Landwirt und Biogasanlagenbetreiber Jens Pape zu den Folgen des Nährstoffkatasters Niedersachsen

„Zentrale Datenstelle reicht aus“

Jens Pape, Landwirt aus Nordstemmen und Biogasanlagenbetreiber, muss „ausbaden“, was in Cloppenburg falsch läuft. Foto: Hüsing

NORDSTEMMEN Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer möchte ein Nährstoffkataster in Niedersachsen einführen, um das „Nitratproblem“ zu lösen und der „Überdüngung“ entgegenzuwirken. Was dieses Kataster für einen hiesigen Landwirt und Biogasanlagenbetreiber bedeutet, verrät Jens Pape aus Nordstemmen der LDZ.

„Wir baden aus, was die Politik in Cloppenburg und Weser-Ems versemmelt hat“, reagiert Jens Pape spontan auf die Nachfrage, was er als Landwirt von dem geplanten Nährstoffkataster hält. Durch die zunehmende Massentierhaltung in den nordwestlichen Teilen des Bundeslandes fällt viel Gülle an, die auf die Felder aufgebracht wird, so dass es dort zu einer Überdüngung kommt. „Es war doch vorher bekannt, dass die Hektar nicht ausreichen“, versteht Pape die derzeitige Aufregung nicht.

Für ihn als Betreiber einer Biogasanlage habe die neue Verordnung zufolge, dass für jeden Gülletanker, der seinen Hof verlässt, sowohl einen Warenbegleitschein- als auch einen Lieferschein ausgefüllt werden muss. „Das funktioniert nicht gut und bedeutet einen immensen zeitlichen und personellen Aufwand“, erklärt Jens Pape. Gleich an vier verschiedene Behörden, darunter die Landwirtschaftskammer und das Kreisveterinäramt, muss er die Daten und Analyseergebnisse melden. „Eine zentrale Datenstelle sollte ausreichen“, findet Pape, der den entsprechenden Behörden auch Vollmachten ausstellen würde, damit diese darauf Zugriff nehmen können: „Es ist gut gedacht, aber nicht gut gemacht.“

Gemeinsam mit einigen anderen Landwirten hat sich der Nordstemmer bereits bei der Kammer beschwert, diese habe aber bislang nicht reagiert. Zwar habe ein Landwirt schon früher erfassen müssen, wieviel Gülle wohin geliefert wurde, aber der Aufwand war wesentlich geringer. „Die Nährstoffmenge wird in einer Analyse genau aufgeschlüsselt“, verrät Jens Pape.

Rund 20 000 Kubikmeter Gülle verlassen den Hof der Biogasanlage „Naturgas“ an der Zuckerfabrik. Eigentlich kein Problem, wenn der Kreislauf funktionieren würde. „Mit zwei Nachbarbauern, die Schweineställe unterhalten, funktioniert das“, erklärt Pape. Er bringt den durch die Biogasanlage gelaufenen Dünger hin und nimmt die Gülle wieder mit, um Energie zu gewinnen. „Aber die meiste organische Masse wird hin- und hergeschoben“, so der Landwirt. Regelmäßig transportiert Pape seinen Weizen nach Cloppenburg und Weser-Ems, um die dortigen Futtermischwerke zu versorgen, die bessere Preise zahlen als die hiesigen Mühlen- und Bäckereibesitzer. „Im Landkreis Hildesheim baut jeder Landwirt mindestens 50 Prozent Weizen an, hier gibt es aber kaum Viehställe“, beschreibt Jens Pape die Situation. Also wird der Weizen verkauft, allerdings nehmen zu wenige Bauern die durch die Tierzucht entstehende Gülle zurück, so dass diese im Norden ausgebracht wird und dort den Boden überdüngt. „Ein Problem ist die Lagerung der Gülle. Im Landkreis sind bisher erst drei Güllepötte genehmigt worden“, hofft Pape, dass die Kommunen mit Genehmigungen reagieren, wenn die im Bund und auf Landesebene beschlossenen Gesetze greifen: „Die Spielregeln müssen angepasst werden.“

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