Film über Flucht: „Midnight Traveler“

Auch Northeim ist ein Sicherer Hafen

Geflüchtete Familie bei Podiumsdiskussion in Northeim
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Die extra angereiste Familie Fazili berichtete über ihre Flucht über den Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn bis nach Deutschland, ihre Kontakte nach Afghanistan sowie das Schicksal des einstigen Kunst-Cafés in Kabul.

Northeim – „Midnight Traveler“ lockte jetzt rund 80 Zuschauer*innen in die Stadthalle Northeim. Der Film zeigt die Flucht des Filmregisseurs Hassan Fazili mit Ehefrau und Schauspielerin Fatima sowie den Töchtern Nargis und Zahra. Für diese bereits mehrfach ausgezeichnete Dokumentation nutzte die vierköpfige Familie drei Smartphones, um ihre schwierige, dreijährige Flucht aus Afghanistan nach Deutschland zu filmen. 

Ihre Versuche, ein Visum zu erhalten, um mit dem Flugzeug in ein sicheres Land einzureisen, blieben erfolglos, so dass sie auf dem gefährlichen Landweg nach Europa flüchteten. Dabei durchquerten sie den Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn, wo der Film endet. In einem anschließenden Gespräch auf dem Podium berichtete die extra angereiste Familie u.a. über ihren weiteren Weg bis nach Deutschland, ihre Kontakte nach Afghanistan sowie das Schicksal des einstigen Kunst-Cafés in Kabul. Zudem gaben alle vier einen Einblick in ihr Leben in Deutschland heute.

Die Initiative „Seebrücke Einbeck“ war mit Informationsmaterial vor Ort.

„Die Menschen hier in Deutschland sind sehr nett und offen, aber die Gesetze und der Umgang der Behörden mit uns ist menschenverachtend“, so Hassan Fazili. Drei Jahre habe die Familie den Landkreis in Nordrhein-Westfalen ohne Erlaubnis der Behörden nicht verlassen können, da keine Antwort auf ihr Asylgesuch vorlag. Das Recht auf Bewegungsfreiheit war eingeschränkt. Auch die beiden Töchter Nargis und Zahra, die durch den mehrjährigen Aufenthalt in Deutschland inzwischen fließend Deutsch sprechen, schilderten einige Eindrücke sowohl von der Erfahrung, bei der Flucht gefilmt zu werden als auch über die Zeit hier in Deutschland.

Bei Getränken und afghanischen Snacks konnten die Zuschauer*innen im Anschluss an das moderierte Gespräch mit der Familie in Austausch treten. Bürgermeister Simon Hartmann, der nicht vor Ort sein konnte, überbrachte durch Marianne Olliges (Migrationsrat) Grußworte. Sie berichtete über die Aktivitäten der Stadt Northeim als „Sicherer Hafen“ für geflüchtete Menschen. 2020 trat die Stadt der Aktion „Seebrücke/Sicherer Hafen“ bei, um solidarisch für sichere Fluchtwege und die Aufnahme von Menschen auf der Flucht einzutreten. Neben dem Migrationsrat der Stadt Northeim waren auch das Bündnis „Moringen bleibt wach“ und die Initiative „Seebrücke Einbeck“ mit Informationsmaterial vor Ort. Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation des DGB Ortsverbandes Northeim, des Café Dialogs der Werk-statt-Schule e.V. und des Hilfswerk Aucta.

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