Matti Dahms verlässt nach 26 Jahren das Kinder- und Jugendkulturzentrum

„Das war meine Bühne“

Matti Dahms mit seinen Kollegen vorm Jugendzentrum
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26 Jahre war die Alte Brauerei seine Bühne: Von Matti Dahms (Mitte) verabschieden sich (v.l.) Stefan Wrzosek-Gröger, Stefan Loheide, Gaby Meyer und Marianne Olliges.

Northeim – Kaum ein Kind oder junger Erwachsener in Northeim kennt ihn nicht: Matti Dahms, pädagogischer Mitarbeiter des Kinder- und Jugendkulturzentrums Northeim. Nach 26 Jahren ist es heute nun Zeit, sich in Rente zu verabschieden.

Wegen Corona musste auf eine Abschiedsfeier verzichtet werden, bedauern auch seine Kollegen. Noch mehr bedauern sie aber seinen Weggang. „Ich tue noch immer so, als ginge es einfach weiter“, gibt Sozialpädagogin Gaby Meyer zu. An Matti, der eigentlich Franciszek heißt, schätze sie besonders seine Hilfsbereitschaft und Lösungsorientiertheit. „Und vor allem die Kinder haben an ihm geliebt, dass er immer für einen Spaß zu haben war“, sagt Meyer und gibt zu, dass sie sich aber auch ordentlich gefetzt hätten: „Matti ist ziemlich temperamentvoll.“ Auch Stadtjugendpfleger Stefan Loheide berichtet nur Gutes über ihn: „Auch wenn er nur am Rand bei einer Aktion beteiligt ist, gibt er 120 Prozent.“ Außerdem habe er einen Blick fürs Detail und sei ein absoluter Perfektionist. „Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind riesig“, meint Sozialpädagoge Stefan Wrzosek-Gröger, „da können nur mehrere Leute rein, einer alleine schafft das nicht.“ Für Stadtjugendpflegerin Marianne Olliges ist Matti „die gute Seele des Hauses“. Er sei immer da gewesen und hätte dafür gesorgt, dass der Laden läuft. „Und wenn der Schauspieler in ihm durchkam, kam immer Stimmung auf.“

Dahms ist nämlich Diplom-Schauspieler, hat zehn Jahre lang in seiner Heimat Polen in 38 Rollen auf der Bühne gestanden. „In Deutschland habe ich dann bei Null angefangen“, berichtet der 65-Jährige von seinen Anfängen. 1989 ist er mit seiner Frau und seinem Sohn vor den Toren Friedlands gelandet. Dank der Schauspielerei hatte er Kontakt zum Deutschen Theater in Göttingen, wo er weiter als Schauspieler arbeiten wollte. „Aber meine Deutschkenntnisse waren quasi nicht vorhanden“, erzählt er, „und wie soll man ohne Sprachkenntnisse den schönsten Beruf der Welt ausüben?“ Dennoch wollte er in Deutschland bleiben. Zufällig traf er dann auf Harald März, ehemaliger Kultusamtsleiter in Northeim. „Er hat mich dann nach Northeim geholt.“ Zu Beginn sei es aber sehr schwer gewesen, Fuß zu fassen. Praktikum in der Jugendherberge, außerschulische Betreuung, Hausmeistertätigkeiten. „Vor der Alten Wache habe ich dann beim Krippenspiel mitgemacht, ich war Josef. Und da ich besser war als der Esel und das Kamel, wurde mit der Job im Jugendkulturzentrum angeboten“, blickt er lachend zurück.

26 Jahre lang war die Alte Brauerei seine Bühne, wie er selbst sagt. Anfangs als Hausmeister, später als pädagogischer Mitarbeiter. Zehn Jahre hat er mit seiner Familie sogar dort gewohnt. „Was ich da alles erlebt habe.“ Seine Erinnerungen reichen von legendären Konzerten von Wolke bis zu Jugendlichen, die auf der Treppe Sex hatten. Überhaupt könnten alle stundenlang Geschichten erzählen, von Busfahrten mit sich übergebenden Kindern oder vom spontanen Basteln von Meerjungfrauen.

Der Abschied nach so langer Zeit falle ihm schon schwer, gibt Dahms zu. Aber so ganz geht er dann doch nicht. „Ich bleibe nicht nur Northeim, sondern auch dem Jugendzentrum treu“, sagt er und meint damit vor allem den Jugendaustausch zwischen Northeim und der Partnerstadt Prudnik, dessen Ehrenbürger Dahms ist. Und auch die kommenden zwei oder drei Jahre werde er helfen, verspricht er.

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