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Oase feiert 25-jähriges Jubiläum

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Von: Janina Watermann

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Mitarbeiter Tagestreff Oase Küche
Helfen von Armut betroffenen Menschen mit einer warmen Mahlzeit, Kleidung oder einem offenen Ohr (von links): Die Hauptamtlichen Irina Kirsch, Melanie Bogedain, Daniel Oldenburg, Beate Wernicke und Melanie Gottwald freuen sich auf viele Besucher beim Sommerfest. © Janina Watermann

Northeim – 355 Besucher verzeichnet der Tagestreff Oase dieses Jahr schon, das sind rund 40 pro Woche und überdurchschnittlich viele. Vergangene Woche waren es sogar 70. Und das Telefon steht nie still. Die Oase wird, nicht zuletzt auch wegen der Folgen der Corona-Pandemie, mehr denn je gebraucht.

Dabei gibt es den typischen Besucher der Oase nicht. „Wir sind ein recht bunter Haufen und keine homogene Gruppe“, sagt Sozialarbeiterin Beate Wernicke, die sich seit 24 Jahren beim Tagestreff um die Sorgen der Besucher kümmert. Seit elf Jahren steht ihr Sozialarbeiterin Melanie Bogedain zur Seite. 
Was als Wärmestube für Obdachlose anfing, hat sich zu einer allgemeinen Sozialberatung gewandelt. Einen warmen Platz zum Essen, die Möglichkeit zum Duschen oder einfach nur Zeit für Gespräche mit anderen Menschen finden die Besucher aber weiterhin im Tagestreff – und das an sieben Tagen in der Woche. Aktuell sechs Hauptamtliche, zum Teil so genannte Ein-Euro-Jobber und Menschen in einer Arbeitsförderungsmaßnahme, sowie 15 Ehrenamtliche halten den Laden am Laufen. Das Arbeitsfeld ist dabei groß. Von der Essenszubereitung und -ausgabe über die Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen bis hin zur Durchführung von gemeinsamen Ausflügen, wie ein Besuch des Jungen Theaters oder eine kulinarische Stadtführung, reicht es. „Wir werden oft auf die Grundversorgung reduziert“, sagt Wernicke, „das ist zwar ein wichtiger Teil, aber wir machen auch allgemeine Sozialberatung und sorgen für Teilhabe.“ Dabei würden sie nicht nach Schema F vorgehen. „Die Beratung umfasst bei uns viel mehr, auch, weil wir den Menschen ganzheitlich betrachten“, erklärt Bogedain. Manchmal würde schon ein offenes Ohr reichen, andere Fälle sind äußerst komplex gelagert. Einige Besucher sind jahrelang in der Oase anzutreffen. 
Hemmungen, die Hilfe des Tagestreffs in Anspruch zu nehmen, müsste niemand haben, betonen die Sozialarbeiterinnen, denn „Armut ist kein Verbrechen“. Die vor allem in Trash-Formaten gezeigten Arbeitslosen, die sich von Hartz IV Alkohol, Zigaretten und ein faules Leben finanzieren lassen, gebe es zwar auch, aber der Teil sei verschwindend gering. Die meisten Besucher seien unverschuldet in die Armut gerutscht, einige benötigen auch nur Hilfe beim Umgang mit Ämtern oder suchen Kontakt, da sie einsam sind. 
Um den Besuchern eine warme Mahlzeit und Kleidung oder den Kindern Spielzeug zukommen lassen zu können, ist die Oase auf Spenden angewiesen. „In erster Linie brauchen wir Geldspenden“, gibt Bogedain zu. Aber auch saisonale Kleidung, Spielsachen für Kinder und funktionsfähige Fahrräder sowie haltbare Lebensmittel werden angenommen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Spenden gut erhalten sind und nur während der Öffnungszeiten abgegeben werden. In einem Telefonat vorab kann geklärt werden, was zurzeit benötigt wird.
Um ihre Arbeit bekannter zu machen, hat die Oase in ihrem Jubiläumsjahr, das unter dem Titel „Gemeinsam. Stärker. Bunter“ steht, unter anderem eine Wanderausstellung organisiert, die in den Northeimer Kirchen zu sehen war. Und auch Bogedain und Wernicke erzählten während der Gottesdienste von ihrer Arbeit. Zudem verteilten sie Postkarten mit Sprüchen, wie „Aktion statt Resignation“, „Mitgefühl statt Mitleid“ oder „Teilhabe statt Ausgrenzung“. 
Wer die Arbeit des Tagestreffs und auch die Besucher genauer kennenlernen möchte, hat beim Sommerfest dazu die Gelegenheit. Es findet am 3. Juli ab 11 Uhr an der Oase statt. Das Kinder- und Jugendkulturzentrum bietet Kreativangebote, es gibt einen Fotostand mit Fotos zum Mitnehmen, ein Glücksrad des Fördervereins Oase, Musik eines Saxophonquartetts und von Michael Eilers, Auftritte der Tänzerinnen von Kerstin Baufeld und eine Überraschung. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Bei schlechtem Wetter findet das Fest in einer kleineren Version im Gemeindehaus der St.-Sixti-Kirche statt. Um 10 Uhr wird zudem ein Gottesdienst in St. Sixti gefeiert.
Des Weiteren ist bereits ein Flohmarkt in Planung. Dieser soll am 3. September von 10 bis 16 Uhr auf dem Hof vor der Oase stattfinden. 

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