Northeimer Kaufmannschaft begrüßt probeweise Umwidmung von Teilen der Fußgängerzone

„Es ist fünf nach zwölf“

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Die Northeimer Kaufmannschaft sieht in der teilweisen Umwidmung der Fußgängerzone eine Chance für die Innenstadt: Befürchtungen einiger Bürger, die Straßen, wie hier am Münster, werde zur Autobahn, teilen sie nicht.

NORTHEIM (wat) – „Die Fußgängerzone wird entgegen der Befürchtung vieler Bürger keine Durchfahrtsstraße“, betont Doris Ohlmer, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Der Rat der Stadt Northeim hatte vor wenigen Wochen eine probeweise Teil­öffnung für den Autoverkehr beschlossen.

Die Kaufmannschaft aus der Northeimer Innenstadt und Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser hatten am Dienstag zu einem Pressetermin eingeladen. „Wir möchten den Bürgern die Sorge nehmen, dass die Innenstadt zur Autobahn wird“, erklärt Ohlmer. Es werde lediglich ein Teilbereich der jetzigen Fußgängerzone in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet. „Wir haben in Northeim einen überdurchschnittlich großen Bereich als Fußgängerzone ausgeschrieben“, sagt Tanja Bittner, Geschäftsführerin des Stadtmarketings. „Der Kern bleibt während der Probephase außerdem erhalten: der kleine Marktplatz, Teile der Breiten Straße und das City Center.“ Dem stimmt auch Ewald Micheletti, der sein Geschäft am Markt hat, zu: „Im Vergleich zu der Einwohnerzahl Northeims haben wir eine überdimensionierte Fußgängerzone.“ Für ihn komme es nicht infrage, nichts zu tun. „Das wäre tödlich für Northeim, denn es ist inzwischen nicht mehr fünf vor, sondern fünf nach zwölf in der Innenstadt.“ Mit der Probephase könne etwas mehr Bürgerfreundlichkeit und mehr Frequenz geschaffen werden, erhofft er sich. „Die Leerstände werden von Monat zu Monat schlimmer, von Stadtentwicklung kann keine Rede sein.“ Was schlussendlich dabei rauskommt und ob es eine dauerhafte Option ist, werde man nach den zwölf Monaten sehen. Dass dringend etwas getan werden muss, meint auch Michael Böhnert, Filialleiter des Modehauses Magnus. Das Geschäft am Münster ist eines der direkt von der Probeöffnung betroffenen. „Als Kaufmannschaft stehen wir hinter der Entscheidung, denn wir sehen auch zahlreiche Vorteile für die Kunden“, so Böhnert. Auch die Bedenken, dass es zu wilden Rasereien in der Innenstadt kommt, werden nicht geteilt. „Die Polizei kann den Verkehr überwachen, indem sie zum Beispiel blitzen, was jetzt nicht möglich ist“, sagt Ohlmer. In den verkehrsberuhigten Bereichen darf lediglich Schrittgeschwindigkeit, also rund 6 km/h gefahren werden.

Keine Zeit verlieren

Die Gewerbetreibenden soll während der Probezeit die Kundenfrequenz dokumentieren. Über das jeweilige Kassensystem eine einfache Sache, wie Ohlmer betont. „Diese Ergebnisse müssen wir dann in die Auswertung einbeziehen“, erklärt Tannhäuser, „gab es einen Rückgang oder sind die Kundenzahlen sogar gestiegen?“ Die Ergebnisse möchte der Bürgermeister am liebsten in einen städtebaulichen Wettbewerb einfließen lassen. Der Vorschlag Tannhäusers, zwei bis drei Planungsbüros je zwei bis drei Vorschläge zur Gestaltung der Innenstadt machen zu lassen, war bereits vor einigen Monaten in der Diskussion, fand bislang aber noch keine mehrheitliche Unterstützung. Die dafür veranschlagten 50.000 Euro müsse die Stadt aber in die Hand nehmen. „Wir dürfen jetzt keine Zeit vergehen lassen“, appelliert Tannhäuser an den Stadtrat. Wann genau Teile der Fußgängerzone für den Verkehr freigegeben werden, steht derzeit noch nicht fest. In einem öffentlich-rechtlichen Verfahren muss zunächst die Innenstadt in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet werden. „Das dauert mindestens noch zwei Monate“, ist sich Tannhäuser sicher. Zum 1. Oktober oder 1. November sollte das Experiment Fußgängerzone dann aber starten.

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