Helios Albert-Schweitzer-Klinik reagiert auf Kritik der Linken / Gesundheitszentrum erwünscht

Mehr Personal nicht nötig

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Freuen sich über Lob und Kritik: Stefan Knorr (links) und Jens Kuhlgatz sind auf Rückmeldungen von Patienten und niedergelassenen Ärzten angewiesen.

NORTHEIM (wat) – Unzufriedene Mitarbeiter im Bereich der Pflege, Mehrarbeit für die Pflegekräfte, zu weite Wege im neuen Haus und Profitgier des Helios-Konzerns warf Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, der Northeimer Albert-Schweitzer-Klinik nach ihrem Besuch vor wenigen Wochen vor (HALLO berichtete). Jetzt haben auch Klinikgeschäftsführer Stefan Knorr, der Ärztliche Direktor Dr. Jens Kuhlgatz und die Leiterin der Unternehmenskommunikation der Helios Region Mitte-Nord Natalie Erdmann auf die Kritik reagiert – und sehen vieles ganz anders. Bauchschmerzen bereiten der Führungsriege aber die Probleme beim geplanten Bau des Gesundheitszentrums unterhalb des Krankenhauses.

Rund 180 Mitarbeiter in der Pflege arbeiten in der Klinik, davon 93 Prozent examiniert. Hinzu kommen pro Jahrgang etwa 40 bis 50 Kranken- und Gesundheitspflegeschüler. Für die Geschäftsführung der Klinik ist das ausreichend. „Wir wissen, dass nicht alle Mitarbeiter in der Pflege zufrieden sind“, gesteht Erdmann, „und wir bemühen uns, diesen Zustand zu ändern.“ Allerdings nicht mit der Aufstockung des Personals. „Mehr Personal hilft auch nicht“, betont sie. Der Meinung schließt sich auch der Ärztliche Direktor an. „Mehr Personal würde zu keiner Qualitätssteigerung führen, wir müssen die Abläufe und die Organisation optimieren“, meint Kuhlgatz. Lediglich die empfundene Arbeitsbelastung des Pflegepersonals sei höher. Zudem stehe den Mitarbeitern offen, Überlastungsanzeigen zu schreiben. „Repressalien haben sie in dem Fall nicht zu befürchten“, betont er. Den Vorwurf, dass die U-Form des Neubaus zusätz­liche Arbeitswege nötig mache und das Pflegepersonal weniger Übersicht über die Stationen habe, weist Knorr zurück. „Auf den Stationen können alle jederzeit alles überblicken, zudem haben wir offene Tresen, die immer besetzt sind“, erklärt er. So zumindest die Theorie. „Es ist einfach alles neu“, ergänzt Kuhlgatz, „viele Mitarbeiter sind seit 30 oder mehr Jahren gerade Gänge gewohnt, jetzt muss man sich halt umgewöhnen.“ Auch dass seit dem Umzug an den Sultmer monatlich etwa 100 Patienten (rund zehn Prozent) mehr kommen, ist für Helios kein Grund, auch für mehr Pflegepersonal zu sorgen. Eine Aufstockung erfolgte hingegen bei den Ärzten. Elf Mediziner mehr als im vergangenen Jahr sind jetzt an der Northeimer Klinik tätig. „Wir bieten in einigen Teilen bereits die Maximalversorgung an, sind sehr breit aufgestellt und kooperieren eng mit dem Uniklinikum Göttingen“, zeigt sich Kuhlgatz stolz auf das medizinische Angebot der Klinik. Auch der Zufluss in die neu eingerichtete Neurologie sei sehr gut. Zudem verfügt die Klinik unter anderem über zwei Herzkatheterlabore. Die Meinung der Linken, dass der Helios-Konzern Gewinne zulasten der Mitarbeiter erwirtschafte, teilt die Geschäftsführung ebenfalls nicht. „Lediglich ein Prozent der Gewinne landen beim Aktionär“, erklärt Erdmann und betont, dass der Konzern noch transparenter arbeiten möchte, um das Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. „Zudem sollen in diesem Jahr 2,4 Millionen Euro in die Instandhaltung, die Infrastruktur und die Medizin der Klinik fließen“, ergänzt Knorr, der hofft, dass die Klinik 2015 schwarze Zahlen schreibt.

Einigung mit Stadt

Etwas unwohl ist der Geschäftsführung beim Thema Gesundheitszentrum, das in diesem Jahr von den Investoren Wolfram Schmidt (Apotheker), Dr. Bernhard Schmitz-Salue, Dr. Gerhard Lübbert und Dr. Wolf-Henning Dörner gebaut werden sollte (HALLO berichtete). Ob das Vorhaben realisiert wird, ist momentan fraglich, da die Investoren und die Stadt keine Einigung im Bereich Lärmschutz erzielen können und so keine Bau­genehmigung erteilt wird. „Northeim entgeht hier eine riesige Chance, eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau und an einem Ort zu bekommen“, zeigt Kuhlgatz kein Verständnis über das Vorgehen der Stadt. Der Lärmschutz sei für ihn kein überzeugendes Argument, da die Klinik über einen hervorragenden eigenen Schallschutz verfüge und das Ärztehaus inklusive weitere Parkplätze keine zu hohe Lärmquelle darstelle. Mit der Problematik einher geht auch die Diskussion um den Bau von Parkplätzen für die Klinikmitarbeiter. „Der Bau unseres Parkplatzes ist an die Erschließung des Gesundheitszentrums gekoppelt“, erklärt Knorr. Würde sich abzeichnen, dass dieses nicht gebaut wird, müsse Helios auf anderem Wege für weitere Parkplätze sorgen und gegebenenfalls die Straße zu den Stellplätzen in finanzieller Eigenregie bauen. Wann die Mitarbeiter nicht mehr am Autohof parken und von einem Shuttle zur Klinik gefahren werden müssen, vermag der Klinikgeschäftsführer nicht zu sagen. „Frühestens am Ende des Jahres“, ist Knorr wenig optimistisch und hofft, dass sich Stadt und Investoren so schnell wie möglich doch noch einigen werden.

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