Dr. Roy Kühne und Prof. Dr. Norbert Lammert in Northeim

„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“

Dr. Norbert Lammert (l.) mit Roy Kühne in Northeim mit Publikum im Autohaus Becker-Tiemann
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Professor Dr. Norbert Lammert (l.) mit Roy Kühne in Northeim: „Demokratie stirbt nicht durch ausreichendes Engagement von Demokraten, sondern durch Populisten, die durch legitimierte Wahlen dieses System zum Einsturz bringen.“

Northeim / Berlin – Eine Demokratie steht und fällt mit dem Engagement ihrer Bürger*innen – in diesem Punkt sind sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne und Prof. Dr. Norbert Lammert, ehemaliger Bundestagspräsident und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, einig. Im Northeimer Autohaus Becker-Tiemann waren alle 100 Plätze für den Vortrag von Lammert zum Thema „Demokratie braucht Demokraten“ vergeben. Anschließend stellten sich Kühne und Lammert den Fragen aus dem Publikum.

Besonderes Augenmerk legte Lammert auf die Annahme, Demokratie sei für eine aufgeklärte Gesellschaft selbstverständlich. Dies sei jedoch nur für fünf Prozent der Weltbevölkerung zutreffend. „Wenn wir über Demokratie reden, sprechen wir nicht über den Normalfall oder eine Selbstverständlichkeit. Eine Demokratie steht und fällt mit dem Engagement ihrer Bürger.“ Hinzu käme, dass demokratische Werte wie Gewaltenteilung, eine unabhängige Justiz oder Presse- und Wissenschaftsfreiheit zunehmend Auflösungserscheinungen zum Opfer fallen. Demokratische Staaten stehen vor der Herausforderung, die Freiheit des Individuums mit dem Wohl der Gemeinschaft zu vereinen.

Die anschließende Diskussionsrunde zeigte deutlich, dass Parteien für den Erhalt der Demokratie unerlässlich sind und ihren Wählern und Wählerinnen Identifikationspotential bieten müssen. Dazu Kühne: „Norbert Lammerts Buch ‚Demokratie braucht Demokraten‘ trifft bereits im Titel den Nagel auf den Kopf. Sich politisch zu engagieren, bedeutet immer auch, für die Sache diskutieren, auch streiten zu müssen. Den damit verbundenen Gegenwind, gerade auch in den sozialen Netzwerken aushalten zu müssen, ist nicht immer leicht, dieses Engagement für unsere Demokratie aber unerlässlich. Deshalb danke ich allen, die sich ehrenamtlich in unserer Region politisch engagieren.“

Lammert gab den Teilnehmenden mit auf den Weg, bei jeder Wahl zu hinterfragen, in welche Partei sie ihre Stimme investieren wollen. Denn, und so hat es der US-amerikanische Präsident Barack Obama geäußert, die Demokratie ist immer dann am meisten gefährdet, wenn die Menschen anfangen, sie für selbstverständlich zu halten. „Demokratie stirbt nicht durch ausreichendes Engagement von Demokraten, sondern durch Populisten, die durch legitimierte Wahlen dieses System zum Einsturz bringen.“

Die Verpflegung der Gäste mit Gegrilltem und Getränken hatte unter anderem der Northeimer Kreisverband des Kinderschutzbundes um Stephan Bokelmann übernommen. Der Erlös kommt der Arbeit des Verbandes zu Gute.

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