DLRG Northeim warnt vorm Baden an der Abbruchkante

Lebensgefahr am Kiessee

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Betreten der Uferböschung und Baden verboten: Sven Guse und Tochter Ann-Sophie sorgen sich um die Zunahme lebens­gefährlicher Aktionen der Badegäste am Kiessee.

Northeim – „Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, so unvernünftig wie in diesem Jahr waren die Leute noch nie“, kann Sven Guse, Vorsitzender der DLRG Northeim, nicht verstehen, warum Badegäste am Northeimer Kiessee sich auf die von Bauzäunen abgesperrte Abbruchkante legen und dort schwimmen gehen. Die Mitglieder der DLRG haben auch in dieser Saison wieder ehrenamtlich die Badeaufsicht am Kiessee übernommen.

„Wir sind für die Leute da und werden es auch bleiben“, betont Guse die Wichtigkeit dieser Aufgabe, aber alleine in dieser Saison habe der Verein schon rund 300 Euro an Sprit verfahren, um unvernünftigen Badegästen klarzumachen, dass sie sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie außerhalb der gekennzeichneten Badezone auf der Abbruchkante oder an den Steilhängen sitzen, dort schwimmen oder sogar auf den Kiesbagger klettern, um von dort in den See zu springen. Originäre Aufgaben der DLRG-Mitglieder, die inzwischen fast alle auch zum Sanitäter ausgebildet wurden, sind eigentlich die Versorgung von kleineren Verletzungen, Hilfe bei Sonnenstichen und Notfällen sowie Aufklärungsarbeit. Das am Kiessee beaufsichtigte Gebiet beschränkt sich eigentlich auf die Badezone an der A7. Mindestens vier, aber meist sechs oder sieben Rettungsschwimmer übernehmen während der Hauptsaison ehrenamtlich die Aufsicht. „Wir fahren zudem etwa alle Dreiviertelstunde mit dem Quad einmal um den Kiessee herum, um auf dem Rundweg nach dem Rechten zu schauen“, ergänzt Guse. So könne dort beispielsweise einem Jogger, der sich verletzt hat, vor Ort geholfen werden. Und auch mit dem Rettungsboot würde immer wieder rausgefahren, um Badegäste außerhalb der Badezone über die Gefahr aufzuklären, die im und um den Kiessee herrschen. Leider seien viele aber uneinsichtig. „Beim ersten Mal sind wir nett, beim zweiten Mal energischer und beim dritten Mal schmeißen wir sie raus“, erklärt der erfahrene Rettungsschwimmer. Nicht nur die Zahl derer, die sich außerhalb der Badezone einen Platz suchen, habe zugenommen, auch die Unvernunft. So gebe es Eltern, die ihre Kinder ohne irgendeinen Sonnenschutz herumlaufen lassen und dann auch noch Alkohol trinken würden, kann Guse das Verhalten nicht nachvollziehen. Auch das Hinterlassen Unmengen von Müll speziell von Jugendlichen könne er insbesondere vor dem Hintergrund der Fridays-for-Future-Bewegung nicht verstehen. Trotzdem führten alle ihr Ehrenamt gerne aus. „Northeimer für Northeim“, ist der Leitsatz der DLRG. Guses größte Befürchtung ist, dass sich im Zuge des Ausbaus der A7 immer mehr Menschen abseits der gekennzeichneten Badezone – und damit auch außerhalb des ständigen Blickfelds der Rettungsschwimmer – niederlassen. „Ich kann verstehen, dass man nicht direkt an einer Baustelle oder später dann an einer sechsspurigen Autobahn liegen und schwimmen möchte“, hat er Verständnis. Deshalb hält er eine Schallschutzwand für dringend erforderlich. „Wenn die nicht gebaut wird, wandern alle ab und dann wird Schlimmeres passieren“, ist er sich sicher. Wer sich über Gefahren im und um den Kiessee oder die Arbeit der Rettungsschwimmer erkundigen möchte, kann die Mitglieder der DLRG vor Ort jederzeit ansprechen. Für alle, die sich im Verein engagieren möchte, steht Guse per E-Mail an sven-guse@northeim.dlrg.de zur Verfügung. (wat)

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