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„Es sind nur Haare“

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Selbstbewusst auch ohne Haare: Daniela Bast-Frohme steht zu ihrem Aussehen und zu ihrer Krankheit. © Foto: Mones Lichtblicke/nh

HOLLENSTEDT (wat) – Daniela Bast-Frohme war neun Jahre alt, als sie ihre ersten Kopfhaare verloren hat. Sieben Jahre später hatte sie gar keine Haare mehr am gesamten Körper. Die Diagnose: Alopecia Areata Universalis, auch kreisrunder Haarausfall genannt. Mit einem Video, das seit einigen Wochen online ist, möchte sie gemeinsam mit weiteren Frauen von der Krankheit Betroffenen Mut machen.

Alopecia Areata ist eine Störung des Immunsystems, an der über eine Million Menschen in Deutschland leidet. Dabei werden die eigenen Haare vom Immunsystem als fremd erkannt und abgestoßen. „Drei Mal die Woche bin ich als Kind zum Hautarzt gegangen, habe homöopathische Mittel genommen, wir haben alles versucht“, erinnert sich die 39-Jährige an den Anfang ihrer Krankheit, aus der sie nie ein Geheimnis gemacht hat. „Da ich es mit der Zeit locker genommen habe, hat das auch mein Umfeld getan“, sagt sie. Dennoch musste sie mit einigen Vorurteilen kämpfen. „Einige Leute haben gedacht, ich sei ein Nazi, andere haben es als Phase abgetan oder irgendeine Sektenzugehörigkeit vermutet, heute denken viele schnell an Krebs“, berichtet die Hollenstedterin. Vor allem während ihrer Teenagerzeit hätten sie an schlechten Tagen die Blicke anderer Menschen schon gestört, „aber mittlerweile gibt es keine schlechten Tage mehr“, betont die drei­fache Mutter. Auch mit einer Perücke hat Bast-Frohme es vor ein paar Jahren mal probiert – für eine Hochzeit im Bekanntenkreis. „Das war nicht meins, ich habe mich total verkleidet gefühlt“, gesteht sie. Lieber trägt sie Tücher. Was ihr im Umgang mit der Krankheit damals geholfen hat und auch heute noch am meisten hilft, sind ihre Familie und Freunde. „Ich glaube, ich habe die besten auf der Welt“, lobt sie ihr soziales Umfeld. „Sie haben schon vor 20 Jahren mit mir als Glatzkopf Arm in Arm in der Disco getanzt, mich beim Campingurlaub gefragt, ob ich einen Föhn mit habe, weil sie einfach selbst nicht mehr an meine Alopecia gedacht haben, und auch heute springen sie für mich noch in die Bresche, sollte jemand über mich und meine fehlenden Haare einen blöden Kommentar machen“, freut sie sich über den Zusammenhalt. Mit der Alopecia Areata Universalis geht Bast-Frohme offen um. „Es sind doch nur Haare, es gibt viel schlimmere Krankheiten“, sagt sie, „und von einer vergleichsweise harmlosen Krankheit lasse ich mich nicht diktieren.“ Um auch anderen Betroffenen Mut zu machen, die Immunschwäche zu akzeptieren und offen damit umzugehen, hat sie sich an einem Video beteiligt, das von Mitgliedern einer Facebookgruppe für Menschen mit kreisrundem Haarausfall initiiert und gedreht wurde. 25 Frauen aus ganz Deutschland und der Schweiz haben sich mit einzelnen Sequenzen an dem Video beteiligt, zwei von ihnen haben vor der Kamera zum ersten Mal den Mut gefunden, ihre Krankheit publik zu machen. „Wir müssen uns nicht verstecken“, lautet die Botschaft des Clips, der auf der öffentlichen Facebookseite „Die vielen Gesichter von Alopecia Areata“ schon rund 600.000 Aufrufe hat und auch bei Youtube zu sehen ist. „Wir haben so viele positive Kommentare zu dem Video erhalten, das ist einfach toll“, freut sich Bast-Frohme über die gute Resonanz. Gedreht hat sie ihre Sequenz zu Hause – mit Hilfe ihrer Tochter Marieke. Das Video soll der Startschuss für weitere Aktionen sein. „Es sind noch andere Projekte in Planung, wir wollen die Krankheit mehr in die Öffentlichkeit bringen und so über sie informieren.“

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