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Armut macht keine Pause

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Von: Janina Watermann

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Wanderausstellung 25 Jahre Oase St. Sixti
Möchten über das Thema Armut informieren (von links): Stefan Leonhardt, Melanie Bogedain und Beate Wernicke freuen sich auf das Jubiläum des Tagestreffs Oase. © Janina Watermann

Northeim – Der Tagestreff Oase feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Los geht das Festjahr mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Armut ist anders – Leben mit Hartz IV“ am 4. März um 15 Uhr in der St.-Sixti-Kirche in Northeim.

„Armut ist noch immer ein Tabuthema, deshalb ist es wichtig, es hier in der Gemeinde bekannt zu machen“, erklärt Pastor Stefan Leonhardt, dessen Kirche einen engen Kontakt zur Oase pflegt. Bei der Ausstellung  berichten verschiedene Menschen von ihrem Weg in die Armut. Auch vier Lebens­geschichten von Northeimern sind darunter. Zudem wird über den Tagestreff Oase und die Definition von Armut informiert.
Armut meint nämlich mehr als nur finanzielle Nöte. Der Rattenschwanz für Menschen mit zu geringem Einkommen ist lang, wissen Beate Wer­nicke und Melanie Bogedain, Sozialarbeiterinnen des Tagestreffs. „Die Digitalisierung hängt zum Beispiel viele ab“, berichtet Bogedain. Endgeräte seien für Menschen im ALGII-Bezug kaum finanzierbar, nicht immer übernimmt das Jobcenter die Kosten und wenn doch, kann es Monate dauern, bis das Gerät dann auch wirklich da ist. Vor allem für Familien mit schulpflichtigen Kindern kann das schnell zum Problem werden. „Aber auch, dass viele Firmen Bewerbungen nur noch digital akzeptieren, nicht jeder kann sich ein Smartphone, Internet und ähnliches leisten“, ergänzt Wernicke. Auch die gesellschaftliche Ausgrenzung bekämen Menschen mit zu wenig Geld zu spüren. „Für einen Besuch im Kino oder Café reicht es meist nicht“, so Leonhardt. Viele würden so auch vereinsamen. 
Um bei diesen Problemen zu helfen, wurde 1997 der Tagestreff Oase gegründet. Vorläufer war die in den Wintermonaten eingerichtete Wärmestube. Ursprünglich war die Oase Anlaufstelle für Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Inzwischen ist das Beratungsfeld der Oase, die zur diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten gehört, umfangreicher geworden. Neben der Grundversorgung (Nahrung, duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer) bietet der Tagestreff unter anderem Freizeitaktivitäten und Sozialberatung an – und das an fast jedem Tag im Jahr. „Armut macht keine Pause“, betont Wernicke. 
Die Besucher der Oase, 2021 waren es 537, sind dabei so unterschiedlich wie die Gesellschaft selbst. Vom Säugling bis zur 80-Jährigen reicht die Spanne, 45 Prozent sind Frauen. Mehr als zehn Nationen treffen aufeinander. Deshalb lautet das Motto des Jubiläumsjahrs auch „Gemeinsam – Stärker – Bunter“. 
Wer sich über die Arbeit des Tagestreffs und das Thema Armut informieren möchte, kann die Wanderausstellung zwischen dem 4. März und dem 20. September besuchen. Des Weiteren soll es, sofern die Corona-Pandemie es zulässt, im Juli ein Fest und im September einen Flohmarkt geben. Fest terminiert sind außerdem ein Vortragsabend im Rahmen von „Sixti acts“ am 23. März um 19.30 Uhr mit den Sozialarbeiterinnen in der Sixti-Kirche. Am 27. März ist Kirchenkabarettist Norbert Hammermeister zu Gast in der Kirche. Beginn der Veranstaltung zum Jubiläum der Oase ist um 18 Uhr. Anmeldungen zu diesen Terminen sind nicht erforderlich, der Eintritt ist kostenfrei.

Wanderausstellung

4. März bis 7. April: St.-Sixti-Kirche
8. April bis 12. Mai: Apostel­kirche
13. Mai bis 16. Juni: Corvinus-Kirche
17. Juni bis 21. Juli: Baptisten-Kirche
22. Juli bis 25. August: Katholische Kirche Mariä Heimsuchung
26. August bis 20. September: Northeimer Heimat­museum

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