, den Zimmermann während ihres Besuches von den Mitgliedern des Betriebsrates gehört hätte, sei der Personalabbau bei gleichbleibender oder sogar steigender Arbeit. „Die Kollegen sind einfach am Limit“, kritisiert sie die Personalpolitik von Helios. Ebenfalls sei die Quote der examinierten Fachkräfte heruntergesetzt worden, was die Arbeit für das examinierte Pflegepersonal zusätzlich erschwere. „Wenn Helios nur so den Neubau mit 60 Prozent finanzieren kann, indem sie Stellen und Fachpersonal abbauen, dann ist die Gesundheit aufgrund der Privatisierung zum Renditeobjekt geworden und das darf nicht sein“, betont Zimmermann.

Kritik üben die Linken auch am Bau der neuen Klinik. „Das neue Konzept mit dem U-förmigen Bau ist nicht praktikabel“, sagt König. „Jeder Kollege, der auf Station sitzt, lebt in der Angst, dass jemand am anderen Ende der Station aus dem Bett fällt und man es gar nicht mitbekommt, da man nun nicht mehr alles im Blick haben kann.“ Diese permanente Anspannung mache das Personal auch krank. Von derartigen Missständen hätte Zimmermann während ihrer Pflegetour, auf der sie im gesamten Land Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser besucht, aber bisher überall gehört. „Bei den privatisierten Häusern ist es allerdings noch etwas schlimmer als bei denen in kommunaler Hand“, sagt sie. Damit sich etwas ändert, müssen die Kliniken von Bund und Ländern finanziert werden, um zurück in kommunale Hand zu kommen. Zudem hält sie ein Personalbemessungsgesetz für nötig, in dem geregelt ist, wie viele Pflegekräfte pro Patient eingesetzt werden müssen. „Aber als kleine Opposition im Bundestag haben wir es schwer, etwas zu erreichen, wenn CDU und SPD nicht mitziehen“, gibt sie zu bedenken.

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