Juniorwahl an der Erich-Kästner-Schule und den BBS II in Northeim

Schüler wählen mit

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Die Jugend machts vor: Mit Wahlzetteln ausgestattet, findet die Wahl unter realistischen Bedingungen statt.

Northeim – Während die deutschen Bürger erst am morgigen Sonntag, 26. Mai, zur Europawahl gehen, haben die Schüler der Erich-Kästner-Schule (EKS) und der BBS II schon an der Juniorwahl teilgenommen. Seit Wochen steht das Thema Europa und Europawahl auf den Stundenplänen.

Deutschlandweit haben seit der ersten Juniorwahl 1999 bereits über drei Millionen Schüler an dem Projekt teilgenommen und ihre Stimmen für Bundes-, Landtags- und Europawahlen abgegeben. Dazu bestimmt jede Klasse zwei Wahlhelfer, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. An der Erich-Kästner-Schule sind es in diesem Jahr vier Klassen, an den BBS II sogar 21. „Letztes Jahr haben wir erstmals mit zehn Klassen teilgenommen“, erklärt Nico Diedrich Leiter des Politik-Teams der BBS II. Die Gründe für den Anstieg seien vielfältig. Einige Klassen bemerken erst im Laufe des Projekts, wie spannend das Thema sei und schließen sich ihm dann etwas verzögert oder im Folgejahr an. Ein weiterer Faktor sei, dass die Jugend auch politische Themen jetzt stärker wahrnehme, wie EKS-Schulleiter Joachim Brinkmann betont. „Die AfD polarisiert. Viele Themen wie der Frieden in Europa und der Umweltschutz bewegen die Schüler tatsächlich“, erklärt er. Dies sei nicht nur während der Vorbereitungszeit zur Juniorwahl aufgefallen. Gerade Schüler in den Klassen zu haben, die selbst Fluchterfahrungen haben oder Nachfahren von Kosovoflüchtlingen sind, sorge dafür, dass ihren Klassenkameraden bewusster sei, worum es eigentlich gehe, pflichtet ihm Lehrerin Kirsten Meier bei. Vielen Schülern sei es unbegreiflich gewesen, wie selbstverständlich Krieg in Europa vor der Europäischen Union war. „Schüler nehmen, was jetzt ist, als gegeben hin“, berichtet Brinkmann. Dass ein EU-Austritts in letzter Konsequenz auch zu Kriegen in Europa führen könnte, sei für die Schüler eine furchterregende Vorstellung. Besonders stolz sei Brinkmann auf seine Schüler, die sich vorbildlich mit den Wahlprogrammen der größten sechs Parteien, die in leichter Sprache auf Stellwänden dargestellt wurden, auseinandergesetzt haben. „Bei jedem Thema im Unterricht gibt es normalerweise ein oder zwei Kinder, die sagen wie öde das ist. Bei diesem: kein einziges“, betont Brinkmann. Mit offiziellen Junior- Wahlbenachrichtigungen und Stimmzetteln sei den Schülern auch klar, dass mit ihnen kein Kinderkram gemacht werde. Das alles mit rechten Dingen zugeht, liegt unter anderem in den Händen von Niclas Bruder und Marie Bortram, die in ihrer Klasse an den BBS II die Funktion der Wahlhelfer übernehmen. Immer wieder weisen die beiden ihre Mitschüler auf das Wahl­geheimnis hin und halten sie davon ab, zu früh zu den Wahlkabinen zu gehen. Gemeldet hätten sie sich freiwillig, erklären die Beiden. Es sei auch eine gute Vor­bereitung, falls man später einmal bei einer regulären Wahl als Wahlhelfer berufen werde. Die bundesweiten Abstimmungsergebnisse der Schüler sind am Sonntag, 26. Mai, ab 18 Uhr unter www.juniorwahl.de abrufbar. Die vorläufigen Ergebnisse der Europawahl werden voraussichtlich zur selben Zeit bekanntgegeben. (sth)

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