HALLO-Volontär Stefan Hartmann wagt den Selbstversuch und fastet

Fünf Tage ohne Essen

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Vorbereitung auf das Fasten: Der Ratgeber empfiehlt Brühe und viel Wasser zu trinken.

Northeim - Schon Anfang des vergangenen Jahres hat mein Kollege, Mediaberater Christopher Härtel, in der Redaktion von seiner ersten Fastenerfahrung berichtet. Übermütig erklärte ich, dass ich ja mitgemacht hätte, wenn er mir vorher Bescheid gesagt hätte.

Jetzt hatte ich den Salat. Oder genau genommen nichtmal den, denn für fünf Tage wollten wir gemeinsam auf sämtliche feste Nahrung verzichten. Stilles Wasser und Tee, morgens Kräutertee und nachmittags auch mal Früchtetee, für eine Woche als Grundnahrungsmittel? Geschmackliche Höhepunkte in dieser Zeit sind ein Viertelliter Gemüsebrühe zur Mittagszeit und ein verdünnter Obst- oder Gemüsesaft, ebenfalls ein Viertelliter, zum Abend. Ich muss zugeben, ein wenig nervös war ich schon. Mit meinem Startgewicht von 114,7 Kilogramm kann ich nicht verleugnen, dass ich gerne koche und natürlich auch esse. Würde ich einfach so umschalten können und meine Gewohnheiten über Bord werfen können? Der Fastenratgeber, den mir mein Kollege gegeben hat, verspricht eine Rückbesinnung auf sich selbst. Ein besseres Verständnis davon, was notwendig und was Luxus ist sowie natürlich auch einen Gewichtsverlust. Auch wenn ich mich in meinem Körper sehr wohl fühle, muss ich mir eingestehen, dass ich ein paar Kilo vom „Optimalgewicht“ entfernt bin. Im Austausch muss ich, da sich beim Fasten der Körper selbst reinigen soll, mit einem verstärkten Körper- und Mundgeruch rechnen. Die Haut kann trocken werden und man soll leichter frieren, heißt es in der Anleitung zum Fasten. Da mir sonst nie, oder zumindest sehr selten, kalt ist, bin ich darauf tatsächlich besonders gespannt.

Die Vorbereitung

Schon der Einkauf für die Fastenwoche war eine kleine Herausforderung. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe meiner Lieblingssäfte machte wenig Mut, denn sie enthalten neben Fruchtsaft auch einen Musanteil. Zählt das schon als feste Nahrung, die ich vermeiden möchte? Zur Sicherheit habe ich mich deshalb für normalen Multivitamin- und Orangensaft entschieden. Für die geschmackliche Abwechslung gibt es ein paar Halb­literpackungen Gemüse-, Karotten-, Tomaten- und Sauerkrautsaft. Ein Vorteil zeigt sich schon hier: Ohne Essen kauft es sich deutlich günstiger ein.

Die Fastenzeit

Der erste Tag, ein Freitag, ist noch recht entspannt. Auch wenn ich nicht faste, um abzunehmen, wiege ich mich trotzdem zur Kontrolle und bringe 114,7 Kilogramm auf die Waage. Bei dem so genannten Entlastungstag steht eine recht große Menge Obst- und Gemüse auf dem Plan, sogar Pellkartoffeln sind erlaubt. Leinsamen sollen dabei helfen, im Darm gelagerte Schmutz- und Giftstoffe zu binden. Da ich zum Mittag keine Zeit für die Pellkartoffeln hatte, gab es abends ein paar kleine Kartoffeln und ein wenig Zucchini aus dem Backofen. Für den zweiten Tag (113,7 Kilogramm), den ersten Fastentag, steht Glaubersalz auf dem Programm. Das Abführmittel soll dabei helfen Magen und Darm zu befreien, denn, so der Rat­geber, solange noch verdaut wird, entsteht auch leichter Hunger. Angeblich ist dies der schlimmste Teil am Fasten. Innerhalb von 15 Minuten muss die 750 Milliliter Salzwasserlösung getrunken werden. Gegen den fiesen Salz­geschmack wird ein Spritzer Zitronensaft empfohlen. Da ich keine halbe Zitrone un­verbraucht wegwerfen will, presse ich sie komplett aus – so ist der Geschmack erträglich. Im Lauf des Tages muss ich mich daran erinnern, dass ich beschlossen habe, nichts zu essen, denn auch wenn noch kein richtiger Hunger aufkommt, ist der Gedanke „wird Zeit für das Mittag-/Abendessen“ einfach normal. Am Sonntag (112,2 Kilogramm) stellt sich gegen die Mittagszeit immer wieder ein zwickendes Hungergefühl ein. Aber mit einem Schluck Tee lässt sich das, zumindest für eine Stunde, wieder vertreiben. Geschlafen habe ich unruhig und, da ich der Empfehlung entsprechend zeitig ins Bett gegangen bin, war ich auch wieder früh wach. Der erste Arbeitstag in der Fastenzeit beginnt mit einem kurzen Schwindelgefühl nach dem Aufstehen, aber nach ein paar Schritten lässt es nach. Ich wiege nur noch 111,4 Kilogramm. Zur Sicherheit habe ich mir für diesen Tag keine Termine vorgenommen, falls mich meine Kraft im Stich lässt. Aber abgesehen von ein wenig Müdigkeit fühle ich mich belastbar. Auch der zwickende Hunger hat aufgehört. Stärker wird dafür in der Freizeit die Langeweile, die sich gut damit füllen lässt darüber nachzudenken, was man sich nach der Fastenzeit alles Schönes kochen könnte. Abends spüre ich ein Ziehen in den Beinen, fast als hätte ich Muskelkater. Nach einer kurzen Recherche liegt es wohl daran, dass mein Körper die Fettverbrennung aktiviert hat und dabei Säure entsteht, die wegen fehlender Nahrungsaufnahme nur langsam ausgeschieden werden kann. Klingt plausibel. Wärme soll helfen – das stimmt auf jeden Fall. 

Die Nacht auf Dienstag (109,9 Kilogramm) ist kurz. Immer wieder flackert ein kurzer Kopfschmerz auf, die Beine zwicken weiter. Aber das lässt noch vor Arbeits­beginn nach. Bei einem Außentermin an der Northeimer Kläranlage fällt mir auf, dass meine Hände im Wind kalt werden. Ein Problem, das ich sonst nicht habe. Das abendliche Ziehen in den Beinen hat zugenommen, Wärme hilft nur bedingt. Zum Glück bin ich müde und kann den leichten Schmerz einfach verschlafen.

Der letzte Fastentag (108,5 Kilogramm) ist von Vorfreude geprägt. So viele gute Rezepte können nachgelesen und gegeneinander abgewogen werden. Zum Fastenbrechen am Donnerstag ist eigentlich ein Apfel vorgesehen, aber kann man sich nicht vielleicht mit einem guten Stück Käse, einer Scheibe Salami oder gar einem Kartoffelchip etwas gönnen? Außerdem kann ich keinen Tee und keine Gemüsebrühe mehr sehen. Ich freue mich einfach auf Geschmack. Ich hatte Motivation und Vorfreude auf das Essen erwartet, aber ich fühle nur Gleichgültigkeit. Ich habe mich gegen etwas Besonderes zum Fastenbrechen entschieden und besorge mir statt­dessen eine Nashibirne, die ich lieber mag als Äpfel. Die leckere Hochzeitssuppe zum Mittag ist auch nur eine Suppe. Keine Offen­barung, aber eben lecker. Für den Abend ist ein Kino­besuch mit Freunden geplant, bei dem ich mir mit Nachos mit Käsedip ein eher ungesundes Geschmacks­erlebnis als Belohnung holen werde. Aber richtig freuen kann ich mich darauf nicht. Mit nur noch 107,6 Kilogramm nehme ich das erste Mal seit fünf Tagen wieder Nahrung zu mir und bin nicht beeindruckt. Immer wieder habe ich davon gelesen, dass der Geschmack danach überwältigend sein soll, aber alles schmeckt wie es sonst auch schmeckt. Am zweiten Aufbautag bin ich bereits nach einem Knäckebrot mit Weichkäse und Gurke am Morgen satt. Am Abend mache ich mir einen Salat, den ich nicht aufesse.

Die Zeit danach

Mittlerweile hat sich mein Verhältnis zum Essen wieder ein wenig normalisiert. Aber noch immer ist Essen eher Last als Genuss. Noch reichen geringe Mengen aus, um lange ohne Hunger auszukommen. Der rasante Gewichtsverlust von über sieben Kilogramm ist auf gut vier zusammen­geschrumpft, aber das war zu erwarten. Insgesamt fiel es mir deutlich leichter als erwartet nichts zu essen. Die Beschwerden haben sich, mit Ausnahme des abendlichen Ziehens in den Beinen in Grenzen gehalten. Über Mund- und Körpergeruch hat sich niemand beschwert, was auch mit daran liegen mag, dass ich jeden Tag mehrere Tassen Pfefferminztee getrunken habe. Insgesamt lässt es sich nur schwer sagen, wie gut ich das Fasten verkraftet habe. War ich am Montag schlapp, weil ich nichts gegessen hatte oder war einfach nur Montag? Habe ich vom Fasten am Dienstag Kopfschmerzen bekommen oder hatte ich einfach nur Kopfschmerzen? Im Großen und Ganzen waren die Neben­wirkungen gut zu verkraften. Meine persönliche Empfehlung für jeden Neugierigen ist: Probier es aus. Wer gesund ist, hat eigentlich nichts zu befürchten und wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich vorher von seinem Arzt beraten lassen. (sth)

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