Ausstellung „Der Erste Weltkrieg in Northeim“ zeigt eindrucksvoll das Kriegsgeschehen

Von Northeim an die Front

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Neuheit im Northeimer Heimatmuseum: Wie die Besucher digitale Informationen über Gefallene im Ersten Weltkrieg abrufen können, zeigen (von links) Hans Harer, Ekkehard Just und Jörg Dodenhöft, die die Ausstellung konzipiert und gestaltet haben.

NORTHEIM (wat) – Mit einer Neuheit ergänzt das Northeimer Heimatmuseum die Ausstellung „Der Erste Weltkrieg in Northeim“. Erstmals können sich Besucher digital durch die Ausstellung führen lassen und am Bildschirm Informationen über im Krieg gefallene Northeimer recherchieren.

Konzipiert und gestaltet wurde die Ausstellung, die noch bis 16. April zu sehen ist, von Stadtarchivar Ekkehard Just, Stadtkämmerer Jörg Dodenhöft und dem ehemaligen Geschichtslehrer Hans Harer. Jeder übernahm dafür einen Themenkomplex. Just widmete sich dem Thema „Der Krieg in Northeim“, mit dem die Ausstellung beginnt. Presseartikel, Schautafeln und Todesanzeigen dokumentieren hierbei selbsterklärend den Verlauf des Krieges von der ersten Begeisterung 1914 bis zur Depression am Ende 1918. „Die Todesanzeigen gehen zum Teil wirklich unter die Haut“, beschreibt Just. Der emotionale Umgang der Northeimer mit dem Ersten Weltkrieg wird anhand der Korrespondenz zwischen Cuno Rumann und seinem Bruder aufgezeigt. Die Erinnerungsstücke und Briefe stellte der Northeimer Dr. Tilo Rumann dem Museum zur Verfügung. Von der Stadt Northeim geht es im zweiten Ausstellungsteil auf das Schlachtfeld. Um den Besuchern einen annähernden Eindruck vom Kampf an der Front zu ermöglichen, hat Dodenhöft gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Niklas sowie Hans Jochen Boenisch einen Schützengraben gebaut. „Und zwar in ihrer Freizeit“, wie Just betont. Von dort blickt der Besucher durch Stacheldraht auf Szenen nach der Zerstörung in Flandern. Ein Granatsplitter, ein Zünder eines Artilleriegeschosses sowie ein original Grabenschild machen den Schützengraben noch erlebbarer. „Wer im Schützengraben saß, hat solche Bilder wahrhaftig gesehen“, betont Dodenhöft. Auf grausame Kriegsbilder verzichtet die Ausstellung allerdings. In dem Ausstellungsbereich „Das Schlachtfeld an der Westfront“ werden zudem Fundstücke aus Flandern wie Hand- und Schrapnellgranaten, Bodenhülsen von Artilleriegeschossen und Bajonette gezeigt. Auch Exponate zur Grabenkunst sind zu sehen. Dabei handelt es sich um Gegenstände wie Aschenbecher, Nussknacker und Aufbewahrungsdosen, die aus dem Metall von Geschossen gebaut wurden. An das Schlachtfeld schließt sich der Themenbereich „Kriegsgedenken in Northeim“ an, für den Harer verantwortlich zeichnet. Hier erhalten Besucher Informationen über gefallene Soldaten aus Northeim und den umliegenden Ortschaften. Eines der Highlights der Ausstellung ist dabei die digitale Form des Ehrenbuches aus der Hieronymuskapelle in der St. Sixti-Kirche. Auf einer Tafel der Kapelle sind die Namen der Gefallenen aus Northeim verzeichnet, in dem Ehrenbuch sind ihre Biografien niedergeschrieben. Besucher können die jeweiligen Biografien am Bildschirm aufrufen und so einen Einblick in das 268 Seiten starke Werk erhalten. Digitalisiert wurden die Seiten, die alle individuell gestaltet wurden, von Harer. Zudem haben Besucher die Möglichkeit, sich virtuell durch die Ausstellung führen zu lassen. Just, Dodenhöft und Harer haben eigens dazu Videos gedreht, in denen sie ihren jeweiligen Themenkomplex erklären und dem Besucher Informationen geben. „Das war schon etwas ungewohnt, da wir so etwas zum ersten Mal gemacht haben, ist aber eine tolle Sache“, sagt Just. Die Idee dazu stammt von Dodenhöft, der hofft, dass insbesondere Schulklassen die Ausstellung besuchen.

Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung werden Vorträge im Museum gehalten. Den Beginn macht Ekkehard Just mit „Northeim im Ersten Weltkrieg“ am 1. Dezember um 19 Uhr. Am 19. Januar referiert Hans Harer über „Kriegstotengedenken in Northeim nach dem Ersten Weltkrieg“ um 19 Uhr. Oberst Karsten Jahn spricht am 7. Februar um 11 Uhr zum Thema „Der Westen. Planung und Koordination des Massensterbens – Verdun, Somme, Flandern 1916/17“. Die Vortragsreihe schließt am 15. März mit „Der Stellungskrieg im Westen – Wie durchlebten die Soldaten den Krieg?“ um 19 Uhr von Jörg Dodenhöft. Eine Führung durch die Ausstellung findet am 9. Dezember um 17 Uhr statt. Weitere Termine folgen. Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen kostenfrei.

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