Plan für die Wehren

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Über 100 Feuerwehrangehörige verfolgen die Sitzung des Wirtschaftsausschusses in der Northeimer Stadthalle.

NORTHEIM (rgy) - Vor drei Jahren wurde der Feuerwehrbedarfsplan vom Rat in Auftrag gegeben, nun konnte er am Mittwoch dem Ausschuss für Bürgerdienste, Wirtschaft und Verkehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung und den Ortsräten in der Stadthalle von Claus Lange, Direktor der Feuerwehr Hannover, vorgestellt werden. Interessiert verfolgten auch über 100 Brandschützer die Vorstellung, in der Hoffnung, dass der Plan genehmigt und die Zukunft der Wehren auf sichere Füße gestellt werden würde.

Der Bedarfsplan ist eine umfassende Darstellung des Ist-Zustandes der örtlichen Feuerwehren, aber auch ein wichtiges Hilfsmittel zur Dimensionierung der Feuerwehren in einer Kommune. So werden in ihm Schutzziele festgelegt sowie die zukünftigen personellen und materiellen Bedarfe aufgeführt und das Risikopotenzial ermittelt. Ziel sei es, in 90 Prozent der Einsätze in zehn Minuten mit 16 Leuten vor Ort zu sein, wobei die ersten neun schon nach fünf Minuten an der Einsatzstelle sein sollen. Prinzipiell sei Northeim im guten Mittelfeld im niedersächsischen Vergleich, was die Ausstattung anbelangt, erklärt Lange. Er schlägt in die Zukunft gerichtet unter anderem die Anschaffung mehrerer Einsatzfahrzeuge, die Verlegung des Northeimer Feuerwehrhauses, damit die Helios-Klinik und die A7 schneller erreichen werden können, sowie die Beschäftigung von zwei hauptamtlichen Gerätewarten vor. Eine Zusammenlegung von einzelnen Ortsfeuerwehren lehnt er ab. Der Plan ist so ausgerichtet, dass der alle fünf Jahre fortgeschrieben werden soll. Die Feuerwehren hatten an dem Abend auf ein starkes Signal seitens der Politik gehofft, um die Zukunft ihrer Arbeit auf sicheren Füßen zu wissen. Stadtbrandmeister Günther Brünig machte sich stark für den vorgeschlagenen Weg, den auch die Feuerwehren mit erarbeitet hätten. So zeigten sich die meisten der anwesenden Kameraden enttäuscht, als am Ende des Abends die Ratsmitglieder entschieden, den Feuerwehrbedarfsplan zur Beratung in die Fraktionen zu nehmen. „Die Vorlegung des Plans hat seitens des Bürgermeisters drei Jahre gedauert und jetzt haben wir ihn erst seit zwei Wochen vorliegen“, begründet Berthold Ernst (SPD). Er merkte zudem an, dass auch die Finanzierung der rund 6,5 Millionen Euro, die auf die Stadt zukämen, erst mit dem Haushaltsplan in der kommenden Sitzung des Finanzausschusses mit besprochen werden müsse. Zudem wünscht er sich noch eine Stellungnahme der Ortsfeuerwehren. „Wir werden das alles beraten, um dann eine vernünftige Lösung hinzubekommen“, macht Ernst aber Hoffnung, dass der Plan nicht in einer Schublade verschwindet, sondern auch umgesetzt wird. Auch Langenholtensens Ortsbürgermeisterin Reta Fromme (CDU) verwies darauf, dass sie nach nur zwei Wochen noch nicht über den Plan abstimmen könne. Außerdem müsse erst mit den Feuerwehren in den Ortschaften gesprochen werden. Anders sah das Stöckheims Ortsbürgermeister Dietmar Weiß, der dafür plädierte, die Grundsatzentscheidung zu treffen. „Es war jetzt drei Jahre Zeit zu diskutieren“, kritisiert er. Ernst betonte nochmal, dass mit der weiteren Beratung kein Jahr bei der Umsetzung verlorenginge, aber dass man dafür die notwendigen Haushaltsmittel brauche. Am Ende entschied sich der Ausschuss dafür, den Feuerwehrbedarfsplan erst in den Fraktionen zu beraten. Es folgten tumultartige Zustände in der Stadthalle, da einige Ortsräte sich damit nicht abfinden wollten: „Wieso mussten wir dann heute kommen, wenn wir nicht darüber entscheiden können?“, äußerten sie klar ihren Unmut. Doch auch unter den Ortsräten gab es keine Einigkeit, zumal vier Ortsräte auch nicht beschlussfähig waren und drei weitere sich für eine Vertagung aussprachen. Uneinigkeit gab es auch bei den drei Ortsvorstehern von Schnedinghausen, Berwartshausen und Bühle, die alle eine andere Auffassung vertreten haben. Lutz Kesse, Ortsvorsteher von Berwartshausen, sprach sich für eine Vertagung aus, er betonte die Bedeutung der Feuerwehr in seinem Ort. Immerhin seien von 70 Einwohnern 21 in der Feuerwehr, sie würde somit auch eine wichtige Rolle im dörflichen sozialen Zusammenleben spielen. Die Frage von Ansgar Lürig (CDU), wer in der Verwaltung in Zukunft für die Umsetzung des Bedarfsplanes sorgen würde, wenn der Ordnungsamtsleiter Uwe Ritter, der bislang die Fäden in der Hand hatte, andere Aufgaben im Rathaus erfüllen müsse, konnte Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser nicht richtig beantworten. „Es wird jemand geben“, war seine schlichte Antwort.

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