Tagesstätte Northeim beteiligt sich am Projekt Wanderbank

Bunte Vielfalt gegen triste Gedanken

Corinna Engelke (Projektmanagerin und Koordinatorin der Gesundheitsregion Göttingen), Michael Scholz aus der Tano und Stephanie Pfitzner
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Die Wanderbank ist ein Gemeinschaftsprojekt: Stolz präsentieren Corinna Engelke (Projektmanagerin und Koordinatorin der Gesundheitsregion Göttingen), Michael Scholz aus der Tano und Stephanie Pfitzner (Tano) die Wanderbank der Tano (Tagesstätte Northeim).

Northeim - Die Tagesstätte Northeim (Tano) beteiligt sich am Projekt Wanderbank, um die Öffentlichkeit für das Thema Depressionen zu sensibilisieren.

Das Projekt „Die Wanderbank“ ist eine gemeinsame Aktion des Sozialpsychiatrischen Verbundes des Landkreises Northeim und des Bündnisses gegen Depression Südniedersachsen. Es soll die Erkrankung Depressionen in den öffentlichen Fokus richten, aufklären und auf Hilfsangebote vor Ort aufmerksam machen.

Laut Schätzung des Bundesgesundheitsministeriums sind zwischen 16 und 20 [1] Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens von einer Depression betroffen; einige von Ihnen leiden gar dauerhaft unter diesem belastenden und alltagseinschränkendem Diagnosebild. Die bunten und überall im Landkreis anzutreffenden Wanderbänke rücken also in den Fokus, was längst ein viel zu verborgener Teil des Alltagslebens ist.

Parallel dazu gibt es einen Instagram-Account. Unter dem Hashtag #diewanderbank können die Standorte der Bänke gepostet werden, zudem ist jeder eingeladen ein Foto mit der Bank zu posten, wenn er eine im Landkreis gefunden hat.

Auf dem Account werden außerdem Informationen zur Aufklärung über die Krankheit, Aktionen die im Rahmen des Bündnisses stattfinden und Angebote der teilnehmenden Einrichtungen weitergegeben. Ausdrücklich erwünscht ist zum Beispiel den Gestaltungsprozess der Bank zu dokumentieren und durch den Hashtag in der Story des Accounts zu teilen.

Auch die Tagesstätte Northeim (Tano) von den Wegbegleitern des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. hat sich dem Projekt angeschlossen und mit viel Begeisterung eine eigene Bank gestaltet. Den kreativen Köpfen aus der Tano sind das Projekt und die stärkere Präsenz von psychischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit nämlich ein ganz besonderes Anliegen: Sie sprechen aus Erfahrung und wissen ganz genau, was es bedeutet unter einer psychischen Einschränkung zu leiden und damit tagtäglich zu leben. In der Tano erfahren diese Klient*innen jene Hilfestellungen, die sie zum Bewältigen ihres Alltags brauchen. Und die Tagesstättenbesucher*innen wünschen sich sehr, dass jeder der unter einer solchen Einschränkung zu leiden hat, weiß wo er wertschätzende Hilfe bekommt. Genau dazu soll die Tano-Bank beitragen.

„Über eine bunte Bank gestolpert“

Dabei war es eher dem Zufall zu verdanken, dass es diese Bank überhaupt gibt. Bei einem begleiteten Ausflug entdeckte Ergotherapeutin und Mitarbeiterin der Tano Stephanie Pfitzner eine solche bunte Bank an einer ungewöhnlichen Stelle. Ihre Aufmerksamkeit war geweckt und auch das Bewusstsein darüber, dass Bänke normalerweise nicht an allen beliebigen Stellen stehen dürfen, entfachte ihre Neugier. Später stellte sie Erkundigungen an und stieß schließlich auf das Projekt „Bündnis gegen Depressionen in Südniedersachsen“ und die ebenfalls involvierte Gesundheitsregion Göttingen, die die Aktion begleitet. In der Tano wurde heiß diskutiert: Eine eigene Bank für mehr Öffentlichkeit zum Thema und damit auch mehr Präsenz für die regionalen Hilfsanbieter, zu denen sie selbst zählen? Letztlich waren sich alle einig, dass dies eine sinnvolle und erfolgsversprechende Aktion ist.

Begeistert bildete sich ein fester Stamm Klienten und Klientinnen, die das Projekt „Wanderbank“ intern umsetzen wollten. Drei Wochen lang werkelten sie daraufhin mit ungebrochenem Elan. Zuerst wurde das Material bestellt, dann in handwerklicher Feinarbeit zur Bank montiert. Schließlich folgte der künstlerisch-kreative Teil. Dabei stellten alle gemeinsam viele Überlegungen an, verwarfen sie wieder und griffen schließlich entschlossen zu Pinsel und Farbe, um ihr Werk zu Vollenden.

Anfangs stand die Bank noch auf dem Hof der Tano und alle blickten tagtäglich stolz auf ihr Werk, der ein oder andere nutzte die willkommene Sitzgelegenheit gar für einige Ruheminuten. Doch wirklich Sinn macht das Projekt Wanderbank ja nur an belebten Orten der Öffentlichkeit. Platz der Wahl sollte das Corona-Testzentrum in Northeim werden. Doch nicht einhaltbare Vorschriften zerschmetterten diesen Plan schnell. Bis Ende September fand die Bank daher ihren festen Platz am Impfzentrum und diente den frisch Geimpften so nicht nur als kleine bunte Ruhe-Oase, sondern sorgte auch für Aufklärung in Sachen Depressionen und psychische Erkrankungen. An der Bank finden sich Flyerhalter mit zwei angebrachten Fächern. Im ersten Fach steckt ein Flyer des Bündnisses, welcher Informationen über das Krankheitsbild der Depression sowie die wichtigsten Telefonnummern für Betroffene und Angehörige enthält. Ebenso wird der Flyer in leichter Sprache im Flyerhalter zu finden sein. Im zweiten Fach gibt es Informationen zu den Hilfestellungen, die die Tano als nur eine von vielen differenzierten Hilfsangeboten der Wegbegleiter des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. bietet.

Anfang Oktober ging die Bank noch einmal auf eine ganz besondere Reise zur 6. Regionalen Gesundheitskonferenz der Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen in die Lokhalle Göttingen. Zusammen mit verschiedenen weiteren Bänken anderer Hilfsangebotsdienstleister konnte das Thema noch einmal einer breiten Masse Besuchern nahegebracht werden. Es ist interessant zu sehen, wie die „Wanderbank“ so auch von einer zur anderen Stelle wandert und ihre Präsenz in der Öffentlichkeit zeigt.

Die“ Tano“ hilft im Alltag

Das Leistungsangebot der Tagesstätte Northeim richtet sich an psychisch erkrankte Erwachsene und bietet ihnen eine feste Tagesstruktur. Sinnvolle Aktivitäten, gemeinsame Gespräche, sozialer Kontakt statt Isolation und die helfende Unterstützung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als ganz persönliche Wegbegleiter, zeichnen das Angebot der Tano weiterhin aus.

Jedem steht die Möglichkeit zu, bestmögliche Unterstützung und eine helfende Hand für seinen und ihren Alltag zu bekommen. So sind sich Tano-Besucher*innen und Mitarbeiter*innen einig, sollte es unbedingt sein. Nicht nur die Sensibilisierung der Bevölkerung für psychische Erkrankungen und daher gehende Alltagsproblematiken, sondern auch das Wissen über hilfespendende und unterstützende Angebote in der Region sollten viel mehr publik gemacht werden. Einer der Gründe, warum Stephanie Pfitzner sich dem Projekt begeistert angenommen hat, sobald sie davon erfuhr.

Wer mehr über die Tano Northeim wissen möchte, oder Interesse an der Wahrnehmung des Angebots hat, kann sich telefonisch unter 05551 – 977 319 melden. Die Öffnungszeiten der Tano sind montags bis donnerstags von 8:30 bis 15 Uhr sowie freitags von 8:30 bis 13 Uhr. Tiefergehende Informationen bietet auch die Website unter: www.familienwerk.info unter den jeweiligen Menüpunkten Wegbegleiter und Tagesstätte Northeim.

Mehr Infos zum Projekt Wanderbank bietet die Website: www.gesundheitsregiongoettingen.de/diewanderbank/

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