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Bauarbeiter stoßen auf längst vergessene Gruft

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Gebeine Gruft Arentsschildt
Die in Vergessenheit geratene Gruft des Generalmajors Arentsschildt wurde bei Bauarbeiten zwischen dem Hallenbad und dem Schwarzen Weg entdeckt. © Dr. Stefan Teuber/Stadt Northeim/nh

Northeim – Bei Bauarbeiten der Stadtwerke Northeim zwischen dem Hallenbad und dem Schwarzen Weg wurde vor Kurzem eine Gruft angebaggert. Und dies, obwohl der Alte Friedhof an der Stadtmauer, wo heute noch das Lueder-Mausoleum und einige wenige Grabstellen stehen, deutlich weiter südlich auf der anderen Seite der Bahnstrecke liegt. Der Amtsvorgänger von Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber, Ekkehard Just, konnte dazu jedoch einen entscheidenden Hinweis geben.

Neben einer dortigen Eiche, die als Treffpunkt diente, stand damals das Arentsschildt-Denkmal, das nach dem Bau des Hallenbads als nicht mehr zeitgemäß für das städtebauliche Erscheinungsbild angesehen und 1973 entfernt wurde. Eine der Platten des vierseitigen Denkmals fand 1975 einen Platz an der Außenseite der Stadtmauer am Alten Friedhof. Dass es unter dem Denkmal eine Gruft gab, war vergessen, kann aber ausführlich in der 1894 erschienenen „Beschreibung und Geschichte der Stadt Northeim in Hannover“ von Vennigerholz nachgelesen werden. Diese Publikation stellt auch heute noch ein wichtiges Nachschlagewerk über die Northeimer Vergangenheit dar.
Die Gruft ist ein Kalksteinbau mit Tonnengewölbe von circa 2,7 mal 1,5 Meter Innenraummaß und rund 1,5 Meter Innenhöhe. In die Südostecke des Gewölbes wurde bei den Baggerarbeiten aufgrund von Unkenntnis einer hier liegenden Gruft ein kleines Loch gemacht. In Absprache mit der Baufirma und den Stadtwerken wurde der Verlauf der Baugrube für die Stromleitungen in einem ausholenden Bogen außen um die Gruft herumgeführt. Wäre die Baugrube wie vorgesehen weiterhin mit geradem Verlauf ausgeführt worden, wäre das Gewölbe an einer Seite vollständig durchtrennt worden, was dessen Einsturz zur Folge gehabt hätte. Nach einer Fotodokumentation am folgenden Tag wurde die Gruft wieder verschlossen.

Hintergrundinfo

Die Gruft mit dem Denkmal wurde auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne, die später bis zum Abriss als Bürgerschule II diente, errichtet. Für die Gruft außerhalb des kirchlichen Friedhofs bedurfte es einer Genehmigung des Konsistoriums (kirchliche Behörde). Das Denkmal und eine damals junge Eiche wurden von den Offizieren des unter dem Denkmal bestatteten Arentsschildt gestiftet. Die vier Seiten des Denkmals gaben Auskunft über den Bestatteten. Noch erhalten ist die 1975 an die Stadtmauer gesetzte Sandsteinplatte der Ostseite. Unter dem Wappen des Verstorbenen steht dreizeilig geschrieben: „FRIEDRICH LEVIN AUGUST von ARENTSSCHILDT / GEB. 1755 / GEST: D. 10. DEC. 1820“.
Der königlich hannoversche Generalmajor von Arentsschildt war Kommandeur des in Northeim stationierten 3. Husarenregiments. Er diente 51 Jahre und nahm an elf großen Feldschlachten und vielen Gefechten teil. Auf der Nordseite des Denkmals wurden die Feldschlachten bei Talavera, Fuentes d’Onos, Salamanca, Vittoria, Toulouse und, besonders zu erwähnen, auch bei Waterloo 1815 genannt. Die Westseite gab einen vierzeiligen Reim wieder und die Südseite führte die wichtigsten ihm verliehenen Orden und Auszeichnungen auf.

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